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“Wenn das Licht”

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Lichtverlust zu Dunkelheit.
Horizonte wachsen auf uns zu.
Grau. Dann schwarz.
Mitten am Tag erleben wir
In uns die Nacht.

Kein Gewusstes ist
Ein Stern zur Orientierung.
Zwischen Wissen und Erkennen liegt
Die verschleierte Sicht,
Die Leben zu Konturen schrumpft.

Wenn das Licht eindringt,
Ein Funken, ein Zögern-
Wird die Flamme leben können?-
Dann sind wir es, die sich abwenden.
Es schläft sich bequemer.
Im Dunkeln.

“Teufel der Bedingtheit”

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Die Wortfessel “um zu”,
Ist der Teufel der Bedingtheit.
Die Maske ist nicht abschreckend,
Erscheint uns im Gegenteil- verlockend.
Mit der Antwort auf die Frage:
Warum?
Spaltet sich der Weg.
In linken und in rechten Pfad.

Warum isst du?
Um satt zu werden?
Wir haben verlernt, die Mahlzeit zu feiern.
Warum liest du?
Um Informationen zu sammeln?
Uns ist das Wissen vom Reichtum der Erkenntnis verloren gegangen.
Warum arbeitest du?
Um deinen Unterhalt zu verdienen?
Längst haben wir Berufung mit Job vertauscht.
Warum liebst du?
Um wieder geliebt zu werden?
Du bist es!
Nur das Vertrauen haben wir verloren,
In diesem Ozean der Unendlichkeit zu schwimmen.

“Keines ist wie deines”

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Halbbeschriebene Doppelseite.
Der Tag liegt vor dir.
Ein Buch, links das Papier,
Auf dem du dich und dein Leben definiert hast.
Definitionen sind Grenzen.
Deine enden aber nicht an den Schnittkanten
Von einem Stück Papier.
Dem gegenüber weiße Landschaft.
Potenzial ist das, was nicht ist.
Noch nicht?
Alles, was nicht ist, ist noch nicht.
Ob aus dem Noch ein Doch! wird?
Nimm die Feder und schreib.
Mach deine Einträge im Buch
Deines Lebens.
Tritt einen Schritt zurück.
Bücher über Bücher im Regal
Des Lebens an sich.
Keines ist wie deines,
Deine Geschichte steht nur
In deinem Buch.

“Erinnern Vierundsiebzig”

Erinnern ohne Wiederholen 74
Ich stelle mir vor: Der Hüter der Zeit versäumt, einmal nur, eine Tür hinter sich abzuschließen. Der Tag bleibt offen, strömt in den nächsten, wobei es den nächsten dann, logischerweise, nicht einmal gibt: Es geht einfach weiter mit dem, was gerade ist, weil es nicht abgeschlossen wurde.
Stellt euch vor, ihr glaubt an einem Dienstag zu erwachen, der immer noch Montag ist. Während ihr glaubt wach zu werden, werden Erinnerungen wach an Punxsutawney. Das ist da, wo seinerzeit B. Murray zusammen mir A. McDowell seinen Murmeltiertag erlebte.
Aber ganz so ist es nicht. Ihr erlebt nicht immer wieder dasselbe, nur der Tag, der Montag, er endet nicht. Zieht sich in den Mittwoch, das Bergfest ist auf einmal immer noch so weit entfernt, wie doch schon zwei Tage zuvor. Und ehe ihr euch verseht, naht das, was ihr als Wochenende erwartet habt, und ist doch nur- Immer wieder Montag. Bis hin zu dem Moment, indem es sich sieben Mal wiederholt hat und es tatsächlich wieder losgeht: Ein neuer Wochenbeginn. Mit all seinem Gejammer, das sich zur Blue-Monday-Kultur stilisiert hat.
Ist da denn überhaupt noch ein Grund, sich diesem Kater vom Wochenendrausch hinzugeben? Schließlich gab es ihn diesmal ja gar nicht- den Rausch.
Wahrscheinlich stecken wir so in unseren Gewohnheiten fest, dass wir gar nicht anders könnten.
Nur ein Gedankenspiel?
Schaut euch um! Vielleicht gar nicht mal so weit weg, sondern eher- in euch selbst.
Jeden Montag wird dem vergangenen Wochenende nachgetrauert, bis Mittwoch, Donnerstag, dann ist man mit Gedanken schon beim kommenden (Wochenende). Samstags werden Erinnerungen gewälzt an Dinge, die längst vergangen sind oder Pläne geschmiedet für eine Zeit, die irgendwann ist- Nur nicht jetzt.
Und zum unweigerlichen Ausklang der viel zu kurzen freien Tage, Sonntagnachmittag, spätestens am Abend, beginnt das Einstimmen auf den Montags-Blues.
Nicht in der Gegenwart zu sein, ist nur eines: Kräftezehrend. Die Türen hinter uns, die ein nicht zu beherrschender Mechanismus endlich ins Schloß drücken will, offen zu halten, raubt dir ebensoviel Energie, wie die Versuche, immer wieder vorstürmen zu wollen in eine Zukunft, die eben nur eines ist: Zukunft. Eine Andeutung, eine Möglichkeit, in Wahrheit aber vage und sich erst in dem Moment erschließend, wenn sie durch die Tür tritt, um dich zu begrüßen.
Die Türen zwischen den Zeitabschnitten erreichst du nur, indem du die Korridore der Vergänglichkeit durchquerst. So, wie du auch durch die Gänge in einem Gebäude musst, um von Tür zu Tür zu gelangen. Und wie bei diesen physisch wahrnehmbaren Barrieren, ist es auch mit der Zeit: Wenn wir nicht abschließen, was hinter uns liegt, verfolgt uns der Durchzug, macht uns krank, wir sind “durch den Wind”.
Der Hüter der Zeit muss seine Arbeit machen dürfen mit dem Schlüssel. Daran hindern können nur wir ihn. Oder es ihm- erlauben.

