Home › Monthly Archives › August 2010

“Mit jedem Atemzug”

|||

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Mit jedem Atemzug
Sich tiefer hinein senken.
In diesen Kuss. Diesen Einen.
Lippen können kein schöneres Wort formen,
Als dieses Schweigen.
Du vergisst, was du sagen wolltest,
Vergisst, was du gerade sagst.
Dieses Küssen und Geküsstwerden,
Ist das Eine-zu-sich-zurück-findende.
Wenn es dich erlöst von der Suche,
Vom Denken, vom Fragen, von der Angst-
Nicht zu finden.
Wenn es dir Erkennen schenkt
Und Erkanntwerden.
Durch diesen Kuss. Diesen Einen.
In den du immer tiefer sinkst.
Mit jedem Atemzug.

“Dünger unterm Misthaufen des Lebens”

Was wir als das Drehen der Welt empfinden, ist vielleicht nur die Übersetzung eines Phänomens in die Sprache unserer Sinne : In Wahrheit stülpt sich das Leben in ständigem Wechsel von Innen nach Außen nach Innen und wieder vor und zurück. Eine fließende Bewegung, ein Kreislauf eben, wenn man so will, aber kein Drehen nur um eine Achse mit festen Polen. Denn die Achse ist selber in Fortbewegung. Einer Spirale gleich krempelt sich das Leben um und um.
Erwartungen sind Stolpersteine, die wir uns selber in den Weg legen. Oft halten sie uns davon ab, zu weit in die Irre zu gehen. Wie haben verlernt, uns auf das Wesentliche, das dem Wesen eigene zu beschränken, weil wir alles, was nicht das Potenzial zum Ausufern hat, schon als Einschränkung verstehen. Bescheidenheit gilt nicht mehr als soziale Kompetenz, oder Tugend, wie man altmodisch sagen könnte, sondern als Dummheit.
Doch immer wieder scheint es da geheimnisvolle Mechanismen zu geben, die das Eine oder Andere regeln. Auch wenn uns nicht klar ist, wie das vonstatten geht. Aber dass uns der Überblick fehlt, weil wir ihn gar nicht haben können, und das dieses Fehlen eher Geschenk ist als Mangel, das können wir uns erstrecht nicht eingestehen. Der Mensch von heute hat alles im Griff!
Und was, wenn das Leben einmal etwas andersherum regelt? Da eingreift, wo die Hoffnung endet und zeigt: Es geht weiter. Wir mögen die Schulter zucken und denken: Gibt’s nicht!
Dem Leben ist es aber egal, was wir von seiner Wahrheit halten. Sie wird nicht weniger durch unseren Unglauben. Sie ist eben. Und sie geschieht. Manchmal offenbart er sich, der:

Dünger unterm Misthaufen des Lebens.
(Podcast neu eingesprochen!)

(erstveröffentlicht auf goodnewstoday am 04.07.2010)

“Zu Fliegen im Widerspruch”

|||

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Wie willst du ohne Flügel fliegen?
Die Gegensätze treiben dich voran.
Links ein halbes Paar,
Die andere Hälfte rechts.
Im Gegensatz stehen sie gegenüber,
Zusammen sind sie Eines.
Den linken Flügel bewegen, ohne den rechten,
Dreht dich im Kreis.
Jetzt den rechten nur allein,
Dreht dich ein Stück zurück.
Was dich hinaufträgt und davon,
Ist, das Maß zu halten
Im Widerspruch zwischen
Abstoßen und Anziehung.

“Erinnern Sechsundsiebzig”

