Home › Monthly Archives › April 2010

Selbstbesuch

Ein Vorgriff auf den Mai. Aber nur, weil diese Verse im Mai 2007 entstanden sind. Mehr als tausend Tage ist es her.
Mich erreichte eine E-Mail voller Hinweise darauf, wie das Leben sein sollte, was als erstrebenswert, als schön zu gelten hätte. Die Absenderin war der festen Überzeugung, dass sie alles das finden könnte, wenn sie nur weit und geduldig genug immer weiter laufen würde. Mit der Geduld lag sie sicher nicht falsch, aber wie weit muss man gehen, um sich selbst zu entdecken?
Mir kam, statt einer wortreichen Erklärung mit Argumenten, Gegendarstellungen und wieder Antworten mit vielem Hin und Her, das folgende kleine Gedicht in den Sinn.

Selbstbesuch

Eines Tages kommt die Stunde,
Wie du sie nicht erwartet hast.
Da steht in deiner Runde
Ein neuer, alter Gast.

Ein Kind, ein Greis, alles dazwischen:
Dein Selbst erfährt sich somit klar
Als alles das, was war und ist,
Sieht sich als vereintes Paar.

Erkennt im Werden das Vergehen,
Im Haben Nichts, alles im Geben,
Fühlt, dass es nie einsam ist,
Das selbsterfüllte Leben.

Du selbst bist deine Schöpfermacht,
Das Tun und auch die Tat.
Erinner dich, was du vergessen:
Sebstleugnung ist- der einzige Verrat!

___

Erinnern 13

Erinnern ohne Wiederholen 13
Es beginnt. Und es ist nicht perfekt. Nicht von Anfang an. Wie könnte es? Wie sollte etwas in dem Moment der Geburt seine Vollkommenheit bereits erreicht haben? Außer- In der Anlage. In der Möglichkeit ist alles verborgen, jede Entwicklungsstufe bis hin zu dem Moment, wo nichts mehr hinzuzufügen ist und nichts mehr weggenommen werden muss.

Rumi sagt: “Geduld ist der Schlüssel zur Freude.”
Das bedeutet nicht, dass wir warten, dass das Leben uns bringt, was wir uns wünschen. Die Geduld, die zur Freude der Erfüllung führt, ist tätige Geduld. Wir müssen uns der Entfaltung ebenso öffnen, wie wir uns in ihr versenken müssen. Damit sie uns mit dem nächsten Atemzug des Universums ein klein wenig höher hebt.
Es gilt zu üben. Und es gilt, das Üben zu üben.

Der heutige Weg erinnert uns daran, dass das Voranschreiten in der Entfaltung durch Gestalten und Üben geschieht.

Durchreise

Die Tage wie Durchgangszimmer.
Jeder Augenblick ein Schlupfwinkel,
Dem wir entgleiten,
Bei dem Versuch, ihn zu halten.
Hinter und vor uns
Türen zu Vergangenheit und Zukunft.
Wir starren durch Perspektiven von Schlüssellöchern
In Welten, die so nie gewesen sind
Und nie sein werden.
Wer nicht begreift,
Dass er auf der Durchreise ist,
Wird nie ankommen.

Erinnern 12

Erinnern ohne Wiederholen 12
Wir erzeugen immer mehr aus immer mehr. Dabei erschaffen wir nicht, wir häufen an. Die Äußerlichkeit wird aufgebläht, bis wir uns darin verlieren. Um uns wiederzufinden, wenigstens einen Abglanz, einen Schatten, ein Echo unserer Selbst, blähen wir uns hinterher. Mit dem unterbewussten Hinweis darauf, dass wir ja so wenig nicht darstellen können, wenn um uns herum alles so- viel ist.
Als Kinder wussten wir noch, dass Ballons, zu weit gedehnt, zu stark aufgeblasen, letzten Endes platzten.

Alle Geschenke liegen in den Lücken zwischen den Dingen, die wir zu haben oder zu sein glauben.
Musik wird erst hörbar durch die Stille zwischen den Tönen.
Was wäre ein Buch ohne Leerzeichen und -zeilen?
Niemandem schmeckt die kulinarischste Mahlzeit ohne den entsprechenden Appetit.

