Home › Daily Archives › 25/05/2009

Nie albern

Nie wirken wir alberner als in den Momenten, in denen wir um keinen Preis albern wirken wollen.

Durstpflaster

Dein Lächeln ist ein Durstpflaster. Wenn du gehst, reißt es trockenen Schmerz in meine Zunge.

Unbedachtes Lächeln

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Ich nehme dir einen unbedachten Blick übel, und vergesse darüber dein Lächeln.

Hauptsache nebensächlich

Nebensächlich ist nichts, und nichts ist so wichtig, dass es allein die Hauptsache sein könnte.

Sind wir reif zur Ernte?

Sommer ist die Zeit, in der das Gebet des Frühjahrs Antwort erhält. Die Früchte schwellen oder vertrocknen, und worum wir auch gebeten haben, wir erhalten, was möglich ist.
Sommer ist die Erwartung der Wärme, die uns eine den Horizont hinauf kletternde Sonne versprochen hat.
Wir sind Sommertiere, denn jetzt zeigen wir uns dem am ähnlichsten, das wir sind. Wir flüchten aus überhitzten oder überklimatisierten Räumen und werfen die künstlichen Winterfelle von uns.
Am wahrhaftigsten wären wir nackt, aber wer will schon die Wahrheit? Also verzichten wir darauf ebenso wie auf das Nacktsein.
Nackt und ursprünglich.
Die Verbindung zu den Ursprüngen haben wir verloren, darum ist unser Marsch durchs Leben wie der Heimweg eines Volltrunkenen. Schwankend brauchen wir die gesamte Straßenbreite, ohne zu wissen, auf welcher Straße wir unterwegs sind.
Der Regentropfen weiß, dass seine Quelle und Mündung Eines sind. Auch, wenn sie einen Erddurchmesser entfernt liegen mögen.
Wir kennen unsere Quelle nicht, und damit auch nicht unser Ziel.
Der Regentropfen gibt sich dem Wind hin, der ihn in die Wolke atmet.
Wir sind nicht klein genug, um groß sein zu können. So klein wie ein Tropfen im Verhältnis zum Ozean, mit dem er sich eins fühlt, so oft er hinein taucht.
Der Sommer vergeht zum Herbst. Die Frucht weiß als Ziel um die Ernte. Wir kennen das Ziel nicht, weil wir nicht frei sind, uns ernten zu lassen.

Vergessene Freiheit

Was ist aus dem Winzling geworden, der mit viel zu kurzen Beinchen über den Uferkies rannte, um sich mit kompletter Montur ins Wasser zu stürzen? Dabei stieß er seinen kindlich hellen Siegesruf aus: “Illa, illa!” und niemand weiß heute, was das bedeuten sollte. Niemand hat es je gewusst.
Niemand konnte mich halten, auch mein Vater nicht. Bevor er sein Fahrrad abstellen konnte, aus dessen Kindersitz er mich gerade gehoben hatte, war ich verschwunden. War auf meinem Siegeszug. War im Wasser. War platschnass.
Heute reicht es mir, am Strand zu sitzen und auf das Blinzeln der Wellen im Sonnenlicht zu schauen. Ich freue mich hinter der Sonnenbrille an schönen Körpern, die ins Wasser gleiten, und amüsiere mich verhalten über die Massen, die Acht geben müssen, dass Greenpeace sie nicht zur Rettung der Wale von ihren Strandlaken ins Wasser schiebt. Mit den kleinen Kindern versuche ich, mich am Wachsen ihrer Sandburgen zu freuen, und ihr Umsinken zu betrauern. Versuche wie die Kleinen nur im Augenblick zu sein. Und muss doch immer wieder an die Augenblicke denken, in denen auch ich noch ein Kind war.
Wo ist mein zwingender Zug zum Wasser geblieben? Wer hat ihn mir ausgetrieben? Hat man der Wasserratte so lange eingeredet, dass sie ertrinken würde, bis sie es geglaubt hat?
An all das kann ich mich nicht erinnern. Ich kenne es nur aus den Erzählungen derer, die schon lange keine Kinder mehr waren, als ich diese Freiheit noch genossen habe. Wir vergessen, dass wir frei sind.
Wir hatten ein Geheimnis miteinander, das Wasser und ich. Jetzt haben wir es verschlossen, jeder in sich selbst, vor dem anderen verborgen.

