HomeLiteratur › “Dünger unterm Misthaufen des Lebens”

“Dünger unterm Misthaufen des Lebens”

Was wir als das Drehen der Welt empfinden, ist vielleicht nur die Übersetzung eines Phänomens in die Sprache unserer Sinne : In Wahrheit stülpt sich das Leben in ständigem Wechsel von Innen nach Außen nach Innen und wieder vor und zurück. Eine fließende Bewegung, ein Kreislauf eben, wenn man so will, aber kein Drehen nur um eine Achse mit festen Polen. Denn die Achse ist selber in Fortbewegung. Einer Spirale gleich krempelt sich das Leben um und um.
Erwartungen sind Stolpersteine, die wir uns selber in den Weg legen. Oft halten sie uns davon ab, zu weit in die Irre zu gehen. Wie haben verlernt, uns auf das Wesentliche, das dem Wesen eigene zu beschränken, weil wir alles, was nicht das Potenzial zum Ausufern hat, schon als Einschränkung verstehen. Bescheidenheit gilt nicht mehr als soziale Kompetenz, oder Tugend, wie man altmodisch sagen könnte, sondern als Dummheit.
Doch immer wieder scheint es da geheimnisvolle Mechanismen zu geben, die das Eine oder Andere regeln. Auch wenn uns nicht klar ist, wie das vonstatten geht. Aber dass uns der Überblick fehlt, weil wir ihn gar nicht haben können, und das dieses Fehlen eher Geschenk ist als Mangel, das können wir uns erstrecht nicht eingestehen. Der Mensch von heute hat alles im Griff!
Und was, wenn das Leben einmal etwas andersherum regelt? Da eingreift, wo die Hoffnung endet und zeigt: Es geht weiter. Wir mögen die Schulter zucken und denken: Gibt’s nicht!
Dem Leben ist es aber egal, was wir von seiner Wahrheit halten. Sie wird nicht weniger durch unseren Unglauben. Sie ist eben. Und sie geschieht. Manchmal offenbart er sich, der:

Dünger unterm Misthaufen des Lebens.
(Podcast neu eingesprochen!)

(erstveröffentlicht auf goodnewstoday am 04.07.2010)