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“Mama”

In sechs Wochen ist es schon wieder soweit, sie hat Geburtstag. Zweiundsiebzig Jahre. Mit allem, was dazugehört.
Ich möchte heute nicht darüber spekulieren, wie dieser Tag sein wird. Nicht nur, weil dann Sommer ist, werden wir angenehme und aufregende Stunden miteinander verleben.
Beim Durchstöbern des digitalen Durcheinanders meiner Festplatte, stieß ich eben auf die Zeilen, die ich ihr vor zwei Jahren zu diesem Anlass widmete.
Da sie gerade vor einer Stunde eine Zahn-OP hatte, werde ich es hier veröffentlichen und einsprechen, verbunden mit den besten Heilungswünschen!

Mama
Deine Geduld gab mir Worte,
Mit denen ich dir widersprach.
Deine Zuversicht stärkte mich,
Um dir die Stirn zu bieten.
Dein Herzlicht beschien den Anfang,
Damit ich meinen Weg finde.
Deine Liebe lehrte mich laufen,
Ich nahm sie mit, als ich ging.

Still werde ich,
Wenn ich daran denke.
Und ein Wort nur bleibt:
„Danke!“

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“Erinnern Sechsunddreißig”

Erinnern ohne Wiederholen 36
“Das Leben auf seinem Höhepunkt erleben” nennt N. Douglas-Klotz das 36. Kapitel seines Buches Die Weisheit der Sufis, und er sagt, dass wahre Ekstase eines der seltenen Geschenke des Lebens ist.
Was ist das überhaupt, Höhepunkt, Ekstase?
Letzteres wird beschrieben als “Aus-sich-herausgehen”. Den Weg des geradlinigen Einerlei verlassen, über die Stränge schlagen, das Korsett von Befangenheit und dem Gerechtwerden von Erwartungen nicht nur aufschnüren, sondern die Schnüre durchschneiden, zerreißen; am besten, den ganzen Panzer aufbrechen. Ekstase stellen wir uns, nicht nur aufgrund der griechischen Ur-Bedeutung, als etwas vor, das sich äußert. Im Außen geschieht. Dabei ist es ein zutiefst innerlicher Prozess. Wenn der Höhepunkt nicht Resonanz bedeutet des eigenen Selbst mit allem, was im Moment gerade ist, dann ist es nur ein Schauspiel.
Rumi schrieb dazu:

Im Morgengrauen ging der Mond auf
und stürzte sich vom Himmel, um mich anzusehen.
Wie ein Falke, der seine Mahlzeit jagt,
fing der Mond mich ein und weg waren wir!
Ich suchte nach mir, aber mein Ich war nicht mehr da:
Im Mond, durch Gnade, wurde mein Körper zur Seele.
Leuchtend reiste ich als Seele weiter,
bis das Rätsel vom großen Ich und kleinen Ich gelöst war.
Neun schimmernde Himmel verschmolzen in diesem Mond,
und die Grenzen meines Wesens verschwanden im Meer
.

Erinnern wir uns mit diesen Bildern an den Weg Al-`Ali, “großartig”, “erhaben”.
Wenn du zu diesem Weg geführt wirst, fühle dich auf dem Gipfel von allem- was auch bedeutet, dass du jeden Gedanken an dein Ich loslässt.

Stein Sein

Ein Stein.
Rundgeschliffen von den Erwartungen,
Die Wind und Meer an ihn hatten.
Unangepasst
Verdrängt er das Wasser,
Liegt schwer auf dem Grund.
Bietet am Strand
Dem Sturm seine Stirn.
Das Nörgeln der Elemente
Reibt seine Hülle glatt.
Im Innern bleibt der Stein
Seiner Struktur treu.
Bleibt- er selber.

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“Essenz der Schnelligkeit VI”

Einmal mehr der schon bekannte Rückblick. Immer noch sind wir im Dezember 2009. Viel Spaß bei der

Twitteressenz VI!

