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Die Brücke zur Heimat

In jedem Tropfen
Schimmert ein Regenbogen:
Deine Brücke zum Ufer der Heimat.
Und wenn die Tränen
Im Sonnenlicht auf deiner Wange trocknen,
Kannst du sie betreten,
Um deinen Weg zu gehen.

Dynamik

Auf Standpunkten beharren
Zieht dir irgendwann den Boden unter den Füßen weg.
Die Erde dreht sich.
Die Sicht auf das rechte Maß
Ist aus vielen Perspektiven möglich.

Life in HD

Der Schlaf lief davon,
Als die Nacht noch tiefschwarz vor dem Fenster lag.
Luft, so rein und klar, zum Trinken süß,
Und wir tauchten ineinander ein.
Ich überließ das Haus dem Schweigen,
Um mich davonzustehlen in das Geheimnis der Dämmerung.
Wie leises Lächeln wisperte Laub,
Während ich in die schattenlosen Umarmungen glitt.
Noch schmeckte der zögernde Morgen samtig nach Nacht,
Doch auf den Knospen perlten erste kleine Tränen Morgentau.
Mit Wechselgesängen riefen im Verborgenen
Die Vögel nach dem Licht.

Im Schoß seiner knorrigen Wurzeln
Lehnte ich mich an den alten Baum.
Rücken an Rücken hielten wir Wache
Für den aus dem Traum kommenden Tag.
Ein Streifen Erwachen am Horizont
Und ohne stillzustehen hielt die Welt den Atem an.
Licht tastete sich über das Feld in Frühlingsgrün,
Ich blinzelte, und unsere Blicke trafen sich.
Du schwebtest kurz in diesem Netz,
Das die Sonne über die Welt warf.
Dann warst du fort, aber du hast mir das Licht geschenkt.

Ich habe keine Ahnung

…woher meine Dichtungen und Gedankensplitter über das Leben kommen.
Meist ist es ein Bild, aus dem etwas hervortönt. Ein Wort, ein Satz, eine destillierte Essenz der Bedeutung dessen, was mir in den Sinn kommt. Es will notiert werden, und indem ich zum Stift greife oder auf die Tastatur haue, entsteht aus den Fragmenten eine Kette. Man packt ein filigranes, kaum auszumachendes Glied, zieht daran, und schon schließen sich ihm andere an. Und das meist mit einer ebenso erstaunlichen Folgerichtigkeit, wie das Grundthema auftauchte. Denn wenn ich alles eine Weile liegen gelassen habe, um es später zu überarbeiten, ist es in den meisten Fällen zu 95% stimmig. Hier noch eine Holprigkeit, da ein eindeutigeres (oder auch mal zweideutigeres) Wort- Das war’s. Es “fühlt” sich als Einheit an, und ich verabschiede mich davon.
So ist es in den meisten Fällen mit meinen Gedichten und “Sinn”-Sätzen.

Bei “Life in HD” war es anders.
Seine Entstehung zog sich ein paar Tage hin. Zeile um Zeile wollte erarbeitet werden, ich begab mich immer wieder an den Ausgangspunkt und ging die Strecke durch die Bilderlandschaft aufs Neue. Um im Gehen zu entdecken, was sich als nächstes zeigen würde.
Es klingt merkwürdig, aber bei diesem Vorgang wird nicht gedacht. Nicht im Sinne von logischem Denken. Es ist ein Wandern, ein Sehen, ein Umsetzen der Bilder in Sprache. Damit die/der LeserIn die Worte zurückübersetzen kann in Bilder. Im Idealfall ihre/seine eigenen, die mit meinen “Ursprungs”-Bildern in Resonanz sind.
Die Idee zu “Life in HD” erwischte mich, als ich Werbung im Radio hörte zu der Technik des HD-TV, ein von einigen Elektronikherstellern gerade zur Winterolympiade stark forciertes Thema. Die Wirklichkeit so erleben, wie nie vorher.
Ja. Die Wirklichkeit.
In mir meldete sich mein angeborener Mephisto und fragte: “Haben wir dazu nicht etwas zu sagen?”
Ich fand, wir hatten. So setzte ich mich hin vor ein, zwei Wochen, und begann, die Dichtung entstehen zu lassen.
Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid: “Life in HD” wird hier im Blog veröffentlicht, heute um die Mittagszeit.
Wie seht ihr das mit dem Leben in Hochauflösung?

