Ketzer, der ich bin, glaube ich natürlich einmal mehr das Gegenteil von dem, was ich tue. Ich setze mich auf die Lesebühne und mache, wozu ich kam, glaube aber, dass das Wichtigste nicht das Lesen ist. Sondern das Lauschen.
Was wäre die Veranstaltung ohne Zuhörer? Ist das Unerhörte überhaupt jemals gesagt worden?
Dann geht es los.
Und ich habe das Gefühl, nicht gehört zu werden. Nicht, weil niemand lauscht, sondern weil ich nicht zu verstehen bin. Die Geräuschkulisse im Café Anton Hannes ist so hoch, wie ich sie noch nie erlebt habe. Das Publikum seinerseits ist schon gespannt, lauschbereit und -willig. Es sind Gäste in einem anderen Bereich des Lokals, die den Pegel in die Höhe treiben. Während meiner ungelesenen, einleitenden Worte zum Buch und der Geschichte, die ich anlesen werde, ist mir das nicht in dem Maß aufgefallen. Geht es darum, einem Text, den man vor sich hat, Lautform zu geben, ist das von einer Sekunde zur anderen eine andere Dimension. Gegen Umgebungsgeräusche anzulesen ist, als würde man ein Lied ohne Melodie singen. Die Konzentration schwindet, weil ich parallel zum Lesen überlege, ob ich abbreche. Und ebenso gehen mir die Konsequenzen durch den Kopf. Die Kamera läuft, es gibt einen Zeitplan, der nicht mehr so großzügig gehandhabt werden kann, wie anfangs gedacht: Aus der leichten Wehmut über nur wenige Anmeldungen zum Lesen, ist die Freude geworden, dass kurzfristig eine komplette Leseliste zustande kam. Auch über die Anzahl der Lauscher können wir uns nicht beklagen.
Doch schließlich gelingt es jemandem, die störenden Stimmen zum Schweigen zu bringen. Zumindest sind sie nicht mehr so laut, wie zuvor. Mein Dank an dieser Stelle an diejenige/denjenigen, die/der für Erlösung sorgte!
Wie sich mein Lesepart an diesem Abend über mehr als zwölf Minuten erstreckte, zeigt der folgende Mitschnitt.
Ein wenig kürzer als von mir geplant, sind die Lauscher gekommen. Deshalb gibt es hier per Audio eine kleine Ergänzung zum Text, die ganz in Ruhe genossen werden kann. Es ist nicht der komplette Rest der Geschichte, sondern zum Auffüllen das Stück, das ich gern noch gelesen hätte.
Viel Spaß damit!
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“Wenn du selber gut schreiben willst, lies Leute, die einen guten Stil haben”, sagte mein Cousin zu mir. “Lies Jack London, der hat einen hervorragenden Stil!”
… uns denkbar leicht gemacht.

Vielleicht greifen wir manchmal voraus. Als wäre die Zukunft ein Gefäß voller Ahnungen, das uns hin und wieder gestattet, unter den Deckel zu schauen. Manchmal dürfen wir sogar darunter fassen und erwischen etwas. Einen Zipfel Vorausschau, der uns sofort wieder entgleitet. Denn die Zeit zwingt uns, dem Weg nach ihrem Muster zu folgen. Was bleibt ist das Gefühl in der Handfläche, etwas berührt zu haben. Dann taucht alles ein in den See, in dem unser Bewusstsein ruht.