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“Erinnern Siebzig”

Erinnern ohne Wiederholen 70
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Das Einzige, das nicht dem Gesetz der Trägheit zu unterliegen scheint, ist die Zeit.
Stolpersteine, wir sind zu bequem den Fuß zu heben, nachdem wir schon zu bequem waren, hinzusehen. Dabei geht der Blick nicht einmal frei geradeaus, das Motto heißt Ablenkung. Nichts scheint uns von dem abbringen zu können, was wir gerade tun oder lassen, wir jammern nach Motivation von außen. Es ist, als würde die Musik nach den Tönen jammern, die sie spielt. Dein Lied kannst du nur selber singen, weil niemand deine Melodie kennt, deine Tonhöhe halten kann. Du bist ein Paar, ganz allein mit dem Dirigenten, auch wenn du mitten in einem riesigen Orchester, einem allumfassenden Chor stehst.
Doch sein Taktstock weist nur die Richtung. Er spielt nicht für dich. Auch die um dich herum haben ihr eigenes Tun. Und dennoch gilt, nur zusammen erschafft ihr die Sinfonie. Deine Misstöne und Aussetzer können in der Masse untergehen, vielleicht fallen sie nur den Nächststehenden auf. Was aber, wenn die Zeit deines Solos herangerückt ist?
Zeit ist so machtlos oder machtvoll, wie du sie gestaltest. Vom Rausch ihrer Geschwindigkeit, in den sie sich in diesen Tagen immer weiter hineinzusteigern scheint, bist du nur beeindruckt, wenn du dich davon beeindrucken lässt.
Machtlos, machtvoll, und überhaupt- Macht. Absolute Macht hat nur das Etwas, das hinter allen Erscheinungen des Universums verborgen ist. Dem, was der moderne Mensch als Gesetze der Naturwissenschaft zu erkennen glaubt, kannst du dich nicht entziehen. Kannst nicht einmal so tun. Alle andere Macht ist die, die du den Dingen verleihst.
Leben ist Bewegung, darum ist die Macht, die dich gestaltet und durch die du gestaltest, die Macht in Aktion.

Erinnere dich, Leben ist in Aktion verkörperte Macht.

“CERNe vom Himmel holen”

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Wem wollt ihr denn
Die letzten Geheimnisse ablauschen?
Nur was Menschen gebunden haben,
Können Menschen lösen.
Ihr seid auf der Suche
Nach uns selbst.
Und versteckt euch vor dem Suchenden.
“Die Zeit der Heimlichkeiten ist vorbei!
Wir können die Welt erkennen.”
So glaubt ihr.
Und eure Suche wird
Immer unheimlicher.

“Namenlose Hoffnung”

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Die Hoffnung, die du nicht vor dir herträgst,
Hast du hinter dir beerdigt.
Ein Friedhof verwitterter Grabsteine
Links und rechts deines Weges.
Trauer um den Wink, dem du nicht folgtest
Ist nichts anderes als Totenkult.
Erinnere dich an das Gewesene,
Aber folge dem Leben.
Der Mond lädt dich ein zu stillem Gedenken,
Die Sonne stößt das Fenster auf
Zu deinen Augen und dem Herzen,
Um deine Seele zu erleuchten.

“Nussbruch”

*Das Gegenstück zu Heute war nicht Gestern und wird auch nicht Morgen sein. Das Gegestück zu Heute ist Heute: So, wie uns vor Lachen die Tränen über das Gesicht laufen.

*Wenn Schweigen bedeutet, das Schwert in der Scheide zu lassen, dann kämpfe mit dir darum, es nicht zu ziehen.

*Hals über Kopf ist nicht die schlimmste unserer Verhaltensweisen, sondern Kopf über Herz.

*Wer “einen Vogel hat”, ist wie ein Baum. Er bietet anderem Leben Unterschlupf in seiner Krone.

*Das Entscheidende ist nicht das große Gebet, sondern das immer wiederkehrende, kleine: gebet(!).

*Du wirst nie zur Ruhe kommen, wenn du sie nicht zuvor bei dir einlässt.

*Der Himmel ist nicht das Ziel, sondern der Weg. Lass deine Seele sich daran erinnern, wie es war zu fliegen.

“Erinnern Neunundsechzig”

Erinnern ohne Wiederholen 69

Was du für den Moment suchst und brauchst, findest du immer diesseits des Horizonts.
Dahinter erwartet dich das Neue. Neue Fragen, neue Antworten. Neuer Schmerz, neuer Trost.
Das Leben baut Brücken. Wir müssen sie finden und benutzen. Und pflegen. So lange wir sie überschreiten wollen.
Was uns vorwärts treibt, ist nichts im Vergleich zu dem, was uns vorwärts zieht. Flucht ist immer nur zeitweilig. Die Sehnsucht dauert ein Leben lang. Bis wir gefunden haben. Dann hört die Bewegung auf und wir erkennen die Bedeutung der Ruhe. Manchmal gelingt uns das schon im Jetzt, in besonderen Momenten. Scheinbar einfach so, zwischendurch. Entgleitet uns der Moment wieder, lässt uns die Sehnsucht zurück. Doch wenn wir auch glauben, ihr zu folgen, ist sie nur das Seil, an dem wir uns ebenso vorwärts ziehen, wie es uns vorwärts zieht.
Das Leben ist die Welle, die uns erst trägt, dann hinabstürzt ins Tal. Wir müssen schwimmen lernen, um nicht unterzugehen, und können doch nicht ewig schwimmen. Das Leben ist wärmendes Feuer uns versengende Glut. Das Maß ist die richtige Entfernung. Spiel nicht mit dem Feuer, bevor es mit dir spielen will. Leben ist Wind, der dir den Atem schenkt und dich atemlos macht. Kennst du nicht das Geheimnis seiner Bewegung, reißt er dir das Dach herunter. Wir gehen auf einer Erde, die uns sicher trägt, die alles hervorbringt, was wir zum Leben brauchen. Oder sich unversehens schüttelt und auftut, um zurückzuholen, was sie aus ihrem Schoß geschenkt hat.

