Maulana Dschalal ad-Din Muhammad ar-Rumi
Wenn ich in Gedanken diesen Namen spreche ist es, als würden Zimbeln auf einem orientalischen Basar spielen. Es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee unter den Sonnendächern aus Tüchern, die die Schatten auf dem staubigen Boden und den Marktständen bunt färben. Und hinter einem bestickten Vorhang strömt der schwere Duft von Opium hervor. In seinem aus Ruten geflochtenen Käfig singt ein Vogel. Auch wenn er dort eingesperrt ist, sein Lied wird immer frei sein.
Der persische Dichter, Mystiker und Sufi war so sehr in dieser Welt aufgegangen, dass er mit jedem Wort über sie hinauszuweisen schien. Nicht immer erschließt sich das Gehörte auf Anhieb, die Barriere bildet der Verstand. Die Worte mögen uns bezaubern, sie mögen uns schön erscheinen- Sie lediglich lesen und verstehen wollen, ist aber nur der halbe Genuss. Ihnen muss man lauschen, ihrem Klang, nicht der Bedeutung. Was das an Widerhall in uns erzeugt, das ist der Sinn. Und er kann nicht erklärt werden.
Rumi lesen ist für mich, als würde ich nachts unter einem sternenklaren Himmel liegen. Seine Worte sind die nadelstichartigen Funken da oben in der Ferne. Sie stechen mitten ins Herz, mitten hinein in die Seele. Und es sind süße Schmerzen, die sie erwecken.
Aus den tausenden von Versen, die dieser Mann hinterlassen hat, möchte ich einige wenige zu Gehör bringen. In mir bringen sie etwas zum Klingen, das ich nicht erklären kann. Das ist gut so. Das Klingen und das nicht erklären können.
Wenn sie dir nichts sagen, ist das ebenso gut. Nicht jede Stimme ist für jedes Ohr. Aber kannst du es erklären?
Worte von Rumi als Audio.