Erinnern ohne Wiederholen 76
Energie folgt der Aufmerksamkeit. Worauf richtest du deinen Blick?
Die ersten Treppenstufen erscheinen breit, sind nicht Schritt für Schritt jeweils eine zu nehmen. Es geht immer voran, aber nur verhalten aufwärts. Von einer Ebene zur nächsten muss man die Füße mehrmals einen vor den anderen setzen. Manchmal folgt es dann wie ein Sprung. Verwirrtes Stolpern, stolpernde Verwirrung. Verwunderung, den Weg zu bezwingen scheint dir wichtiger, als ihn zu genießen.
Konzentration? Auf einen Punkt fixiert sein, engt das Wahrnehmen ein auf den Umfang eines lediglich punktgroßen Spots.
Wer Weg und Ziel verwechselt, hält Stillstand für Erfolg, bemerkt unter Umständen aber nicht, wenn er angekommen ist.
Im Leben gibt es immer nur Etappenziele. “Geschafft!” ist eine Illusion, Ausdruck einer sehnsüchtigen Hoffnung.
Wer oder was ist da unterwegs? Das Wort, pathologisch seziert: unter-wegs.
Wir benutzen es öfter, als dass wir sagen, wir sind auf dem Weg. Diffuse Unbestimmtheit im Gegensatz zum bewussten Pfad auf das Ziel zu.
Woher wollen wir wissen, wohin wir gehen, wenn wir nicht wissen, was uns treibt?
In der Nacht jagen uns Träume, deren Bilder wir im Wachsein nie gesehen haben, nie sehen werden. Tagsüber drehen wir unsere Träume durch den Fleischwolf eines ungebremmsten Erlebnishungers.
Der “verborgen” Reisende ist nicht erlebnissüchtig. Er möchte auf dem Weg sein. Die Treppe weiter hinauf. Es wird leichter werden. Und wieder schwerer. Leben eben.
Ist der letzte Absatz der Treppe erreicht, führen nur die schmalen Sprossen einer Leiter weiter hinauf. Wind singt hohl im Dachstuhl des Turms. Es riecht nach dem verwitterten Gebälk uralter Andacht. Auf einmal bist du den Wolken näher, alle Wetterunbilden, mit denen sie schwanger sind, können dich unmittelbar treffen. Doch für den Geduldigen reißt irgendwann der schwangere Wolkenbauch auf und gebiert Sonne und Licht.
Unterwegs sein ist keine Kunst. Es geschieht eben, jeden Tag nach dem Erwachen geht es los. Wir machen nicht, sondern lassen machen. Auf dem Weg sein erfordert den Enthusiasmus des Ungewissen. Es erfordert Mut, der, wenn er nicht nur getarnter Leichtsinn ist, die Angst als kleine Schwester hat.
Mit dem Wiederholen des Alltäglichen glauben wir, uns das Geschenk der Sicherheit zu machen. Ein Trojanisches Pferd, dieses Geschenk.
Der Reisende im Innern vermittelt uns vielleicht eine Ahnung vom rechten Pfad. Die Aufmerksamkeit in diese Richtung zu lenken, lässt die Energie möglicherweise auf das eigentliche Ziel zuströmen. Wer weiss das schon? Der, der sich erinnert?

Erinnere dich, was in dir wahrzunehmen, aber nicht sichtbar ist!

“Knusper? Flocken!”

* Mit Wohlfühlinfektionen steckt man sich durch Lächeln an.

* Für den knurrenden Magen brichst du das Brot. Um die hungernde Seele nicht mehr zu hören, brichst du die Verbindung und ersetzt sie durch deine Süchte.

* Die Augen zu schließen, eröffnet dir eine andere Sicht auf die Dinge.

*Wenn die Bedeutung einer Sache so schwer wiegt, dass die Erkenntnis dich federleicht davonschweben läßt, lösen sich die Stränge des Paradoxons, das dich am Boden hielt auf. Und werden zu den Federn deiner unsichtbaren Flügel.

* Die Fenster einer schönen Fassade schauen dennoch blind, wenn drinnen kein Licht scheint.
Geh du nur weiter zum Stylisten und in die Boutique. Ich lerne Glücklichsein.

* Wenn du ehrlich schweigst, kannst du dir vielleicht deine Geheimnisse ablauschen.

“Ein Dutzend Mal Gezwitschertes”

Manchmal hat es den Anschein, es würde nichts Nutzbares übrig bleiben, wenn man die Spreu vom Weizen trennt. Beim Durchsehen alter Tweets.
Twitter polarisiert. Immer noch, immer wieder, immer mehr oder weniger. Auf vielerlei Ebenen. Ohne Pole keine Spannung. Ohne die- keine Bewegung. Und das ist etwas, was man Twitter bei allen kontroversen Möglichkeiten von Betrachtung und Beurteilung zugestehen muss: Es gibt keinen Stillstand. Außer der Wal erzwingt ihn. Das ist jetzt Insiderwissen. Aber hey, Twitter ist keine verschworene Gemeinschaft, kein Geheimbund. Wer mehr wissen will, schau doch einfach rein!
Bei meiner Ernte habe ich mal getrennt. Eben Spreu von Weizen. Wer jetzt was für was halten möchte, bleibt jedem selber überlassen. Feel free to feel free! Für mich ist es der Weizen, der übrig geblieben ist. Was ich für die Spreu hielt, werdet ihr nicht erfahren. Es ist im digitalen Mülleimer gelandet und wird dem Hunger der Killerbites preisgegeben.

Hier nun die Teile, die das Dutzend dieser Rückschausammlung kommplett machen.

Und hier die vorhergehenden Essenzen der Schnelligkeit, also I-XI.

“Spiegelwelt”

|||

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Manchmal ist, was schwerfällt,
Der nächste Schritt. Zur Wahrheit.
Wo wir uns integriert haben,
Verschwinden wir in der Masse.
Wer erkennt den Tropfen noch,
Der mitten im Bach abwärts eilt?

Wo du stolperst, zwingt es dich,
Genauer hinzusehen.
Was liegt dir im Weg?
Wo du steckenbleibst, komm zur Besinnung.
Wo du ausrutschst, ruhe dich aus.
Aus Schritten werden Wege, nicht aus Sprüngen.