Die Elemente tanzen. Das Zeichen des Tao, Yin und Yang, ist nur ein Schnappschuß dieses Wirbels. Und wir sind mittendrin. Bis sich, immer wieder mal oder für immer- Unsere Sehnsucht erfüllt.

Erinnere dich, von welchem Punkt aus du die Mitte halten kannst.

Das Leben vereinnahmt uns, anstatt umgekehrt. Wir sind Gärpartikel im Schauspiel, anstatt uns zu öffnen und selber Behälter zu sein für eine neue Qualität Wein.

“Sommerpralinen”

*Ich kann dich nicht ergänzen, solange du nicht vollständig bist.

*Der Mensch ist Teil des Einen, das nicht geteilt werden kann.

*Nachsehen erfordert nur einen einzigen, verständigen Blick. Nachtragend hat man schwer zu buckeln.

*Du findest dich in mir wieder. Nur, wenn du dich zuvor in dir entdeckt hast.

*Wenn zwei aufrichtig miteinander teilen, entsteht aus den Stücken ein größeres Ganzes.

*Das Herz blutet ohnehin. Mit jedem Schlag. Lass es freudig in Liebe geschehen, oder gib dich dem Kummer des Verblutens hin. Wähle!

“Sinn der Sinne”

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Der Sinn der Sinne ist:
Unter die Haut gehen.
Der Ausdruck der Oberfläche ist nur Spiegelung.
Wir reflektieren die Wahrheit,
Statt sie einzulassen.

Vom Hören zum Zuhören zum Verstehen.
Vom Sehen zum Wahrnehmen zum Erkennen.
Vom Spüren zum Fühlen zum Verinnerlichen.

Wenn der Wind für dich nur Blätter bewegt,
Ohne dass du das Aroma der Blüten riechst,
Geht dir eine Welt verloren.
Wenn du dich nur füllst zur Sättigung,
Ohne die Kompositionen zu schmecken,
Aus denen Nahrung besteht,
Wirst du immer hungrig sein.

Am ewig glatten Spiegel
Stößt du dir die Stirn,
Wenn du dich selbst umarmen willst.
In das Spiegelbild des Sees tauche ein.
Du kannst die Oberfläche durchdringen.
Geräuschlos. Dunkel. Ohne Wind.
Dem Geschmack und seiner Neigung den Mund verschlossen.
Den Punkt erspüren der inneren Einkehr.

Zur Ruhe kommen ist:
Der Sinn der Sinne.

“Wi(e)der Erkennen”

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Begegnungen.
Spiegelbilder in unruhigem Wasser.
Nicht das Leben zeichnet dich verschwommen,
Verschwommen ist deine Sicht auf das Leben.
Du erkennst dich im anderen nicht wieder,
Weil du selbst ein Gemisch bist.
Aus Farbklecksen.
Einheit kannst du erreichen,
Indem du endlich der Skizze folgst.
Die dich zum Spiegel macht
Und zum Gespiegelten.
Und jede Begegnung
Zu einem Wiedererkennen.

“Erinnern Achtundsechzig”

Erinnern ohne Wiederholen 68
Wie nah liegt doch das Wunder an der Wunde.
Nicht nur phonetisch.
Das für unmöglich Gehaltene, das dennoch eintritt, reißt tiefe Stücke aus deinem Selbstverständnis und aus deinem Verständnis von der Welt. Es musst nichts Schlechtes sein. Auch die Liebe, das unverhofft Wunderbare der Liebe, bereitet Schmerz.
Und wir bluten freudig.
Die Wunde des offenen Herzens bleibt eine Wunde. Und wunderbar.

Wenn ich Liebe sterben sehen habe, war es etwas anderes. Liebe kommt und geht nicht. Sie lädt ein, erwartet und empfängt uns. Liebe bleibt. Was geht, sind wir.
Für jedes Kommen gibt es ein Gehen. Gibt es ein Kommen.
Alles hat seine Zeit.
Der Tag und die Stunde kommen, wenn es Zeit für Tag und Stunde ist.
Seit die Menschen Uhren haben, glauben sie, das beeinflussen zu können. Die Zeit interessiert sich nicht dafür, was deine Uhr über sie sagt.
Die fünf Finger in den Fluss stecken, wird ihn weder stauen noch beschleunigen. Es ist nur zu fühlen, dass er sich bewegt.

Vielleicht ist Angst, als ihr Gegenteil, einfacher als Liebe. Sie nährt sich von den Abfällen dessen, was wir für Liebe hielten.
Die Kraft, die Liebe dir verleiht, erfordert sie in gleichem Maß, damit du ihrem Weg folgen kannst.
Jede Wunde des Wunderbaren heilt die Liebe selbst. Wenn du sie lässt. Du musst die Erfahrungen der Schmerzen leben, um Liebe spüren zu können.
Jedes Gift hat sein Gegenmittel.

Erinnere dich daran, es gibt eine Zuflucht für jedes Bedürfnis.

“Zeit-Schleifen”

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Sekunden wie Schleifkörner.
Sie nutzen uns ab und verschwinden.
Woher kamen sie, dass wir uns treffen mussten?
Wohin gehen wir,
Um ihnen zu entkommen?
Es gibt kein Zurück und
Da ist kein Vorwärts.
Was bleibt, ist die Suche nach dem Inhalt.
Der eigenen Form.
Sekunden schleifen so lange an unserem Schmerz,
Bis aus den Menschen
Die Seele hervorscheint.