Home › Daily Archives › 29/05/2010

“Wanted!”

Nein, das weibliche Wesen, auf das sich der Titel der zu diesem Artikel gehörenden Geschichte bezieht, suche ich nicht. Sie habe ich bereits gefunden.
Manchmal geht es plötzlich leichter. Auf einmal. Nur nicht- einfach so. Es ist die Sonne, die heute in den Hof scheint. Sie macht das Atmen leichter, als würde sie Schatten vertreiben, die auf der Brust lagen. Man kann Licht atmen. Kann man Licht atmen?
Sonne und Wärme sind seltene Gäste in diesem Jahr, an der Tatsache ändert auch nichts, dass es heute einmal anders erscheint. Indem die Sonne scheint. Regen im Übermaß und Temperaturen unter dem, was man als Wohlfühlwert anzunehmen bereit ist, verderben die Lust an diesem Frühling. Und so heißt es eben immer noch: “Wanted Spring! – Only Alive.”
Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine wettertechnisch annehmbare Zukunft. Oder die Erinnerung. Die uns ermöglicht, zeitweilig zu entfliehen, dorthin, wo wir es in der Vergangenheit, was Wetter, Sonne, Temperaturen anbelangt, schon einmal besser hatten.

So weit, wie die gleich folgende Geschichte uns entführt, nach Asien, muss es nicht einmal sein. Muss nicht, aber kann. Und dort ist es auch gewesen, wo ich ihr begegnet bin. Aber lest selbst, was es auf sich hat mit:

Tong Kam

(erstveröffentlicht auf goodnewstoday am 04.05.2010)

“Erinnern Neununddreißig”

Erinnern ohne Wiederholen 39
Der Schritt zurück muss nicht unbedingt ein Rückschritt sein. Abstand bringen zwischen sich und die Verstrickungen des Alltäglichen, ist die Möglichkeit, eine andere Perspektive einzunehmen.
Auf einmal sieht man Verbindungen, die vorher nicht dagewesen sind, und wo man sich verheddert glaubte, fühlt man auf einmal die Freiheit, die man einer Meinung geopfert hatte.
Wir haben gelernt, nichts hat Bestand, weil es verweht wie Staub. Wir haben gelernt, Äußerliches sollte nicht so sehr zählen.
Für sich allein sind auch das wieder einseitige Ansichten. Nichts hat eine Basis ohne das eigene Gegenteil.
Wenn auch alles vergeht, hat es doch seine Zeit. Seine Zeit, in der es bewahrt werden muss, in der seine relative Beständigkeit die Gelegenheit erhält, zur Blüte und Frucht zu kommen.
Zuerst konfrontiert mit diesem Weg, mit diesem Attribut des Einen, wurde ich daran erinnert, dass nichts ist, wie und was es scheint. Und nichts so scheint, wie und was es ist?
Wenn auch immer wieder auf den Kern, das Wesen als das “Wesentliche” hingewiesen wird, so hat doch der Inhalt notwendigerweise eine äußere Form. Ohne die gäbe es schlicht auch keinen- Inhalt.
Alles hängt zusammen. Im Wechselspiel. Nur wer nicht das spielerische Element in allem erkennt, verkantet in seinen Meinungen.

Erinnern wir uns daran, welchen Zustand die Eine Wirklichkeit verkörpert.