Und noch etwas auf den Weg: Wer glaubt, dass ich ihm meine Dichtung interpretieren könnte, der irrt. Das ist nicht, was ich im Sinn habe. Ehrlich gesagt, müsste ich erst in dem Moment nachdenken, wenn ich gefragt werde. Dichtung ist Gefühl und keine Gleichung, für die es eine immer funktionierende Formel gibt. Dichtung ist für mich, den Fragen des Lebens antworten. Auf meine Weise. Wenn es dich anspricht, was du liest, dann reagierst du darauf auf deine, nur dir eigene Weise. Und die kannst du niemand anderem so vermitteln, dass er das Gefühl hat, im selben Wasser zu schwimmen wie du.
Wenn mein Gedicht in meiner Weise dich in deiner Weise anspricht, dann war es wert, von mir geschrieben und von dir gelesen zu werden.

Beziehungszeichnung

Beziehungen
Nur mit Wasserfarben gemalt
Auf die Haut über dem Herzen.
Alles ist gut,
Solange man sich nicht wirklich berührt.
Doch erster Regen
Oder erster wahrer Schweiß
Lassen die Muster zerlaufen.
Flüchtige Zeichnungen wirken schäbig,
Wenn man sie nicht wieder ganz entfernt.
Wahres ineinander Berührtsein
Ist ein Tattoo in Herz und Seele.

Pralinen Ein Winterendschächtelchen

* Für das Maß der Mittel gibt es nur eine Größe: Die Wirksamkeit.

*Das Erkenntnisinstrument wahrer Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten ist das Fühlen, nicht das Denken.

*Das Problem jeder Zeit ist der Gedanke, dass ausgerechnet dies die Zeit der Probleme ist.

*Vielleicht glaube ich nicht an Wunder. Aber auf jeden Fall an das Wunderbare.

*Wie kann der erste Eindruck der beste sein, wenn er zunehmend auf die ausgetretenen Pfade unserer eigenen Vorgeschichte trifft?

*Wir brauchen kein Happy End. Wir brauchen ein Happy Währenddessen. Ohne End.

*Manche Wünsche werden nicht wahr, weil wir sie im tiefsten Innern nicht wahr haben wollen.

Licht und Schatten

Ich habe die Kerze angezündet,
Mir ein Licht zu sein.
Doch als sie am hellsten leuchtete,
Als ich wieder lächeln konnte,
Da sah ich,
Wie sie in dieser Fröhlichkeit
Ihre dicksten Tränen weinte,
Die heiß an ihr herab flossen.

Die Unmöglichkeit

Nichts, was uns einmal berührt hat,
Wird uns je wieder loslassen.
Die Welt ist ein fein geknüpftes Netz,
Das nicht mehr reißt.
Nur wir vergessen immer wieder,
Was wir selber gewebt haben.

Staubkorn im Spiegel

Es ist ins Endlose hallende Leere,
Wenn Spiegel sich in Spiegel spiegelt.
Aber ein Staubkorn, das zwischen uns fällt,
Getroffen von einem Sonnenstrahl,
Lässt Welten entstehen für dich und mich.

Der Schlüssel

Gebete wie Krücken.
Die Seele lässt sich nicht an Prothesen fesseln.
Nicht ein Leben lang.
Nichts ist so frei wie wir selber,
Wenn wir dem eigenen Schatten entkommen.
Mut ist der Schlüssel.
Wenn du den ausgetretenen Pfad nicht verlässt,
Trittst du dich Schritt für Schritt weiter in den Abgrund.