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Wofür?

Nichts?
Alles ist.
Geborgen in Verborgenheit
Ruht die Unrast.
Wir wollen weiter
Und wissen nicht wohin.
Weil wir nicht verstehen
Unsere Seelen zu entfalten.
Wie Bienen sammeln wir im Außen
Ohne an den Nektar für die Königin der Waben zu denken.
Wir spielen Spiele.
Theater auf der Bühne der Lächerlichkeiten.
Sehen unser Publikum nicht
Geblendet von Schein-Werfern.
Und wenn der Rausch vom Applaus verebbt,
Fragen wir in stillen Momenten:
Wofür?

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Wofür? als Audio.

Faszination Wort – Rumi

Maulana Dschalal ad-Din Muhammad ar-Rumi

Wenn ich in Gedanken diesen Namen spreche ist es, als würden Zimbeln auf einem orientalischen Basar spielen. Es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee unter den Sonnendächern aus Tüchern, die die Schatten auf dem staubigen Boden und den Marktständen bunt färben. Und hinter einem bestickten Vorhang strömt der schwere Duft von Opium hervor. In seinem aus Ruten geflochtenen Käfig singt ein Vogel. Auch wenn er dort eingesperrt ist, sein Lied wird immer frei sein.
Der persische Dichter, Mystiker und Sufi war so sehr in dieser Welt aufgegangen, dass er mit jedem Wort über sie hinauszuweisen schien. Nicht immer erschließt sich das Gehörte auf Anhieb, die Barriere bildet der Verstand. Die Worte mögen uns bezaubern, sie mögen uns schön erscheinen- Sie lediglich lesen und verstehen wollen, ist aber nur der halbe Genuss. Ihnen muss man lauschen, ihrem Klang, nicht der Bedeutung. Was das an Widerhall in uns erzeugt, das ist der Sinn. Und er kann nicht erklärt werden.

Rumi lesen ist für mich, als würde ich nachts unter einem sternenklaren Himmel liegen. Seine Worte sind die nadelstichartigen Funken da oben in der Ferne. Sie stechen mitten ins Herz, mitten hinein in die Seele. Und es sind süße Schmerzen, die sie erwecken.

Aus den tausenden von Versen, die dieser Mann hinterlassen hat, möchte ich einige wenige zu Gehör bringen. In mir bringen sie etwas zum Klingen, das ich nicht erklären kann. Das ist gut so. Das Klingen und das nicht erklären können.
Wenn sie dir nichts sagen, ist das ebenso gut. Nicht jede Stimme ist für jedes Ohr. Aber kannst du es erklären?

Worte von Rumi als Audio.

Das Siegel des Sieges

Gefunden im arabesk verzierten Kästchen der Bedenklichkeiten. Es war der Herbst 2006. Das Siegel bricht und steht für sich. Wie die Worte. Die, die wir sagen ebenso, wie die, die wir verschweigen.

Das Siegel des Sieges

Unter unseren Worten
Brechen Siegel-
Nicht nur des Schweigens.
Wir verlieren.
Uns in Uns selbst.
Manchmal muß man verlieren können,
Um alles zu gewinnen…

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Das Siegel des Sieges als Audio.

Integrität

Wir wollen verstehen.
Doch all unser Wissen ist nur eine Ahnung.
Wir wollen der Stille ihre Geheimnisse ablauschen.
Doch alles, was wir haben,
Ist das, was wir zu sagen haben:
Worte, getragen vom Atem,
Wie das Seufzen sich auf dem Wind davonstiehlt.
Wir wollen uns inne werden.
Und alles, was wir tun, ist uns veräußern.
So billig wie möglich tragen wir zum Markt
Unsere Haut der Integrität.

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Integrität als Audio.

Lenz trinken

Stakkato auf nackten Ästen,
Der Regen verklingt.
Zwischen unbelaubten Zweigen
Hält der Park seine Harfe im Wind.
Frühlingslieder sind inzwischen
Mehr als nur Ahnungen.
Unter alten Bäumen
Kannst du Leben tanken:
Mund zu Mund beatmen sie dich
Mit der Würde ihrer Aufrichtigkeit.

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Lenz trinken als Audio.

Noch mehr davon?

Warum auch nicht? Für alle, die nicht genug bekommen von guten Nachrichten und guten Geschichten, habe ich vor einer Woche bereits diesen Artikel veröffentlicht. Aber die Erde dreht sich, unser Leben geht weiter und damit mehren sich die Erlebnisse. Und die, die sie aufschreiben, um uns darüber zu erzählen, werden immer mehr und immer fleißiger. Ein Besuch und das Stöbern auf den Seiten von Goodnewsde lohnt sich also mehr denn je!
Auch ich habe inzwischen ein wenig für diese Seite an der Tastatur gesessen und zwei weitere Geschichten gepostet:

Wordaholic. Eine Sehnsucht.
Und:
Der Weg selbstwärts

Beide sind auch wieder als Podcast zu hören.
Ich wünsche wie immer viel Spaß!

