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“Herbst – Mond – Spaziergang”

“Der Reiz des Lebens”

Wer stimmt die Saiten
Zwischen dir und mir
Vom Misston hin
Zur Harmonie?
Wir sind alle Laienmusiker,
Sind alles Amateure.
Darin liegt der Reiz des Lebens.
Denn Profis machen
Aus allem ein Geschäft.

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“Entlang des Weges V”

Der Weg ist auch Vor- und Rückschau. Und damit Stolperstein. Hinter einem Horizont versinken die Erinnerungen im Halbschlaf, hinter dem anderen träumen die Möglichkeiten. Wir tanzen unsere Tage auf des Messers Schneide zwischen verschiedenen Wachzuständen. Nur die Tiefe des Schlafs macht den Unterschied.
Doch das Jetzt ist immer auch Ausblick des Gewesenen, kein Kettenglied schwebt als Ring allein im Nichts. Heute ist die Erinnerung von Morgen. Die Verkettung ist keine Schnur, sondern ein Teppich. Wir stellen ihn uns ausgebreitet vor, doch das ist er immer nur ein Stück. Aufgerollt wie in einem Antiken Pergament stecken wir mitten zwischen den Zeilen. Unsere auf die Reise geschickten Träume durchdringen die Dimensionen der Zeit schneller, als wir unseren Körper bewegen können.
Der Geist wird uns nicht folgen, wenn wir ihn nicht vorausschicken.

Auch “Am Wegesrand” gibt es ein Davor und Danach, ein Verwobensein, in das man sich einhüllen kann.
Zwischen diesen Zeilen geht es weiter mit dem Alten am Wegesrand V.

“Scherenschnitte”

Das Rascheln in der Flüchtigkeit der Tage
Bleibt hinter uns zurück.
Wie die Spur im Kielwasser.
Wo Erinnerungen aufschäumen
Und verebben.
Dauerhaftigkeit ist da,
Wo Moment und Ich einander berühren.
Alles andere sind nur Scherenschnitte.
Die Andeutungen von Kulissen
Halten wir für die Welt.
Und einem Lächeln glauben wir nicht,
Der Schritt ins Licht zu sein.

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“Erinnern Fünfundachtzig”

Erinnern ohne Wiederholen 85
Ist es dem Licht egal, ob es in einer Träne glitzert oder in einem Tautropfen?
Wer die Welt für unbeseelt hält, ist es selber. Der Spiegel zeigt nur das eigene Zerrbild.
Im Nebel liegen die Macht des Unsichtbaren und die Schönheit des Schweigens. Jedes Tröpfchen ist eine Welt, die sich bei der Wanderung in unseren Haaren niederlässt. Und auf der Haut, wo sie hinabrinnt. Spuren hinterlässt auf einer Oberfläche, ohne die es keinen Inhalt geben würde. Keine Tiefe.
Unser Wesen ist Nebel. Ohne Schleier wären wir nackt. Wie weit wir uns auch öffnen, ein Rest bleibt geschützt im Verborgenen. Die Sonne löst das Geheimnis des Nebels auf, sehen wir ihr aber direkt ins Gesicht, macht sie uns blind.
Ist Schönheit nur das Locken der Erscheinung? Oder ist sie das im Innen fühlbare Wesen?
Wer sagt dir, was Schönheit ist?
Über die Normen der Allgemeinverbindlichkeit hinaus. Allgemein ist, was nicht besonders ist. Normen sind, worauf man sich geeinigt hat. Danach wird nicht mehr gefragt. Wenn man nicht als Außenseiter gelten will.
Sollte man dazugehören wollen?
Ist Macht die äußerlich sichtbare Wirkung von Willen? Oder das innere Bezwingen eben dieses Willens?
Wer siegt, hat zuerst sich selbst besiegt. Dann braucht er den Sieg über andere nicht mehr.
Ist es wirklich ein Gewinn, wenn auf der anderen Seite einer verlieren muss?
Macht und Schönheit gehören zum sich selbsterhaltenden Spiel des Lebens, wie all seine anderen Aspekte auch. Hinter, neben, über dem, was wir sehen, gibt es die Wirklichkeit.
Sie ist meist still wie Gesang im Nebel und wirft dich auf dich selbst zurück. Ebenso wie wahre Macht und Schönheit.
Was wir definieren, sind Äußerlichkeiten. Unsere Beschreibungen von Irgendetwas, grenzen es ein.
Wo nur das stumme Staunen bleibt, sind wir uns selbst am Nächsten.

Erinnere dich der Macht und Schönheit des Lebens!

“Am Morgen”

Wieder aus der Traumhaft entlassen.
Wen interessiert schon,
Dass man manchmal bleiben möchte.
Delinquent hinter Gitterstäben
Der eigenen Illusionen.
Verurteilt zum Tod durch das Leben.
Die Wärter rasseln mit den Schlüsseln
Nur zu den eigenen Zellen.
Niemand kommt, um dich zu holen.
Niemand wird dir etwas bringen.
In deiner Zelle stecken
Die Schlüssel von innen.

