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Keine Ebene ist so flach, dass sie nicht auch Raum ist, durch den wir uns bewegen.
Ob wir aufrecht gehen können, ist eine Frage der äußeren und inneren Ausdehnung. Ob wir aufrecht gehen wollen, ist eine Frage des Willens.
Du bist so groß, wie du dich selbst erkennst.
Unsere Bewegungen sind Balanceakte auf einem zwischen Hier und Jetzt ausgespannten Netz. Unsere größte Befürchtung ist, durch die Maschen zu fallen.
Das Festhalten an Knotenpunkten bietet keine Gewähr. Für was auch immer. Festhalten, bis die Fingerknöchel weiß werden vor Anstrengung, macht dich zum Thrombus deines eigenen Lebens. Im Stillstand lauert die Embolie.
Nichts wird bleiben, wie es geworden ist. Nichts wird werden, wie wir glauben, es kommen gesehen zu haben. Vorahnungen, die eintreffen, bestätigen nicht sich selber. Sondern dass wir über Vorauswissen verfügen und darauf zugreifen (können). Die Zukunft scheint uns ebenso entgegenzukommen, wie wir versuchen, vor der Vergangenheit zu fliehen.
Es heißt, das allumfassendste Buch, welches das Sein geschrieben hat, ist die Welt selber. Lies darin, dich zu erkennen. Den größten Teil, auf den du zugreifen kannst, macht deine Vergangenheit aus. Lies, was es von dir zu sagen, zu sehen, zu erzählen gibt, nicht über dich.
Das vergangene Wochenende- Wohin bin ich zurückgekehrt in der Stadt an der Elbe? Vergangenheit? Zukunft? Etwas von Beidem? Und noch mehr?
Ist die Gegenwart eine Schnittmenge aus dem, was uns widerfuhr und dem, was wir zu erwarten haben?
Vergangenheit ist nur Erinnerung. Eine Zeitschleife, die den Raum durchdringt, in dem wir gerade sind. Die Wirklichkeit stimmt mit der Erinnerung nicht mehr überein. Wir haben uns verändert, treiben mitten in einem Meer, dessen Wellen nicht stillstehen.
Blicken fehlt die Klarheit, weil in Jahrzehnten müde gewordene Lider sich nicht mehr so schnell heben. Als wollten sie das Licht der Seele im Innern festhalten. Aus Angst, dass es sich dem Ende seines Leuchtens nähert.
Einfache Handgriffe, wie das Glas vom Tisch nehmen und zum Mund führen, erfordern höchste Konzentration. Und selbst dann wirken sie unsicher. Erleichterung macht sich breit, wenn alles gut ging. Ohne, dass etwas verschüttet wurde, ohne, dass das Glas umfiel. Kleiner Stolz im fragenden Blick: Hast du bemerkt, dass ich das (immer noch) kann?
Wie könnte ich es übersehen?
Ich beobachte das alles, und bin doch mittendrin. Die Zeitschleife, die mich umfangen hält, gleitet Stück für Stück weiter.
Erinnerung wie zerlaufendes Kielwasser hinter mir, die Ahnung eine undurchdringliche Bugwelle, die ich vor mir herschiebe. Ich sitze am Schnittpunkt, mitten im Gemenge aus Vergangenheit und Zukunft.
Die müden Augen, die mich fragend ansehen, waren die ersten, die mich angesehen haben in dieser Welt, voll Liebe. Die unsicheren Hände haben mich getragen. Ohne zu wissen, dass es mich gab, wusste ich, sie würden mich nie fallen lassen. So, wie sie jetzt Angst haben vor der Herausforderung, ein Glas Wasser zu heben.
Alles schleicht sich von dannen. Am Ende fallen wir durch die Maschen, auch wenn wir das Netz noch so fest knüpfen. Auch wenn wir meinen, den Faden in der Hand zu halten, mit dem wir uns angurten wollen an der Ewigkeit, gesponnen wird er von jemand anderem.
Der Regenbogen, der sich über den Himmel spannt, erscheint überall gleichzeitig. Am Horizont des Aufgangs ebenso wie im Zenit und dem Horizont, hinter dem er versinkt. Wir können ihm nur folgen. Egal, zu welcher Farbe wir uns bekennen, sie ist immer nur ein Bruchstück des Gesamten. Wenn der Regen, aus dem unser Körper zur Hälfte bis zu Dreivierteln besteht, am Himmel getrocknet ist, wenn die Sonne hinter Wolken verschwindet, die uns das Leuchten der Augen gab, löst unser Regenbogen sich auf. Im Licht, aus dem er kam.
Wir können die Erde verbinden von einem Ende zum andern, können uns hoch über sie erheben. Aber nur eine Zeitlang.
Wenn wir nirgends herkamen, gehen wir auch nirgends hin. Und sind nie irgendwo.
Wenn wir irgendwo herkamen, gehen wir auch irgendwo hin. Und sind nie nirgendwo.