Berührtsein

Engelsflügel.
Ein Gewebe aus Schatten und Licht.
Wenn du sie auch spüren kannst,
Sehen kannst du sie nicht.
Such nicht die Berührung,
Sondern das Berührtsein.

Es braucht offene Hände,
Um zu nehmen.
Noch mehr aber, um zu geben.
Die Verbindung von einer zur anderen
Geht mitten durchs Herz.
Wenn du sie erschaffst,
Kannst du es spüren, aber nicht sehen.
Und in deinem wahren Wesen
Kannst du ruhen und aufgehen.

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Berührtsein als Audio.

Faszination Wort – Wilde

Bereits der Name ist ein Gedicht- Oscar Fingal O’ Flahertie Wills Wilde.
Oft schmunzelt man im ersten Moment, wenn man eine seiner kleinen oder größeren Klugheiten liest. Versucht man, danach zu greifen, um sie zu erfassen, schneidet man sich schnell. Sie sind nicht nur scharf geschliffen, seine Sätze, sie sind es auf beiden Seiten.
Es ist die Schönheit der im Stahl einer kunstvoll gefertigten Klinge blitzenden Sonne, die seine Worte so betörend macht. Dazu mischt er eine süffisante Dekadenz, vor der ein Wortliebhaber nur in die Kniee gehen kann.
Auch diesen geniale Wortgeist verehre ich seit Jahren, als Teenager las ich zum ersten Mal seinen einzigen Roman “Das Bildnis des Dorian Gray”.
Aus dem Vorwort, das Wilde der Geschichte voranstellte, möchte ich gern etwas zu Gehör bringen. Und danach noch ein paar seiner über das gesamte Werk verstreuten Denkwürdigkeiten. Wie immer wünsche ich viel Spaß dabei!

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Faszination Wort – Wilde als Audio.

Kopflastig

Im Herbst 2006 begegnete ich einer Menschin mit großer Kopflastigkeit. Bei allem Reichtum, den ihr ganzes Wesen in sich barg, bestand sie stets darauf, den Schwerpunkt nach oben zu drücken. Um stabil “geerdet” zu sein, hätte sie ständig kopfstehen müssen. Menschen, die so veranlagt sind, tun das auch. Ohne es zu wissen. Ohne es zu bemerken. Innerlich taumeln sie wie Jojos durchs Leben.
Aber, wir haben gelernt: Kein Zufall, kein Urteil. Die Begegnung hinterließ dieses Gedicht, für mich und euch zu Erinnerung.

Eisbergkopf

Der Kopf
Ist wie die Spitze des Eisberges.
In ihm
Kann es nur einen Anflug von Größe geben.
Ein Schein-Bild
Das eitel in der Sonne glänzt.
Die Wahrheit ruht.
In der Tiefe des Seins,
Verborgen den Blicken,
Nur dem Fühlen erschlossen-
Im gegenseitigen Wiedererkennen
Über Kopf-Grenzen hinaus.

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Kopflastig als Audio.

Wort-Pâtisserie

Während es morgens noch klar und kühl ist, wenn man vor die Tür tritt, so angenem, als würde die Nacht gerade vom Morgen geläutert, klettern tagsüber die Temperaturen endlich immer weiter in den zweistelligen Bereich. Für dieses Mal scheint unsere Winterreise beendet. Das Aufatmen schmerzt nicht mehr mit eisigen Stichen in der Brust, es befreit. Wie die Stille, in die wir eintauchen, wenn wir für Momente die Augen schließen.
Endlich ist es an der Zeit zu Naschen. Zeit für die kleinen Pralinen aus der Wort-Pâtisserie:

*Leben, dein Wein macht mich trunken! Sollte ich deswegen darauf verzichten- aus Angst vor dem Kater?
*In den Frühjahrsknospen raschelt das Laub des Herbstes. Nicht des Alten, sondern des Kommenden. Darum geht es. Darum geht es nicht. Begreifst du das Leben?
*Respekt vor dem Leben heißt auch, anzuerkennen, dass es weitergeht.
*Am schwierigsten erlangt man die Erkenntnis, gegen die man sich wehrt.
*Die ungeweinten Tränen schmerzen am heftigsten.
*Der Unterschied liegt in der Intention, mit der ich den Finger in die Wunde lege: Heilen oder am Schmerz weiden.
*Alles was du besitzt, kannst du nicht benennen. Alles, was du benennen kannst, kannst du nicht besitzen.
*Wer versucht, mit seinen Süchten die Lücken in seinem Leben zu füllen, macht sich zum Lückenfüller des Lebens.

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Wort-Pâtisserie als Audio.