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“Laut gedacht”

Im Gedankenfilz gewühlt
Irgendwann hört das Wachsen auf. Die Zeit der Reife folgt. Das Äußere hat seine Form erhalten, einem geheimnisvollen Entwurf folgend, an dessen Grenzen wir stoßen. Einen weitaus größeren Entwurf gilt es auszufüllen, um dort an Größe zu gewinnen, wo es nicht sichtbar ist.
Wie kann der innere Entwurf nur um so vieles größer sein, als die äußere Hülle ihn umgibt?
Wo wir ein Geheimnis nicht gelöst haben, glauben wir, an Grenzen zu stoßen.
Wer glaubt, alles erklären zu können, ist meistens nur am Deuten. Keinen Deut schert sich die Wahrheit darum. Sie wird nicht mehr, wenn wir sie bejahen, verschwindet nicht, wenn wir an ihr zweifeln.
Mehrung und Minderung finden im Innern statt. Der große Haufen ist ebenso relativ, wie die Lücke. Ebenso die Frage nach dem Mut, den wir zu ihr brauchen: Eingestehen, dass etwas nicht ist. Egal, ob generell nicht, oder einfach nur nicht so, wie wir es gerne hätten.
Wir halten “niedere Triebe” für höhere Funktionen des Materials. Wir halten uns zum Narren. Konstruktionen sind ausgeführte Ideen, nicht umgekehrt.
Um zu sagen, dass es nichts zu sagen gibt, braucht man nur zu schweigen.
Wenn man Träume wirklich werden lassen will, darf man nicht aufhören zu träumen.
Wenn wir in Beziehungen nicht miteinander reagieren, haben wir keine. Interaktionen verändern alle Ausgangsgrößen.

Auge in Auge mit dem Bildschirm. Zwinkert mir der Cursor zu?
Selbst das Schreiben dieser Zeilen für mich allein, ist keine Nicht-Veränderung. Woher hätte ich vor fünf Minuten wissen können, was da in mir vorgeht? Woher wollen wir wissen, wie wir aussehen, bevor wir in den Spiegel geschaut haben?
Und- Wenn wir wissen, was im Augenblick war, lässt das nur vage Vermutungen zu darüber, was hätte sein können. Was noch sein wird.

Wir wühlen weiter im Gedankenfilz. Auf der Suche nach Gefühlen.

“Antworte!”

Antworte!
Wir rufen es der Frage hinterher,
Wollen nicht begreifen,
Dass das Schweigen des Anderen
Auch Antwort sein kann.
In unserer Oberflächlichkeit
Schlagen wir aufs Wasser,
Berauschen uns am Plätschern,
Das wir selber erzeugen.
Die Sonne bricht sich in den Wellenkreisen,
Aber sie tanzt nicht.
Unsere Annahmen von der Welt
Halten wir für Bewegung.
Während das Bewegende
An uns vorbei zieht.
Wie die Antwort, der wir uns verschlossen haben.

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“Mal wieder: Grundrauschen”

Irgendwas bleibt. Beim Twittern, beim Posten der Zeichen in die Timeline, beim Lesen der Tweets derer, denen man folgt. Mit dem Begriff aus der Tontechnik lässt es sich manchmal am besten vergleichen. Irgendwas rauscht da, sind wir überhaupt online? Nein, nicht die Technik ist gemeint, wir sehen schließlich, dass die Anzeigen blinken und das Display lebt. Aber wir selber, sind wir on?
Längst funktionieren wir auch in einem Standby-Modus, in dem nicht alle Komponenten der Hard- und Software einen Leistungsausschlag oberhalb der Nulllinie haben.
Es twittert sich so vor sich hin.
Wofür es der Eine und/oder die Andere auch nutzen mag, zum Chatten, zum Links posten, Selbstdarstellung, Lexikon, Aufmerksammachen- All diese Komponenten sind Bestandteile, die im Schmelztiegel Social Network verschmolzen, geglüht, destilliert werden.
Ob das, was bleibt, wirklich Essenz ist, das Wesentliche, wer kann das beurteilen?
Erinnert man sich noch, was man vor einem Monat, einer Woche, was man gestern getwittert hat? Was man gelesen hat?
Tweets sind flüchtig. Was bleibt, ist das Grundrauschen.

Heute aus dem März dieses Jahres: Twitteressenz XV.

Die vorhergehenden “Episoden” (twitter-)essentieller Beiträge findet ihr als Unterpunkte dieser Seite.

“Zurück zu dir selber”

Man begrüßt sich-
Für den Abschied.
Das Weitergehen ist gewiss,
Während Wiederkommen eine Frage bleibt.
Und treffen wir uns wieder,
Haben wir vergessen,
Dass dies die Antwort ist.
Im Begegnen liegt der Sinn.
Darum ist Trennung nur dann Leben,
Wenn sie dich zurück bringt.
Zu dir selber.

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