In Stille und Leere und Abwesenheit von allem, das wir benennen könnten, liegt auch die Kraft, wahrhaft etwas zu schaffen und zu erschaffen. In dem Augenblick des Innewerdens zwischen Einatmen und Ausatmen. Im Schweigen zwischen einem Gedanken und dem nächsten, den die Kette unaufhörlicher innerer Dialoge hinter sich herzieht.

Werden wir still und erinnern wir uns heute daran, dass wir Kreativität ausstrahlen können.

Der Meister tanzt

Der Wahrheit den Schleier abtanzen.
Du willst gar nicht heiraten?
Nun, auch darin bist du frei.
Aber als Junggeselle des Lebens,
Wirst du eben immer Geselle bleiben.
Der Meister tanzt allein.
Und weiß doch, wo die Verbindung zu finden ist.
Um seinen Weg zu vollenden.

___

Erinnern 11

Erinnern ohne Wiederholen 11
Erinnern wir uns der Augenblicke, die unablässig ins Meer unseres Daseins tropfen. Mitten in unser Herz. Über die Verlängerung der Arme haben ist jeder Handgriff durchdrungen von dieser Schwingung. Moment für Moment, ein Zentrum unserer selbst, das sich immer wieder vorausgeht, um dem zu folgen, was es selber sein kann.
Dieses Werden. Es liegt in unseren Händen.

Erinnern wir uns deshalb heute an den Weg “Schnitzen und Formen“.

Alles. Kann.

Möglichkeiten.
Ein Gewebe unendlicher Vielfalt.
Fäden, die zueinander führen
Und auseinander laufen.
Alles ist nicht nur denkbar,
Sondern steht immer an der Schwelle zur Existenz.
Es tritt herüber,
Wenn Ort und Zeit und Entschluss
Ineinander fallen.

___

Alles. Kann. als Audio.

Erinnern 10

Erinnern ohne Wiederholen 10
Augenblicke. Jeder wie ein Tropfen, der ins spiegelglatte Wasser der Möglichkeiten fällt. Von ihrem Eintauchen wird das ganze Meer berührt. Wellenkreise drängen dem Moment davon, Kreise, Wellen, Täler, in denen sich zeigt, was bisher verborgen war.
Wir können nur einer Richtung folgen. Müssen uns entscheiden. Müssen uns entschließen. So begegnen wir den Kreisen und Wellen, die von anderen Tropfen ausgehen. Aus Möglichkeit wird Wirklichkeit. Wo es sich zeigt, was sein soll, ist die neue Mitte.

Es beginnt in einem Zentrum, um in einem anderen zu enden. Wir sind auf der Reise, und immer wieder sieht es so aus, als würden wir uns auf einer Linie bewegen.
Worauf es ankommt, ist immer wieder die Konzentration.

Erinnern 9

Erinnern ohne Wiederholen 9
Wir streben davon. Wollen der Kreisbahn entkommen. Dieser in Richtung ihres eigenen Anfangs zurückgekrümmten Linie, die stets offen bleibt. Die Entfaltung strebt in einer Spirale dem Ziel entgegen.
Unsere Versuche, diesem Magnetismus zu entfliehen, fügen dem Sein unsichtbare Risse zu. Unser Streben, immer schneller, immer höher, immer weiter, wirkt den natürlichen Zyklen entgegen. Wir wollen geradeaus, ohne uns klar zu sein, wohin dieser Weg geht. Manchmal scheint es, es wäre nur wichtig, dass er von uns wegführt.
Die Risse können geheilt werden. So, wie unser Drängen fort von uns selbst in einem Teil unseres Inneren erzeugt wird, so wohnt auch die Kraft in uns, die Rissen zu erkennen, sich ihrer anzunehmen und sie- zu heilen.

Erinnern wir uns heute an das Ganzmachen und Wiederherstellen. Damit wir zu uns selbst finden. Stück für Stück.

Geheimnisausbruch

Das Leben bricht aus.
Die Knospe zerspringt im Lächeln.
Ihr Schoß öffnet sich,
Um einen weiteren Zyklus
Mit ihrem Nektar zu ertränken.
Es sind der Staub der Blüte
Und die Tränen der künftigen Frucht,
Die den wortlosen Gesang der Wiederkehr
Durch das Geheimnis der Zeit tragen.

___

Geheimnisausbruch als Audio.