Die Nacht ist wie der Lidschlag
Zwischen zwei Augenblicken.
Du kannst nur sehen,
Wenn du immer wieder abtauchst in die Dunkelheit.
In deiner Erinnerung reiht sich Tag an Tag.
Doch ohne die Schnur der Nächte
Fielen alle Perlen dieser Kette
In das Nichts nie dagewesenen Vergessens.
Essenz der Schnelligkeit II
Eine weitere Runde Twitternostalgie á la gecko6366 ist angesagt!
Der Übersichtlichkeit halber habe ich mich für das gleiche Format entschieden, wie bei der ersten Runde in dieser Sparte. Ihr findet die Tweets von damals über den unten stehenden Link auf eine weitere Seite hier im Blog.
Viel Spaß wünsche ich auch dieses Mal beim Genießen der:
Geburtstagsgeleit
Für Astrid
Was nur durch Änderung der Form wächst,
Verformt sich und verwächst.
Äußere Gestalten sind Hüllen.
Sie schützen und verbergen,
Sie schaffen Kontakt und offenbaren.
Welches Sein hast du in deine Form gegossen?
Welcher Kern erschuf sich deine Hülle?
Wir alle sind Sucher und Verlorene,
Wir finden und werden gefunden.
Anhalten.
Den Atem. Die Gedanken. Dich selbst.
Die Ruhe ist der Schoß der Kraft.
Erkenne und pflege das dir eingeborene Wesen,
Und du wirst weiter wachsen.
Bis du dich in dir selbst erfüllst.
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Zwischenzeilen
Mehr davon?
In den letzten Tagen werde ich vermehrt gefragt: “Wo gibt es mehr davon?”
Mehr von meiner Lyrik, meinen kurzen Geschichten, meinen sprachphilosophischen Anmerkungen zum Leben. Diese Resonanz freut mich sehr! An dieser Stelle meinen Dank an euch für euer Interesse an meiner Wortkunst, die Besucherzahlen und die Verweildauer auf diesen Seiten klettern immer weiter.
Daher ein paar Anmerkungen in eigener und eurer Sache.
Dieses Blog beinhaltet inzwischen mehr als 600 Artikel, alle von mir verfasst, da zwar jederzeit das Kommentieren meiner Einträge möglich ist, nicht aber das Einstellen eigener Posts. Von Anfang an war das so konzipiert, wer sich selber auf Foren einbringen will mit seiner Literatur- Davon gibt es inzwischen eine Riesenauswahl für jede Ambition, jeden Geschmack.
Bei mir lohnt sich das Stöbern in älteren Beiträgen, was ich euch nahezu täglich mit meinen Veröffentlichungen bei Twitter “Aus der Bloghistorie” ein wenig erleichtern möchte.
Wer mehr von mir lesen möchte, wird inzwischen auch an anderer Stelle fündig. Als erstes empfehle ich jedem, der an guten Geschichten über das Gute (Er)Leben interessiert ist, goodnewstoday. Dieses Blog lebt vom Mitmachen, und das Angenehme ist, es lässt sich nur mit guten Nachrichten füttern.
Von mir beinhaltet es zurzeit zwei Beiträge, “Fremde Hand” und “Wie Reiner Zufall starb“. Beide wurden von mir eingesprochen, wer also mehr auf Hören statt Lesen steht, kommt ebenso auf seine Kosten.
Natürlich hätten diese beiden Geschichten auch gut hierher gepasst, ganz klar. Ohne goodnewstoday hätte es aber die Inspiration, den Impuls, sie auf den Bildschirm zu bringen, nicht gegeben. Deswegen gehören sie dorthin! In beste Gesellschaft zwischen all die anderen guten Erlebnisse, über die die Autoren dort erzählen.
Danke Raoul für die Idee zu dieser Seite und viel Erfolg bei der Erweiterung und Fortführung deines Projekts!
Wem das noch nicht genug ist, und ich hoffe, dass es viele sind, dem gebe ich mit PEO einen weiteren Link an die Hand. Auch hier gibt es Geschichten und Gedichte von mir, damals noch veröffentlicht unter dem Pseudonym Runasimi.
Natürlich werdet ihr das alles einmal gelesen haben. Und dann? Wer mein Blog regelmäßig besucht, weiß, dass ich stetig am Erweitern bin. Also tägliches Stöbern lohnt sich.
Im Moment bemühe ich mich, einen Verlag zu finden für meinen ersten Roman. Exposé und alles Weitere zu “Schattenherz” findet ihr hier.
Ich danke euch und vergesst nicht: Ich schreibe, um die Worte los zu werden. Aber ohne euch macht es nicht wirklich Spaß!
Grauohr
Die Sonne lachte am Himmel, den ganzen Tag lang. Ihr rosiges Lächeln weckte den Morgen, das goldene Lachen klang durch den Tag, und am Abend schlief die Welt ein in ihrer samtroten Umarmung.
Der Sommer war eine Zeit zum Fröhlichsein.
Der kleine Spatz flatterte ohne müde zu werden vom Weckruf der Sonne bis zum Abendgebet des Mondes umher. Er schnäbelte mit seiner Spätzin, holte Futter für den schreienden Nachwuchs, der aus den Eiern geschlüpft war, und versäumte nicht, jeden zu grüßen, der seinen Weg kreuzte. Alle steckte er an mit seiner Fröhlichkeit. Er trieb seine frechen Späße, stibitzte Krumen von Kuchen und Brot von überall her und pickte manchen unvorsichtigen Käfer aus dem Gras.
Die Leute schüttelten den Kopf und mussten lachen. Wenn das graubraune Knäuel aus Federn zwitscherte, mit schräg gelegtem Kopf aus seinen Knopfaugen die Welt betrachtete, konnte niemand anders. Seine Fröhlichkeit war wie ein Schluck aus der frischen Quelle; jeder wollte davon haben und kosten.
