Erinnern ohne Wiederholen 38
Was immer der Titel dieser seit knapp vierzig Tagen von mir gepflegten Sparte dem Einzelnen sagen mag, für mich ist es neben vielem anderen auch die Feststellung: Weil es gar nicht machbar ist!
Streng genommen lässt sich nichts wiederholen, weil zu keinem Zeitpunkt Bedingungen haargenau die gleichen sein können, wie im Lauf welcher Entwicklung auch immer.
Und wieder (Wie immer?), lassen die Worte die Wahrheit durchscheinen. Alles kann sich gleichen, aber nicht Dasselbe sein, wie ein Anderes.
Wir können einander gleichen, doch niemand ist Derselbe wie ein Anderer. Klingt logisch, wir nicken, nur- wie sieht es aus in der Praxis? Verfallen wir nicht immer wieder in den Fehler zu denken, der Andere müsste wissen, was wir meinen? Im Gegensatz dazu gehen wir ständig davon aus, dass wir wissen, was der Andere denkt.
Niemand weiß, was wirklich in einem anderen Wesen vorgeht. Das ist eines der Geheimnisse der Individualität.
Wir gleichen uns selbst. Sind aber nie Derselbe, der wir waren. Das ergibt sich schon aus dem einfachen Hinweis darauf, dass wir der/die Eine sind, und der/die Ein(e) (Ander[er]?) waren.
Heute mochte ich es etwas verfilzter. Gedankenfilz. Ja. Aber vielleicht lohnt es sich, den Faden darin zu suchen, ihn aufzunehmen, um ein Stück zu folgen. Nicht mir und meinen Gedankengängen, sondern den eigenen. Es gibt kein Leben, das wir leben könnten, außer unserem eigenen.
“Erinnern und Bewahren” ist der Titel, den N. Douglas-Klotz dem Kapitel zum Weg Al-Hafiz gegeben hat. Erinnern, nicht nur an diese Eigenschaft des Großen und einzig Ganzen, sondern an alle anderen ebenso. Und bewahren. Die Schritte unserer Wege bewahren, weil sie alle in die Spitze dessen münden, was wir bis zu diesem Zeitpunkt erreicht haben. Unser Dasein hier und jetzt.
Wenn wir noch nicht da sind, wohin wir gehören, können wir keinen Weg noch einmal gehen. Unsere Schritte können uns nur weiter führen. Wir sind beladen mit der Last der Erinnerung. Die Erkenntnis, wie uns alles Bewahrte den Weg erleichtern kann, wenn wir ihn als unseren eigenen, einzigartigen Weg annehmen, sollte unsere Schritte beschwingter machen. Beschwingt und geschützt. Dieser Weg weist auch darauf hin, dass alles Bewahrte geschützt, weil schützenswert ist.