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Lilith

I

Ich hatte versucht mir einzureden, dass es Lilith nicht gab, nie gegeben hatte. Dass es sie nie gegeben haben konnte. Bis zu dem Moment, in dem sie vor mir stand.

Was ich einmal wusste und kannte, das konnte ich vergessen. Was aber, wenn plötzlich die Erinnerung wiederkehrt? Nicht das Abbild, sondern als Original.

In einem solchen Moment mag uns bewusst werden, dass hinter dem Vergessen der Wunsch stand, zu verdrängen. Was wir vergaßen, ist uns etwas entfallen. Aus dem Gedächtnis gerutscht, wie die Vase aus der Hand. Wenn die Scherben aufgefegt sind, ist alles verschwunden. Verdrängen ist aktiv. Da rutscht nichts durch die Finger, auch wenn der Prozess an sich oft unterbewusst abläuft. Es wird etwas weggeworfen.

Und dann stand sie da. Und lächelte. Lächelte, sah mich an mit ihren großen, klaren Augen und stand vor mir. Der Schwung ihrer Lippen wiedererweckte einen Traum. Ein Licht schien auf, fern und leis, mehr geahnt als gesehen. Eine Wand schob sich vor das kleine Licht, dahinter, hinter der Barriere aus Hilflosigkeit und Trotz, verbarg ich meine Reaktion. Vielleicht war es Feigheit? In diesen Sekunden wusste ich es nicht. Nichts wusste ich in diesen Sekunden.

[Demnächst vollständig in der Prosasammlung "Fang das Licht!"]

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