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Erinnern ohne Wiederholen 94
Entlang getastet an den schlingernden Begrenzungen unseres Weges wissen wir: Es gibt einen Punkt, in dem sich ein Sinn konzentriert. Gleichgewichtssinn. Stabilität und Ausgleich kommen von innen. Und spätestens seit dem die asiatische Kultur in allen denkbaren Formen bei uns Einzug gehalten hat, wissen wir auch, dass der Schwerpunkt unterhalb des Nabels verankert sein soll. Wie bei einem Schiff: Nicht zu weit oben, nicht zu weit unten. Das Zauberwort heißt- austariert.
Damit wir unsere Fahrt durch den Ozean des Lebens aufnehmen und fortsetzen können, ohne Gefahr zu laufen, dass wir kentern.
Die Punkte von Stabilität und Führung liegen im Innern. Immer. Auch wenn die Kompassnadel nach Norden zeigt, die Karte das Gebiet markiert, das andere vor uns entdeckten. Im Außen lässt sich nichts erreichen, was nicht im tiefsten Innen verankert ist.
Der Ausgleich bewegt sich dazwischen.
Während der Ausguck am Top des höchsten Mastes Ausschau hält nach Hindernissen oder Entdeckungen, zurückblickt auf den versinkenden Horizont, ob das Kielwasser frei ist von Verfolgung, während die Ballast in der Bilge den Schiffsrumpf trimmt, liegt dazwischen die Stelle, an der gesteuert wird.
Zwischen Kopf und Nabel liegt das Herz.
Die Natur des Kapitäns liegt im Navigieren. Positionsbestimmung, Erfassen der Zielkoordinaten und das Festlegen der Route zum Ziel sind weniger Handwerk, als Kunst. Wer weiß, ob wir nicht viel mehr von der Weisheit seines Weges in Erfahrung bringen könnten für uns, wenn wir nicht beständig halbherzig meutern würden. Mit dem Verstand, der uns den Kopf zerbricht und dem hypochondrischen Magendrücken eines Körpers, dem wir immer konsequenter beizubringen versuchen, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Lebensmittel und Füllstoff.
Die Schaltzentrale Herz ist keine herrschsüchtige Einrichtung, sondern ein Schnittpunkt der Integration. Wahres Führen heißt Dienen.
Was die innere Stimme uns anbietet, ist Service. Innere Dienstleistung. Aber wie sollten wir das erkennen oder sogar zu würdigen wissen? Ausdruck des Verhältnisses der Menschen zur Dienstleistung ist doch gerade die geringe Wertschätzung dieser Arbeit im Außen. Überall wird danach geschrien, und keiner will dafür bezahlen.
Dafür müssen wir immer mehr draufzahlen: Oft machen es die Leute nur noch aus der Not heraus.
Lebenserhaltende Maßnahmen.
Das Herz schlägt weiter. Der Ewige Kapitän spricht.
Lass sie reden!
Wir sehen doch vom Ausguck, wo die Sonne scheint, und da sie scheinbar meistens nicht scheint, können wir von da doch viel hörbarer unserem Unmut freien Lauf lassen.
Meinung haben und herausschreien. Das ist Freiheit.
Und in den Stauraum über dem Kiel gehört Masse. Je mehr, desto besser. Lieber haben als brauchen, und wenn ich träger erscheine als mein Gegenüber, lässt sich jederzeit damit punkten, dass ich schließlich MEHR habe.
Das Leben funktioniert. Obwohl es weniger Funktion ist, als etwas Wunderbares.
Geht es wirklich ohne Führung, ob direkt oder indirekt?