Die Welt- Ein Spiegel ringsherum.
Du- Ein Spiegel in der Welt.
Worauf es ankommt ist,
Die Brennpunkte in Einklang bringen.
Fang das Licht ein und gib zurück.
Wellen laufen hin und her und auf und ab.

“Neue Seiten”

Jeden Tag schlägt sich eine neue Seite auf. Ob wir wollen oder nicht.
Zurückblättern bedeutet vielleicht, noch einmal zu lesen. Noch einmal leben, erleben, können wir das, was wir geschrieben haben, jedoch nicht. Das Leben ist Rohfassung. Ist Entwurf, Probenvorlage, Generalprobe, Premiere und Saison des Stücks in einem. Man kann nicht nach dem dritten Akt nach Hause gehen. Der nächste entblättert sich, während wir dem gerade erlebten zu entkommen versuchen oder uns an ihm und ihn an uns festzuhalten versuchen.
Seite um Seite. Um Seite.
Wie ist das mit den Kapiteln? Unsere Tage haben keine Überschriften, die sie uns auffällig machen. Wir können froh sein, wenn es Fussnoten gibt, über die wir stolpern.
Und doch drängt jeder Tag als mögliches Kapitel in unser Leben. Oft erst in der Rückschau zu erkennen. Blicken wir während des Aufstiegs zurück, entdecken wir zuweilen im Dickicht der Erinnerung die Kehre, die die Serpentine unseres Lebensverlauf gemacht hat und wo.
Was meist bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Leben, als Nicht-Funktion, lässt sich nicht durch die Antwort auf die Frage nach dem Warum(?) erklären. Sieht man vom Zeugungsakt ab, der ja nicht immer und zwangsläufig zu neuem Leben führt, sucht man vergebens nach der Manifestation von Ursache und Wirkung.
Wie kann die Frage nach dem Grund eines Mysteriums Warum(?) sein? Wie könnte man sie beantworten mit den Erklärungen von Logik und Vernunft, die nicht in der Lage sind, das Mysterium zu beschreiben?
Nur was erfasst werden kann, kann beschrieben werden.
Mysterien sind nicht (er)fassbar.
Man kann sie bewundern.
Leben ist ein Mysterium.

Ich begegnete dem Alten, während ich eine beliebige Seite meines Buches beschrieb. Mitten im Leben. Am Wegesrand.

Der Alte am Wegesrand.

“Vergessen können”

|||

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Einmal nur und einmal doch:
Der Gegebenheit ergeben.
Ohne Druck und ohne Zug
Ganz im Augenblick zu leben.

Angehäufte Wissenssplitter,
Ringsherum ein Schachtel-Sein.
Leben ist, Vergessen können,
Lässt du dich nur darauf ein.

“Erinnern Fünfundsiebzig”

Erinnern ohne Wiederholen 75
Es heißt, am Anfang wäre alles noch ganz rein. Wir werden mit einem klaren Spiegel des Herzens geboren, ungetrübt und außerstande, etwas zu trüben.
Die Zeit, die ins Land geht, bewirkt nichts. Nur was sie anschwemmt in ihrem ewigen Strom, hinterlässt Spuren. Das Leben nährt sich aus der Quelle, aus einer Ansammlung von Tropfen, die sich auf den Weg macht. Ohne das, würde es versiegen. Auf dem Weg wird es breiter und tiefer. Und der Ballast nimmt zu.
Die Unschuld der Kinder liegt in ihrer Unbewusstheit über den Ballast der Welt. Der Blick ist klar wie das Herz, das Licht kann ungehindert ein und aus gehen. Entwicklung ist unumgänglich, selbst, wenn man sie verhindern wollte. Aus der Vereinigung zweier Zellen entfaltet sich ein Plan, dessen wir Stück für Stück gewahr werden.
Wir nennen es reifen, wenn Kinder heranwachsen.
Pflanzen keimen einzig, um zu wachsen, zu blühen, zu reifen, um Frucht zu bringen. Um Samen zu erzeugen.
Menschen sind keine Pflanzen. Der Zweck ist nicht Kreislauf, nicht Zyklus. Der Weg schlängelt sich in horizontalen und vertikalen Wellen. Der Punkt auf dem Weg, den wir Jetzt nennen, das sind wir. Uns im Weg zu erkennen, den Weg durch und in uns, das ist Leben. Menschliches Leben. Das nicht blind ist.
Alles scheint geheimnisvoll, alles scheint gefunden werden zu müssen, wir scheinen. Immer auf der Suche zu sein. Tatsächlich ist da ein Schein, der nichts mit scheinbar zu tun hat, sondern sehr real ist. Uns leuchtet ein Stern. Von innen heraus? Auf dem Weg voran?
Finde es heraus. Oder- Erinnere dich.

Erinnere dich an die sternengleiche Sichtbarkeit, die in allem -auch in dir- verborgen ist.