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“Neue Seiten”

Jeden Tag schlägt sich eine neue Seite auf. Ob wir wollen oder nicht.
Zurückblättern bedeutet vielleicht, noch einmal zu lesen. Noch einmal leben, erleben, können wir das, was wir geschrieben haben, jedoch nicht. Das Leben ist Rohfassung. Ist Entwurf, Probenvorlage, Generalprobe, Premiere und Saison des Stücks in einem. Man kann nicht nach dem dritten Akt nach Hause gehen. Der nächste entblättert sich, während wir dem gerade erlebten zu entkommen versuchen oder uns an ihm und ihn an uns festzuhalten versuchen.
Seite um Seite. Um Seite.
Wie ist das mit den Kapiteln? Unsere Tage haben keine Überschriften, die sie uns auffällig machen. Wir können froh sein, wenn es Fussnoten gibt, über die wir stolpern.
Und doch drängt jeder Tag als mögliches Kapitel in unser Leben. Oft erst in der Rückschau zu erkennen. Blicken wir während des Aufstiegs zurück, entdecken wir zuweilen im Dickicht der Erinnerung die Kehre, die die Serpentine unseres Lebensverlauf gemacht hat und wo.
Was meist bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Leben, als Nicht-Funktion, lässt sich nicht durch die Antwort auf die Frage nach dem Warum(?) erklären. Sieht man vom Zeugungsakt ab, der ja nicht immer und zwangsläufig zu neuem Leben führt, sucht man vergebens nach der Manifestation von Ursache und Wirkung.
Wie kann die Frage nach dem Grund eines Mysteriums Warum(?) sein? Wie könnte man sie beantworten mit den Erklärungen von Logik und Vernunft, die nicht in der Lage sind, das Mysterium zu beschreiben?
Nur was erfasst werden kann, kann beschrieben werden.
Mysterien sind nicht (er)fassbar.
Man kann sie bewundern.
Leben ist ein Mysterium.

Ich begegnete dem Alten, während ich eine beliebige Seite meines Buches beschrieb. Mitten im Leben. Am Wegesrand.

Der Alte am Wegesrand.

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