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Brennende Wälder

Im Sommer brennen die Wälder schon lange, bevor der erste Funken ins trockene Holz gesprungen ist.
Wir kommen immer zu spät, weil wir nicht begreifen wollen, dass alles zur rechten Zeit geschieht. Es knistert trocken in der Nase bei jedem Atemzug, den ich zwischen den Tannen und Fichten mache. Ausgedörrtes Nadelaroma, konzentriert in den schmalen Blättern, die immergrün sein könnten, wenn nicht die Hitze sie auslaugen würde.
Hinter den zersplitterten Ferngläsern unserer Betrachtungsweisen sammelt sich das Licht zu Brennpunkten, die unseren verdurstenden Wald entflammen. Unseren Wald, den wir vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
Wir schwenken das Fernrohr vom Boden zum Himmel. Erst wenn die Sonne unsere Netzhaut vom Auge geschmolzen hat, erkennen wir, dass es Dinge gibt, die zu hell sind, um sie zu sehen. Wir geben auf, wo wir teilen sollten. – Auch das Teilen der Last des Lebens kann Freude sein. Wie ist es da erst mit der Lust am Leben!
Wenn ich in den sommertrockenen Wäldern spazieren gehe, in denen mir die Waldmeisterei das Spazierengehen verboten hat, spüre ich beides, Last und Lust. Die Hitze drückt zu Boden, und der Gesang der Sonnenstrahlen lässt die Säfte aufschießen in die Kronen, die in den Himmel ragen.
Im Schatten finde ich Ruhe. Eine Ruhe, die mir zu kühl wird, wenn die Sonne geht und alles nur noch Schatten ist.

Leichter Ernst des Lebens

Im Inzest mit man

Und den Ernst habe ich nie ernst genommen, und die Leichtigkeit nicht leicht. Die Etiketten werden dem Inhalt nicht gerecht, nicht alle Blonden sind blond.
Schwer ist es, es sich leicht zu machen, und nur allzu leicht macht man es sich schwer.
Wenn ich jemand gegenüber Rechenschaft schuldig bin, dann auf keinen Fall dem kleinen, inzestösen Wörtchen man. Von dem es heißt, immer wieder heißt, dass man das nicht so macht.
Mit diesem Man empfinde ich weder Verbundenheit, noch erkenne ich seine irgendwie geartete Autorität an. Autorität hat etwas zu tun mit Autorenschaft, und dieses Man schreibt seine Stücke nicht selber, sondern lässt sich von der Masse schubsen, wohin die Masse wogt. Wer im Meer der Masse schwimmt, geht unter. Jede Welle, die höher steigt als der Durchschnitt, wird von den flacheren Wellenhügeln beargwöhnt, und erst recht von den Wellentälern. Sie nehmen ihre nicht selbstgestrickte Existenz so ernst, dass sie glauben, das Fallenlassen einer Masche würde zum Auflösen all dessen führen, das sie für wichtig halten.
Aber der Ernst wiegt leicht, weil von seinem Gewicht nichts bleibt, wenn wir ihn durchschauen.
Das Man bestimmt den Ernst und beraubt uns unserer Leichtigkeit.
Ich fühle mich lieber leicht als schwer. Schwer ist relativ. Es gibt immer eine größere Masse. Leichtigkeit aber ist die Feder, die davon fliegen kann an jeden Ort. Nirgendwo sein und überall. Der Ernst des Lebens ist leicht.

Kindliche Ausdauer

Kind Sein ist der Fulltimejob für die, die wirklich noch Ausdauer haben. Sobald wir älter sind, verzetteln wir uns in den Nebensächlichkeiten.

Großes Staunen

Staunen ist die Fähigkeit, sich eine Größe zu gestatten, die alles umfasst. Zuerst die zarte Kleinigkeit des Kindseins.