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Ich habe keine Ahnung

…woher meine Dichtungen und Gedankensplitter über das Leben kommen.
Meist ist es ein Bild, aus dem etwas hervortönt. Ein Wort, ein Satz, eine destillierte Essenz der Bedeutung dessen, was mir in den Sinn kommt. Es will notiert werden, und indem ich zum Stift greife oder auf die Tastatur haue, entsteht aus den Fragmenten eine Kette. Man packt ein filigranes, kaum auszumachendes Glied, zieht daran, und schon schließen sich ihm andere an. Und das meist mit einer ebenso erstaunlichen Folgerichtigkeit, wie das Grundthema auftauchte. Denn wenn ich alles eine Weile liegen gelassen habe, um es später zu überarbeiten, ist es in den meisten Fällen zu 95% stimmig. Hier noch eine Holprigkeit, da ein eindeutigeres (oder auch mal zweideutigeres) Wort- Das war’s. Es “fühlt” sich als Einheit an, und ich verabschiede mich davon.
So ist es in den meisten Fällen mit meinen Gedichten und “Sinn”-Sätzen.

Bei “Life in HD” war es anders.
Seine Entstehung zog sich ein paar Tage hin. Zeile um Zeile wollte erarbeitet werden, ich begab mich immer wieder an den Ausgangspunkt und ging die Strecke durch die Bilderlandschaft aufs Neue. Um im Gehen zu entdecken, was sich als nächstes zeigen würde.
Es klingt merkwürdig, aber bei diesem Vorgang wird nicht gedacht. Nicht im Sinne von logischem Denken. Es ist ein Wandern, ein Sehen, ein Umsetzen der Bilder in Sprache. Damit die/der LeserIn die Worte zurückübersetzen kann in Bilder. Im Idealfall ihre/seine eigenen, die mit meinen “Ursprungs”-Bildern in Resonanz sind.
Die Idee zu “Life in HD” erwischte mich, als ich Werbung im Radio hörte zu der Technik des HD-TV, ein von einigen Elektronikherstellern gerade zur Winterolympiade stark forciertes Thema. Die Wirklichkeit so erleben, wie nie vorher.
Ja. Die Wirklichkeit.
In mir meldete sich mein angeborener Mephisto und fragte: “Haben wir dazu nicht etwas zu sagen?”
Ich fand, wir hatten. So setzte ich mich hin vor ein, zwei Wochen, und begann, die Dichtung entstehen zu lassen.
Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid: “Life in HD” wird hier im Blog veröffentlicht, heute um die Mittagszeit.
Wie seht ihr das mit dem Leben in Hochauflösung?

Und noch etwas auf den Weg: Wer glaubt, dass ich ihm meine Dichtung interpretieren könnte, der irrt. Das ist nicht, was ich im Sinn habe. Ehrlich gesagt, müsste ich erst in dem Moment nachdenken, wenn ich gefragt werde. Dichtung ist Gefühl und keine Gleichung, für die es eine immer funktionierende Formel gibt. Dichtung ist für mich, den Fragen des Lebens antworten. Auf meine Weise. Wenn es dich anspricht, was du liest, dann reagierst du darauf auf deine, nur dir eigene Weise. Und die kannst du niemand anderem so vermitteln, dass er das Gefühl hat, im selben Wasser zu schwimmen wie du.
Wenn mein Gedicht in meiner Weise dich in deiner Weise anspricht, dann war es wert, von mir geschrieben und von dir gelesen zu werden.

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