Erinnere dich: Was beginnt, muss enden, muss die Gelegenheit haben, zur Vollendung zu gelangen. Für sich. Für uns.

“Nichts geht verloren”

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Wie oft hast du gefragt
Und die Antwort überhört?
Kann es denn sein,
Dass etwas unbeantwortet bleibt-
Sei es auch nur,
Als Echo seiner selbst?
Was hast du dir selbst zu sagen,
Wenn scheinbar alles andere schweigt?

Wie oft überhörst du die Frage
Und stehst erstaunt vor der Antwort?
Wenn du es nicht hinterfragst,
Das Leben und dich, dann-
Übernimmt es das Leben.
Fragen heißt führen.
Führst du dein Leben,
Oder führt ein Leben- dich?

Es gibt keine Regeln.
Und doch musst du sie beachten.
Was wir als Paradox ansehen,
Ist oft nur die Allumfassenheit.
Wenn du dich für die Fülle öffnest
Und deinen Platz in ihr findest,
Lösen sich die Stricke, die dich banden
Und werden zu Halteseilen.

“Zwischen Raum und Zeit”

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Zwischen Raum und Zeit,
Als Kette und Schuß,
Webt sich, was
Wir für unsere Wirklichkeit halten.
Von Unrast getriebenen Schiffchen gleich
Hasten wir durch die Fäden.
Befangen im Webstuhl des Seins.
Stoßen immer wieder die Stirn
Am Rahmen der eigenen Existenz.

Wir erfassen nicht,
Was uns erfaßt:
Haben im Nahsein Sehnsucht nach der Ferne,
Sehnen uns fern von Allem nach Nähe.
Wie sehen das Licht nicht,
Wie es zwischen den Fäden wirkt.
Was wir für Kunst und Errungenschaft halten,
Ist nur der Staub.
Der Weber bläst ihn jeden Abend fort und löscht das Licht.

“Krokantsplitter”

Worte, die runtergehen wie Öl. Balsam für die Seele. Pralinen, die uns erfüllen mit ihrem Durft, dem Geschmack, mit der Wirkung, die sie entfalten: Auf der Zunge, im Magen, im Geist.
Seelennahrung.
Es tut gut, wenn es guttut. Doch ständiges Getragenwerden lässt die Muskeln erschlaffen. Die Pflanzen werden stark, die sich gegen den Wind behaupten, das Unwetter.
Um zum Nachdenken gebracht zu werden, um uns zum Nachdenken zu bringen, braucht es auch immer mal den Anstoß, nicht die Streicheleinheit.
Krokantsplitter statt Pralinen.

*Bevor wir uns erinnern können, müssen wir uns selbst vergessen.

*Oft besteht das Gewicht des Lebens nur in dem Maß, in dem wir es uns schwer machen.

*Du kannst nichts voraussehen. Ein Spiegel sieht nicht selber.

*Niemandem rennt die Zeit davon. Wir flüchten, im Glauben daran, Zeitnischen entdecken zu können, Zeitblasen. Damit flüchten wir- In erster Linie vor uns selber.

