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“Es blüht nicht überall gleich”

Dem Staunen haben wir uns endgültig verschlossen, wenn wir das Kindsein aufgeben.

Auf ausgetretenen Pfaden wächst nichts mehr. Unsichtbar schweben vielleicht ein paar Schimmelpilze zusammen mit dem Staub durch die Luft. Entlang des Weges, am Rand, blüht Vielfalt. Meist nicht unberührt, dafür fast immer ungesehen.
Wir sehen. Aber wir nehmen nicht wahr.
Wir hören. Aber wir hören nicht zu. Wir lauschen nicht, und können somit nicht verstehen.
Wir denken unsere Gefühle. Aber was empfinden wir? Was finden wir da im Inneren?
Was zeigt uns der Spiegel dessen, was uns umgibt, von dem, was in uns ist? Das wir entdecken können, wenn wir der Spiegelung zu ihrem Ursprung folgen.

Weiter geht es durch die Nacht, auf dem Weg zwischen zwei Rändern. Begnungen mit
Der Alte am Wegesrand III

“Erinnern Zweiundachtzig”

Erinnern ohne Wiederholen 82
Manchmal treten wir die Asche auf unseren Wegen fest, ohne dass wir es wollen. Ohne es zu bemerken.
Das Leben ist Entstehen in einem Glühprozess, es entwickelt sich daraus. Was nach dem Schmelzen bleibt, sind Schlacken und Asche.
Notwendigkeiten entstehen aus natürlichem Geschehen. Jeder Weg bewegt sich auf den eigenen Wendepunkt zu. Erkennt man diesen nicht, den Punkt, an dem es heißt, dem Impuls in die andere Richtung zu folgen, dann wird die Wende von Augenblick zu Augenblick nötiger: Not-wendig.
Es ist keine Vernichtung, wodurch im Voranschreiten Asche entsteht. Sie ist ein Endprodukt von allem. Von physischem Konsum, von seelischer Gegenwärtigkeit, von Denkprozessen, Emotionen- Von allem, was geschieht und dadurch vergeht. Asche ist die feine Schicht, die den Lohn allen Geschehens bedeckt. Den fruchtbaren Boden.
Auf kleiner Flamme brennen wir immer, sind immer am Glühen. Alles andere würde den Tod bedeuten, die Leblosigkeit. Erinnerungen sind nur grau, wenn wir sie nicht als Erfahrungen integrieren, wenn wir zwischen ihnen und uns den Schleier zulassen, den die Asche darüber deckt. Bei jeder Wiederkehr zu Vergangenem treten wir die Asche weiter in den Boden, stampfen sie fest. Pflastern den Weg mit interpretierter Erinnerung, statt mit Erfahrung. Die Forderung des Weges heißt, die Asche wegzublasen, am besten, sobald sie sich auf die Erinnerung zu legen beginnt.
Die Flamme reinigt. Doch das ist und bleibt nur von Dauer, wenn wir nicht zulassen, dass Asche sich auf die gereinigten Teile unsere Weges, unseres Seins legt. Je nach Intensität der Erfahrungen müssen wir dazu mal mehr, mal weniger zum mentalen Besen greifen, um die Asche aus den Winkeln und Ecken zu kehren. Wichtig ist auch hier, dass wir uns an unsere Fähigkeit dazu erinnern:

Vergiss nicht, immer wieder von den Brandrückständen die Asche wegzublasen.

“Ölpest des Zweifels”

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Die Flügel wiederentdeckt,
Die nie verloren waren:
Nur mit selbstgestutztem Gefieder
Sich dem Fliegen verweigert.

Die Ölpest des Zweifels
Hindert und verhindert uns.
Kein Fliegen-
Nicht der Gedanken, nicht des Herzens.
Nicht der Träume, nicht der Möglichkeit.

Der Sturz bringt die Gewissheit
Des Fallwinds, der ins Gesicht bläst.
Das Breiten der Flügel beweist,
Dass der Wind dich trägt.
Oder du-
Dich nicht tragen lässt.