Und wer die ersten Reminiszenzen verpasst hat oder einfach nur nochmal nachschauen möchte:

Twitteressenz I

Twitteressenz II

Twitteressenz III

Twitteressenz IV

Twitteressenz V

“Instantentwöhnung”

Was mit Tieren. Das geht immer. Tiere oder kleine Kinder. Oder in anderer Reihenfolge. Das muss jeder mit sich selber ausmachen.
Die in der Werbebranche bekannte Tatsache (ver)führte mich nicht dazu, diese Geschichte zu schreiben. Wie das Meiste entstand sie, weil mir die Idee dazu in den Sinn kam und mich solange nicht mehr losließ, bis ich ihr folgte und Wort sich an Wort gereiht hatte. Sie wollte geboren werden, ich kreißte so lange, bis sie, zunächst unbeholfen ningelnd und mit einem lallenden Unterton, vor mir lag.
Dass ich diesmal einen Hund zum Helden machte, nachdem Storys über Kinder bereits ein paar entstanden sind, beweist, dass die These wohl zu stimmen scheint: Wenn wir über die guten, angenehmen, die Wohlfühlmomente im Leben nachdenken, tauchen (auch) immer wieder diese beiden Garanten der Lebendigkeit auf: Kinder und Tiere.
Ludwig war ein außergewöhnlicher Beagle. Ich schreibe war, weil er sicher schon lange auf einer kuschligen Wolke im Hundehimmel schwebt, wo es immer etwas zu Futtern gibt. Und zu schnüffeln, zu entdecken, sich zu freuen, etwas, worüber man so mit der Rute wackeln kann, dass es den ganzen Hund schüttelt.

Lest hier die Geschichte von Ludwigs Instantentwöhnung.

(erstveröffentlicht auf goodnewstoday am 20.4.2010)

“Erinnern Fünfunddreißig”

Erinnern ohne Wiederholen 35
Wir trauern um das, was wir versäumt haben. Der Schatten des Nichtgewesenen liegt über unseren Erinnerungen.
Der Blick auf die Gegenwart wird oft getrübt durch die Vorstellung davon, wie sie sein sollte. Unsere Erwartungen stellen sich zwischen uns und unser Erleben.
Zukunft, das, was niemand hat, weil niemand haben kann, was erst sein wird, belastet uns mit unseren Ängsten. Werden wir ebenso unzulänglich sein, wie wir es in unserer bis zum Trübsinn gefilterten Wahrnehmung von uns selber, bereits heute sind? Das Trübe der Sinne, mit denen wir uns selbst wahrnehmen, ist manisch-depressiv.
Selten sind es die Dinge selber, die “schief” liegen. Perspektiven verschaffen uns den Eindruck von dem, was ist. Ein Eindruck, ein Abdruck, eine Spur, ist immer nur das Abbild dessen, was das Bild erzeugte. Wir akzeptieren Kopien als Währung der Wirklichkeit und halten uns dabei für original oder sogar originell.

Der Weg, die Perspektive von Zeit zu Zeit wieder gerade zu rücken, ist “Ash-Shakur”, “Dankbarkeit, Zurückgeben”.
Wenn du zu diesem Weg geführt wirst, sei einfach dankbar und folge all dem göttlichen Licht, das du empfangen hast, bis zu seinem Ursprung. (aus dem Sbol)

Shabistari spricht in diesem Zusammenhang von einem allgegenwärtigen Garten und sagt:
Um diesen Garten zu betreten,
sieh mit den Augen des Herzens und
schau sanft auf die Blüten.

Undankbarkeit zeigt Nichtwissen
und die Freunde der Wahrheit sind wirklich dankbar
.”

Erinnere dich daran, wofür du JETZT dankbar sein kannst. Was kannst du zurückgeben in den großen Kreislauf?
Wenn du erkennen solltest, dass es für diesen Moment NICHTS gibt, sei dankbar für diese Erkenntnis

“Vom Licht erlöst”

Zärtlichkeiten, die wie Morgentau sinken
Zwischen das heiß geflüsterte Sehnen der Nacht
Und die ersten, kühl erwachenden Sonnenstrahlen des Morgens.
Tropfen
In deren dunklem Innern das Geheimnis wartet
Vom Licht erlöst zu werden.
Wir haben uns nichts versprochen.
Und alles gehalten.

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“Erinnern Vierunddreißig”