*Auch Pflanzen wissen um ihre Bedürfnisse. Würden sie sonst eingehen bei Mangel an Licht, Wärme und Wasser? Sie können auf ihre Gaben aber nur warten.
Wir können ihnen entgegengehen.

*In dem Moment, in dem du mit dem Leben in Einklang bist, dreht sich alles um dich und du drehst dich um alles.

“Was weißt du denn über Goldfische!”

Regen den ganzen Tag. Als hätte ich das geahnt nach dem ersten Blick aus dem Fenster, war mein zweiter Post bei Twitter heute: “Wenn der Wind zu träge ist, dem Himmel die Tränen von den Wolkenwangen zu küssen, wird die Erde schwanger.”
Tränen und Geburt. Unter dem grauen Himmel scheint der Sommer sich wieder ein Stück weiter verabschiedet zu haben. Temperaturschwankungen und -stürze legen sich aufs Gemüt, schlagen nieder im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Lied davon könnten sie singen, die wetterfühlig Niedergeschlagenen, die Regendepressiven. Wenn ihnen in ihren Situationen noch nach Singen zumute wäre. Alles halb so schlimm? Wer kann das wissen?
Wer Unverständnis für die Befindlichkeiten des Gegenüber, vielleicht sogar für die der Menschen an seiner Seite hat, hat sich selber noch nicht verstanden.
In Erinnerung an die Hitze vor einigen Wochen, kam mir die Geschichte mit den Goldfischen in den Sinn. Einmal mehr weiß ich nicht, wo ich sie aufgeschnappt habe, aber sie hat sich mir in der Grundform und -aussage so eingeprägt, wie ich sie hier gerne kurz weitererzählen möchte:

Zwei alte Freunde stehen auf der Brücke über einem Goldfischteich. Das Holz der Bohlen unter ihnen strömt in der sengenden Hitze den Geruch der Jahre aus, die vergingen, seit es geschlagen wurde. Träge schweben die rotgoldenen Fische im Wasser, kaum merklich mit den Flossen rudernd, als wollten sie sich Erfrischung zufächeln. Im nun schon seit Wochen anhaltenden Sommer, ohne Regen, kühlen Wind oder auch nur erfrischende Nächte, ist der Wasserspiegel bedrohlich gesunken. Lang wie nie ragt das Schilf am Uferrand, der sich immer weiter in den Teich vorschiebt.
“Die armen Fische”, sagt einer der Beiden voll Mitgefühl, “was müssen auch sie unter der Hitze zu leiden haben!”
Sein Frend zieht die Luft ein und schnaubt: “Pah, du bist kein Goldfisch! Was willst du denn schon darüber wissen, wie sie sich fühlen!”
Der andere nickt. Dann sieht er seinen Freund mit demselben Mitgefühl an, wie zuvor die Fische. “Du bist nicht ich”, gibt er zu bedenken. “Was willst du also darüber wissen, was ich von den Goldfischen weiß?”

Diese kleine Geschichte hilft mir ab und zu, mich daran zu erinnern, dass ich nichts von dem wirklich wissen kann, was ein anderer über- Goldfische weiß.

“Déjà vu”

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Wühlen im Strandgut der Träume
Am Ufer des Morgens.
Die Nacht schwebt als Dunst hinter uns,
Wir sind gestrandet auf der Insel eines neuen Tages.
Welcher Katastrophe sind wir entkommen?
Oder haben wir, wieder einmal,
Das Paradies verspielt?

Das Meer der Nacht
Wird immer Oberfläche bleiben.
Wir vergessen uns selber im Tiefenrausch.
Die Insel zu entdecken,
Bleibt immer nur ein Tag.
Immer wieder in die gleiche Richtung-
Was suchst du wirklich,
Da du dich zu verstecken suchst?

Insel auf Insel,
Die Archipel deines Lebens.
Du sammelst Entdeckungen
Und verweigerst dir selber das Verstehen.
Wenn das rettende Floß gezimmert ist,
Treibst du hinaus in die Nacht.
Wühlen im Strandgut der Träume
Am Ufer des Morgens…

“Zwischen Sonne und Regen”

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Den Regenbogen überspannt-
Klirrend zerbarsten die Farben am Himmel.
Das Licht, das ihn geboren hatte,
Wurde Finsternis.
Erschrocken gerann das Lächeln der Sonne
Hinter Wolkenschleiern.
Auf das Feld regneten bunte Splitter,
Der Neumond machte sie grau.
Am Morgen kam ich zu spät,
Um die Gaben zu ernten.
Alle Träume waren verwelkt.