“Angebrochen halbe Wege”

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Wo versteckt sich das Gewesensein,
Wenn jeder wieder ging?
Pfade angebrochen, halbe Wege.
Der letzte Schritt nur Möglichkeit,
Die wir vor uns her schieben,
Wie sie uns erwartet an jedem Ort.
Zu jeder Zeit.
Würde Erinnern in den Köpfen sein-
Wir könnten sie zusammenstecken
Und aus Gedanken Häuser bauen.
Was uns bleibt, ist die Erwartung,
Und das Davontragen krummer Buckel
Vom Schleppen der Landkarten der Orte,
Die wir nie gesehen haben.

“Mathematik des Wach-Wach-Komas”

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Im Wach-Wach-Koma glauben wir
Uns zu begegnen.
Träume innerhalb eines Traumes.
Wenn wir schlafen,
Sind wir dem Leben näher.
Dessen Geschenk es ist,
Uns zu geben, was wir brauchen,
Und nicht- Was wir uns wünschen.

Es hat Sehnsucht nach sich selbst
Dieses Leben.
Hast du dir je eines gewünscht,
In dem es nur um dich geht?
Schließ die Augen,
Versuche einmal: Nichts zu sehen.
Werde still und höre.
Nur einmal: Wirklich.

Nie ging es um etwas anderes
Als um dich.
Das ist einfache Mathematik
Mitten in der Poesie der Jahreszeiten.
Denn du hast nur dieses eine.
Leben.

“Essenz der Schnelligkeit IVX”

Einmal mehr aus dem Nähkästchen geplaudert, in dem im Heim der Wörtlichkeit die Tweets aneinander geflickt werden. Mal per Hand, mal mit der Maschine. Meist ohne Schnittmuster. Das ergibt sich hinterher. Oder auch nicht.

2010-03-05 07:40:02
gecko6366: Manchmal ist der Himmel ein Wolkenverhängnis.
2010-03-03 19:36:02
gecko6366: Da es mir immer noch keiner beantwortet hat, weiß es einer
meiner neuen Follower: Welches Amt eicht die Hörnchen?
2010-02-28 18:41:22
gecko6366: Pro- und Kontrabass.

Mehr davon? Dann hier klicken:

Twitteressenz IVX

Und die vorhergehend (twitter-)essentiellen Beiträge findet ihr als Unterpunkte dieser Seite.

“Erinnern Einundachtzig”

Erinnern ohne Wiederholen 81
“Welches innere Mobiliar ist überflüssig, wenn du es in Hinblick auf den Sinn deines Lebens betrachtest?”
Ein Satz, eine Frage nur aus dem Buch “Die Weisheit der Sufis“. Und jeden Morgen, mit jedem anbrechenden Tag, hat er aufs Neue seine Bedeutung und Berechtigung. Vielleicht am Abend auch. Vielleicht da noch mehr. Vielleicht an beiden Wendepunkten: Dem des morgendlichen Erwachens ebenso, wie dem des abendlichen Abschließens des vergangenen Tages.
Nehmen wir wieder ein Bild zu Hilfe. Eindruck. Eindrücke. Eine zu Beginn glatte Oberfläche vorgestellt, sind das nach innen gehende Beulen, diese Eindrücke. Was sich am Anfang klar und wahrheitsgetreu spiegeln konnte, gewinnt immer mehr Facetten. Man spricht vom Facettenreichtum. Nun sehen wir, dass Reichtum verzerrt: Die klare Sicht bricht nicht nur ent-Zwei, sondern in-Viele.
Ohne Erfahrung ist das Leben nicht, was dieser Begriff aussagt. Erfahrungen sind es, die Wissen vermitteln; durch das, was sich uns einprägt, eindrückt. So wird Wissen von der nackten intellektuellen Information zu einem verinnerlichten Teil des Menschen.
Auf Spiegeln setzt sich Staub ab, besonders in Nischen, in Falten und Vertiefungen. In unseren Eindrücken.
Wir sehen nie direkt, so wie wir nicht in die Sonne blicken können, ohne Schaden zu nehmen. Alles Sehen ist ein Spiegeln. Wie klar es ist, hängt ab von der Raumpflege und unserem sorgsamen Umgang mit dem, was eingangs als inneres Mobiliar bezeichnet wurde.
Wir müssen gehen und sammeln, Staub aufwirbeln und Staub schlucken. Und wir haben die Fähigkeit zu handeln. Inwieweit unser Blick klar ist, klar wird, hängt von uns ab. Jeden Morgen und jeden Abend. Jeden Tag den ganzen Tag. Von Anfang an, bis zum…

Erinnere dich deiner inneren Räume und daran, du kannst sie auskehren.

