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Erinnern ohne Wiederholen 98

Statt einem Signal voraus, nur dichte Dunkelheit?
Auf der Suche halten wir Ausschau nach Wegmarken. Wir kommen als Neulinge, was den Pfad begehbar gemacht hat, können wir also nicht selber sein. Nicht in dieser Existenz. Fußstapfen, denen wir folgen, werden uns aber nie passen. Unseren Weg finden wir nur, wenn wir neben der Spur sind. Neben den Spuren, die Fremde uns vorzugeben beabsichtigen.
Ich höre am besten, wenn ich mich der Stille zuwende. Der Stille in mir. Am schärfsten sehe ich, wenn ich eine Weile die Dunkelheit hinter meinen geschlossenen Augen beobachtet habe, und dann die Lider wieder öffne.
Oft bin ich am wenigsten allein, wenn niemand weiter da ist.
Ich meditiere. Keine Ahnung, was das bedeutet. Sich in die Mitte bringen, und die Mitte eines jeden Menschen gibt es genau so oft: Ein Mal!
Einzigartigkeit lässt sich auch nicht verMitteln, indem man sie beschreibt. Worte sind wie Staub auf dem Spiegel, in dem wir klar sehen könnten. Wenn wir ihn durch unsere Versuche, ihn mit Informationen zu polieren, nicht immer trüber machen würden.

Hildegard von Bingen prägte den Begriff viriditas (…was sich, aus dem Lateinischen übersetzt, in etwa als grünende Kraft wiedergeben lässt. …)*
Sie hatte die Vision einer beständig alles nährenden Schöpferkraft, die das Universum nicht nur zum Leben erweckt hatte, sondern ihm auch seinen Bestand garantierte. Als würde das Kind Schöpfung ewig an einer nährenden Brust Hunger und Durst stillen können.
Wie passen wir da hinein und unsere Suche? Ist diese Suche wirklich der Wunsch zu finden oder nur Flucht vor der Unerträglichkeit? Was immer sich für den Einzelnen in jedem Augenblick auch dahinter verbergen mag.
Suche ist, erkennen wollen. Es braucht das Licht, um zu entdecken. Bis wir uns dessen bewusst werden, ist es immer relative Dunkelheit, die uns umgibt.

Welche Pfade wirst du gehen? Legst du deine eigenen Spuren? Hast du Licht in dir, dem du folgen kannst, oder brauchst du fremde Quellen, die dich führen. Wohin gelangst du durch sie, da sie doch niemals- DU sein können?
Vertraust du dem Licht des Leuchtturms oder dem des Mondes?
Ziehen dich die wechselnden Zyklen des Lebendigen an oder treibt dich die Begrenztheit von Regeln?

Fragen beantworten, heißt auch Finden: Antworten.

Der Weg ist erleuchtet, wie der Name, der Herzweg al-Rashid, bereits weiß. Wir können ihm folgen und wer weiß, ob das Licht nicht auf uns wartet? Denn, ihm hinterherlaufen, was macht das für einen Sinn? Der Mensch kennt keine Technologie, die sein Fortkommen auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen könnte.

*aus N. Douglas-Klotz “Die Weisheit der Sufis” S. 342

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