Erinnern ohne Wiederholen 58
Enttäuschung. Ein fehlgeleitetes Gefühl, mit dem wir einfach auf der Schiene weiterfahren, die uns dorthin verführt hat.
Enttäuschung. Vom Klang her betrachtet, hat hier die Täuschung ein Ende. Sollten wir nicht froh sein, ein Stück der Wahrheit hinter dem Schleier zu entdecken?
Stattdessen sind wir wütend, frustriert, ungehalten. Wir haben an die Täuschung geglaubt. Wer oder was uns unseren Glauben nimmt, nimmt uns ein Stück von uns. Glauben wir. Aber Glauben kann man nicht nehmen. An das zu glauben, was wahr ist, erübrigt sich. Es ist eben wahr.
Wir haben Ansprüche, keine Bedürfnisse. Ein unbefriedigtes Bedürfnis -Hungern, Dursten, Lieblosigkeit- bringt keine Enttäuschung, sondern das Gefühl von echtem Mangel. Es fehlt etwas, dessen wir bedürfen. Um zu leben, zu überleben. Als Mensch. Menschlich.
Unbefriedigte Ansprüche sind etwas anderes. Sie führen nicht zu Mangel, sondern Frustration. Was glauben wir aber, worauf wir einen Anspruch haben? Einen wirklichen. Über die Befriedigung der Bedürfnisse hinaus?
Nur du kannst, was du kannst. Was immer das sein mag. Lass dich darauf ein, es zu erkennen. Indem du dich auf dich einlässt. Es braucht Mut. Vielleicht. Aber letztlich nicht mehr, als du brauchst, wenn du ständig gegen den eigenen inneren Strom schwimmst, weil du dich in der Masse treiben lässt.
Es heißt, wir seien Summe und Produkt. Unserer Umwelt, der Beziehungen, und auch der Vergangenheit. Das ist eine einseitige Rechnung. Wir sind auch Differenz. Das Ergebnis zwischen Möglichkeit und dem, was wir “auf der Strecke gelassen” haben. Zwischen den Worten, die wir hätten sagen können und dem Schweigen. Zwischen dem Endpunkt und dem, was uns noch bevorsteht.
Wir sind Quotient: Bruch zwischen dem Ideal und dem kleinsten gemeinsamen Nenner unserer selbst. Solange wir uns selbst noch nicht gefunden haben, ist dieser Nenner immer größer Eins. Und wir, als Dezimalbruch der Kreation aus Wirklichkeit und Illusion, sind immer eine Null vor dem Komma.
Der heutige Weg fordert dich auf zu Schöpfung und Individuation.