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“Erinnern Neunundsechzig”

Erinnern ohne Wiederholen 69

Was du für den Moment suchst und brauchst, findest du immer diesseits des Horizonts.
Dahinter erwartet dich das Neue. Neue Fragen, neue Antworten. Neuer Schmerz, neuer Trost.
Das Leben baut Brücken. Wir müssen sie finden und benutzen. Und pflegen. So lange wir sie überschreiten wollen.
Was uns vorwärts treibt, ist nichts im Vergleich zu dem, was uns vorwärts zieht. Flucht ist immer nur zeitweilig. Die Sehnsucht dauert ein Leben lang. Bis wir gefunden haben. Dann hört die Bewegung auf und wir erkennen die Bedeutung der Ruhe. Manchmal gelingt uns das schon im Jetzt, in besonderen Momenten. Scheinbar einfach so, zwischendurch. Entgleitet uns der Moment wieder, lässt uns die Sehnsucht zurück. Doch wenn wir auch glauben, ihr zu folgen, ist sie nur das Seil, an dem wir uns ebenso vorwärts ziehen, wie es uns vorwärts zieht.
Das Leben ist die Welle, die uns erst trägt, dann hinabstürzt ins Tal. Wir müssen schwimmen lernen, um nicht unterzugehen, und können doch nicht ewig schwimmen. Das Leben ist wärmendes Feuer uns versengende Glut. Das Maß ist die richtige Entfernung. Spiel nicht mit dem Feuer, bevor es mit dir spielen will. Leben ist Wind, der dir den Atem schenkt und dich atemlos macht. Kennst du nicht das Geheimnis seiner Bewegung, reißt er dir das Dach herunter. Wir gehen auf einer Erde, die uns sicher trägt, die alles hervorbringt, was wir zum Leben brauchen. Oder sich unversehens schüttelt und auftut, um zurückzuholen, was sie aus ihrem Schoß geschenkt hat.

Die Elemente tanzen. Das Zeichen des Tao, Yin und Yang, ist nur ein Schnappschuß dieses Wirbels. Und wir sind mittendrin. Bis sich, immer wieder mal oder für immer- Unsere Sehnsucht erfüllt.

Erinnere dich, von welchem Punkt aus du die Mitte halten kannst.

Das Leben vereinnahmt uns, anstatt umgekehrt. Wir sind Gärpartikel im Schauspiel, anstatt uns zu öffnen und selber Behälter zu sein für eine neue Qualität Wein.

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