Home › Daily Archives › 29/09/2010

“Erinnern Zweiundachtzig”

Erinnern ohne Wiederholen 82
Manchmal treten wir die Asche auf unseren Wegen fest, ohne dass wir es wollen. Ohne es zu bemerken.
Das Leben ist Entstehen in einem Glühprozess, es entwickelt sich daraus. Was nach dem Schmelzen bleibt, sind Schlacken und Asche.
Notwendigkeiten entstehen aus natürlichem Geschehen. Jeder Weg bewegt sich auf den eigenen Wendepunkt zu. Erkennt man diesen nicht, den Punkt, an dem es heißt, dem Impuls in die andere Richtung zu folgen, dann wird die Wende von Augenblick zu Augenblick nötiger: Not-wendig.
Es ist keine Vernichtung, wodurch im Voranschreiten Asche entsteht. Sie ist ein Endprodukt von allem. Von physischem Konsum, von seelischer Gegenwärtigkeit, von Denkprozessen, Emotionen- Von allem, was geschieht und dadurch vergeht. Asche ist die feine Schicht, die den Lohn allen Geschehens bedeckt. Den fruchtbaren Boden.
Auf kleiner Flamme brennen wir immer, sind immer am Glühen. Alles andere würde den Tod bedeuten, die Leblosigkeit. Erinnerungen sind nur grau, wenn wir sie nicht als Erfahrungen integrieren, wenn wir zwischen ihnen und uns den Schleier zulassen, den die Asche darüber deckt. Bei jeder Wiederkehr zu Vergangenem treten wir die Asche weiter in den Boden, stampfen sie fest. Pflastern den Weg mit interpretierter Erinnerung, statt mit Erfahrung. Die Forderung des Weges heißt, die Asche wegzublasen, am besten, sobald sie sich auf die Erinnerung zu legen beginnt.
Die Flamme reinigt. Doch das ist und bleibt nur von Dauer, wenn wir nicht zulassen, dass Asche sich auf die gereinigten Teile unsere Weges, unseres Seins legt. Je nach Intensität der Erfahrungen müssen wir dazu mal mehr, mal weniger zum mentalen Besen greifen, um die Asche aus den Winkeln und Ecken zu kehren. Wichtig ist auch hier, dass wir uns an unsere Fähigkeit dazu erinnern:

Vergiss nicht, immer wieder von den Brandrückständen die Asche wegzublasen.