Einfach dem Morgen begegnen, wann wir wollen, wo wir wollen. Und schon macht der Tag uns einen Strich durch diese Wunschrechnung, denn es sind nicht wir, die uns bestimmen, sondern die Umstände. Es wär schön, wenn uns der Spaß an den Dingen antreiben würde, aber meist vertreiben die Dinge den Spaß.
Wischen wir uns die Nacht aus den Augen in der Hoffnung, mit kräftigem Reiben auch unser Gemüt zu erreichen!
Wo sind die Bilder der letzten Stunden schon wieder hin, wenn wir versuchen uns zu erinnern? Es scheint, wir werden vor ihnen geschützt. Als wäre eine Vermischung der Realitäten nicht vorgesehen, als wären die Wirklichkeiten von Tag und Nacht einander unter Spannung im Gleichgewicht haltende Paare, die nicht ohne einander können, aber auch nicht deckungsgleich miteinander.
Das wirbelt alles bunt in uns umher, und diese Mischung, das sind wir. Immer am Gären, aber wann wird aus dem Most Wein geworden sein, wann ist er trinkbar?
Tage wie wartende Flaschen in einem großen Regal. Sie sind schon verstaubt, wenn wir nach ihnen greifen, denn im Behälter von heute lagert die Reife von gestern und allen anderen Tagen der Vergangenheit. Wenn wir bewusst einen Schluck nehmen, nicht nur trinken, sondern schmecken, können wir von Tag zu Tag teilhaben an unserem eigenen Reifen.
Das ist das Spiel. Vom Leben kosten und es weiter reifen lassen. Wenn wir gut sind, in dem, wie wir tun, was wir tun, wird der Genuss mit jedem Schluck größer werden. Dazwischen muss der Wein immer wieder ruhen. Und diese Zeit tätigen Wartens macht den größten Umfang aus.
Hallo Welt, guten Morgen Deutschland!