“Mitten ins Schwarze”

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Mitten ins Schwarze,
Ohne gezielt zu haben.
Weil man vielleicht nicht der Schütze ist
Sondern das Projektil?
Wer ist sich im Klaren,
Außer denen, die nichts hinterfragen?
Auf einmal warst du da,
Und jede Unglaublichkeit
Lächelte sich am Ende einfach fort.
Wie geht es weiter
Wenn man mitten im Schwarzen gelandet ist?
Auch wenn die Trefferquoten gering sind,
Durchschlagen wir letztlich doch unsere Ziele
Auf dem Weg zum kaum geahnten Ende.
Wir können nur schauen,
Ob wir einen Teil unseres Weges
Gemeinsam fliegen dürfen.

“Geschlossene Kreise”

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Geschlossene Kreise-
Nur da, wo sich unsere Sicht spiegelt:
In der eigenen Oberflächlichkeit.
Wo wir nur denken,
Offenbart sich nur Gedachtes.
Zwischen den Stühlen sitzen,
Erfordert Konsequenz.
Den Mut haben, weder der einen
Noch der anderen Seite
Nach dem Mund zu reden.
Auf dem Hintern landen kann auch heißen
Der Sache auf den Grund zu gehen.
Wir müssen uns nicht entscheiden.
Aber wir können wählen.
Den Unterschied kennen,
Macht den Unterschied.

“Erinnern Achtzig”

Erinnern ohne Wiederholen 80
Als erster Horizont der Mutterschoß. Vielleicht müssen wir verstehen, dass das eigentlich Unfassbare das In-die-Welt-kommen ist. Gehen müssen wir alle. Wo aber steht geschrieben, dass wir herkommen mussten?
Das Buch des Zufalls halte ich für- nicht geschrieben.
Wie ein Tropfen in einer Masse von immer Ähnlichen, aber nie Gleichen, schieben wir uns auf den nächsten Wellenkamm zu. Vom Gipfel kann der Blick nur ins Tal gehen, da, wo auch der weitere Weg zwingend hinführt. Auf und Ab. Das ist die Art und Weise, wie das Leben sich bewegt.
Alles ist Rhythmus und bewegt sich auf dadurch und darin. Sich dem Rhythmus der Welle anpassen, bringt den Tropfen am ehesten ans Ziel.
Wir sind wie Tropfen. Aber nicht auf heißem Stein. Und selbst wenn- Verdunsten, Verwehen, Kondensieren- Wir bleiben im Rhythmus, kehren dahin zurück. Von vor dem Anfang bis hinter das Ende.
Nur das Auf und Ab, das Getragensein von Wellen, hat uns in die Welt gespült. Nimmt uns irgendwann wieder mit fort. Woher? Wohin?
Pendeln zwischen diesen beiden Fragen. Wie ein Klöppel zwischen seinen beiden Totpunkten. Das ist es: Wo wir zur Ruhe erstarren, ist der Tot. Aber das Verharren ist nur kurzzeitig. So lange der Rhythmus bleibt. Das Leben treibt uns weiter in seine Arme, treibt uns sich selbst entgegen. Ob wir es dabei auch entdecken und letzlich: uns, ist eine Frage des offenen Blicks. Und auch das eine Frage des Rhythmus: Haben wir die Augen im rechten Moment offen?
Was wir für ein Ergebnis tun können, ist weder warten noch vorauseilen. Wir können uns einstimmen auf die Harmonie, die von Anfang an da war und da bleiben wird. Das Auf und Ab des jeweiligen Augenblicks.

Erinnere dich- Du kannst zum Rhythmus zurückkehren. Immer wieder.