Nur einer blieb unbeeindruckt.
Grau und langohrig stand er da, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Sah vor sich hin, verzog keine Miene, sagte kein Wort. Tag für Tag flog der Spatz zu ihm, wieder und wieder, versuchte ihn aufzuheitern, dazu zu bewegen, etwas zu sagen, ein Wort nur.
Nichts. Der Graue blieb still, blieb bewegungslos, war jeden Tag so grauer Laune wie sein Fell gefärbt war. Uninteressiert und trübe sahen seine Augen unter langen Wimpern vor sich hin.
Was der Spatz auch anstellte, es half nichts.
„Du bist ein alter Esel!“ rief der kleine Spatz, als er nach Wochen wirklich den kleinen, flinken Schnabel voll hatte.
„Was sonst?“ sagte der Graue. „Ich bin ein Esel, aber alt, bitte kleiner Spatz, alt bin ich nicht. Bin ich wirklich nicht!“
„Ja, aber musst du so stur sein?“
„Wie gesagt, kleiner Spatz“, antwortete das Grautier, „ich bin ein Esel. Das heißt, ich bin von Natur aus stur.“
„Das ist Unfug!“ tschilpte der Kleine. „Du bist nicht stur, weil du ein Esel bist, sage ich dir. Du bist ein Esel, weil du so stur bist!“
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Faszination Wort – Villon
Die Faszination der Sprache liegt in ihrem Vermögen, alle Sinne anzusprechen, zu aktivieren. Sie läßt uns Rosenduft einatmen und die Haut kribbeln, das Herz schlagen und Melodien verborgener Geigen hören. Wir schmecken Speisen, die nie gekocht werden und in uns werden Sehnsüchte geweckt, die wir nie werden stillen können. Dafür werden andere befriedigt, die so tief im Verborgenen lagen, dass wir sie ohne einen Anstoß durch den Klang der Worte nie entdeckt hätten.
Das alles hat mich zum Jünger des Wortes gemacht, viele behaupten sogar zum Junkie.
Von nichts kommt nichts, ganz klar. Mir begegneten und begegnen auf meinem Weg durchs Leben viele, die sich als großartige Lautmaler zeig(t)en, die auf der Leinwand der geschriebenen Worte oder auf den Bühnen, die das Leben sind, einen Reichtum präsentier(t)en, dass es mir manchmal den Atem nahm und nimmt. Das Schöne an Sprache ist, dass man so unkompliziert daran teilhaben kann. Wahre Sprache nutzt sich auch nicht ab. Ein gut gezeichnetes Wortbild hält ewig, sein Wert steigert sich sogar noch, je öfter es verwendet und genossen wird.
Mit der heutigen massenmedialen Prostitution der Worte hat das natürlich nichts zu tun. Wie bei all diesen Dingen, die so schrecklich bedeutungslos sind, wird hier auf Masse inszeniert und auf schnellen Wechsel.
Mir geht es aber um das, was mich geprägt hat, was ein Kleinod war bei meiner Entdeckung der Geheimnisse einer guten Formulierung.
Vor inzwischen 28 Jahren war es, dass ich François Villon entdeckte. Bereits kurz nach 1463 verstorben, begeistert mich seine derbe, bilddurchtriebene Sprache bis heute.
Nachfolgend möchte ich seine “Ballade von den bösen Zungen” zu Gehör bringen, warne jedoch zarte Gemüter ausdrücklich: Anhören auf eigene Gefahr! François formuliert zum Teil wirklich sehr drastisch. Aber nun viel Vergnügen beim Lauschen!
Im stummen Lauschen
Es war im September 2004, als ich im stummen Lauschen dieses Gedicht in mir entdeckte.
Je mehr und öfter ich lese in diesen kleinen Splittern des Mosaiks, aus denen sich Stück für Stück mein Lebensweg entfaltet, desto klarer wird, dass es da kein Wer, Was oder Wie und Warum gibt. Keine W-Fragen. Nur eine Art von Antworten. Ich-Antworten, wenn dieses Ich die Verbindung mit der Seele meint.
Im stummen Lauschen
meiner Tage,
sehe ich die Bilder,
die ich ewig in mir trage.
Es ist verkennbar
wo die Dinge
enden und beginnen,
die ich zwinge.
Außerhalb von mir
die ganze Welt
im stillen Warten
ewig innehält.
So ist Bewegung
nur in mir.
Ich dreh mich um
zurück zu dir.
Wo bist du nur?
Und wo gewesen?
All dein Sein
Hab ich in mir gelesen.
Dein Gesicht nur
wie ein Lied,
das sich mit Sehnsucht
in die Seele schrieb.
Dein ganzes Leben
nur noch Traum?
Zeitlos nie und ewig
überall und- ohne Raum.
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Hier der Link zum gesprochenen Wort.
Worte brechen
Worte brechen.
Immer neu, kaleidoskopisch unvorhersehbar.
Pitoreskes Mosaik des Lebens.
Der einzige Reichtum ist der, der in Facetten liegt.
Das Eine bricht das Licht
Bis es sich erschöpft.
Ebenso unerschöpflich musst auch du sein:
Im Wortsteinbruch
Aus dem du die Säulen schlägst
Auf denen deine Welt ruht.
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Der Link zum gesprochenen Wort.
Lenz gehabt
Filigranes Sonnenweben.
Der Winter hält den Atem an,
Verstummt durch unsren Sonnenhunger.
Lächeln tanzt auf den Fassaden,
Der Boden dehnt und räkelt sich.
Und endlich hört man wieder
Luftgepresste Hammerschläge sprengen
Porös zerfrorenen Asphalt.
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Hier der Link zum gesprochenen Wort.