Erinnern ohne Wiederholen 34
Der Baum schweigt. Wie alles um uns herum. Dem wir nicht unser Gehör schenken. Was nicht gehört wird, hat es eine Stimme? Meist verleihen wir unser Gehör nur. Fordern es irgendwann zurück. Und wieder verstummt das, dem wir unsere Leihgabe entzogen haben. Die wir selber nur geliehen bekamen.
Ich ließ mich an seinem Stamm auf den Boden gleiten, Rücken an Rücken mit dem, der schon lange vor mir hier seinen Platz gehabt hat. Und immer noch mit seinen ausgebreiteten, grünen Händen nach dem Himmel greifen würde, wenn ich schon lange keinen Himmel mehr sehen könnte. Mit den physischen Augen.
Das Flüstern der Blätter über mir bildete einen Baldachin, der in der richtigen Mischung Schatten und Licht auf mich fallen ließ. Manchmal wünsche ich mir, wie der Schatten fallen zu können, so selbstverständlich und weich. Dann wieder wie das Licht, das auf den Boden springt und von dort zurück in seine eigenen Arme.
Stumm trägt der Baum seine Narben, als wären sie ein Teil seiner natürlichen Würde. Herzen und Initialen sind in die glatte Rinde geritzt worden, bis zu einer Höhe von knapp drei Metern hat man ihn der Äste beraubt. Und doch steht er immer noch da,  nicht in Gleichgültigkeit gegenüber unserem Dasein als Menschen, sondern in Großmut über unser Tun.
Den Kopf an den Stamm hinter mir gelegt, das Gesicht weich und warm, lausche ich in mich. Hören ist, Gehör schenken. Und dann ist es, als würden sich die Ströme vereinen, der eine, kleine, der in mir aufsteigt, mit dem großen, der im Kern des Riesen hinter mir den Klang der Erde hinauf trägt in den Himmel. Wir klingen ineinander, Ton und Licht vermischen sich, wir sind allein und sind es doch nicht.
Vögel haben ihre Nester gebaut in seinem Geäst und singen. Die Blätter rascheln dazu im Wind. Es sind keine gesprochenen Worte, die mich erreichen, aber eine klar gefühlte Gewissheit. Die Narben, die er trägt, sind für ihn kein Grund für Hader und Groll. Als wollte er sagen, alles wird gut, das man ans Licht bringt.
Ich öffne die Augen und denke nach über den Wert menschlicher Bestrebungen im Gegensatz zur Großmut der Bäume…

Woran wir uns einen jeden Tag ein klein wenig erinnern sollten, ist eine umfassende Form der Vergebung.

“Autorenporträt”

Aus der Perspektive des Weges ist es vielleicht er, der sich bewegt. Vorausgesetzt, man unterstellt ihm eine ähnlich egozentrische Selbstbezogenheit, wie Mensch sie zur Schau trägt. Was wissen wir schon über das innere Wesen des Weges? Sind wir doch oft genug selbst immer wieder von dem entfernt, mit dem wir unseren Weg zu gehen glauben. Uns selbst.
Wie auch immer die Beziehungen in sich selbst und zueinander aussehen, klar ist, dass Bewegung stattfindet.
Mal stetig, gleichförmig, einschläfernd. Dann wird beschleunigt- und wieder gebremst, man kommt ins Stocken. Hinter Hürden, die überwunden und Biegungen, die umrundet werden, tun sich neue Perspektiven auf. Oft ist die erste Reaktion Innehalten. Das Neue betrachtet man etwas genauer. Je weniger Übereinstimmung es mit den Archivinhalten unserer Erinnerung gibt, desto vorsichtiger sind wir.
So ist es immer an Schwellen. Sie haben den Sinn, die Grenze zwischen dem einen und dem anderen zu markieren, sollen uns anzeigen, das eine Möglichkeit des Weges hier endet, um einer anderen zu weichen. Wenn wir dazu bereit sind, die Schwelle zu überqueren.
“Mach doch mal!” bin ich immer wieder aufgefordert worden. “Stell doch mal was zusammen, du kannst das!” “Veröffentliche es doch in einem Stück, wenigstens einem Stückchen.”
Jetzt habe ich es getan. Eine erste Sammlung von Lyrik und Sinnsprüchen ist online. Man kann hier nachschauen, sich über die Konditionen zum Download informieren. Und, wenn man will, natürlich auch gleich herunterladen und lesen.
Bis zu diesem Punkt waren es mehrere Schwellen, die ich zu überqueren hatte: Entschluss an sich, Auswahl der Stücke, Layout, Feinabstimmungen. Mit dem Veröffentlichen habe ich die vorerst letzte Schwelle auf diesem Weg überschritten.

Die Seite, auf der ich veröffentlicht habe, empfiehlt ein Autorenporträt für die Leser zur Verfügung zu stellen. Das macht Sinn, man möchte wissen, mit wem man es zu tun hat.

Exklusiv für die Besucher meines Blogs gibt es dieses Porträt in der von mir gesprochenen Variante hier:

Und hier noch einmal der Link zu “Augen auf und durch

“Augen auf und durch”…

… ist online. Die erste Zusammenstellung von Lyrik und Sinnsprüchen, made by Christian Scheinhardt, wurde veröffentlicht.

Hier geht es zum Download: “Augen auf und durch