Home › Monthly Archives › Juli 2011

Lesebühne Leipzig(er) Allerlei

Ketzer, der ich bin, glaube ich natürlich einmal mehr das Gegenteil von dem, was ich tue. Ich setze mich auf die Lesebühne und mache, wozu ich kam, glaube aber, dass das Wichtigste nicht das Lesen ist. Sondern das Lauschen.
Was wäre die Veranstaltung ohne Zuhörer? Ist das Unerhörte überhaupt jemals gesagt worden?
Dann geht es los.
Und ich habe das Gefühl, nicht gehört zu werden. Nicht, weil niemand lauscht, sondern weil ich nicht zu verstehen bin. Die Geräuschkulisse im Café Anton Hannes ist so hoch, wie ich sie noch nie erlebt habe. Das Publikum seinerseits ist schon gespannt, lauschbereit und -willig. Es sind Gäste in einem anderen Bereich des Lokals, die den Pegel in die Höhe treiben. Während meiner ungelesenen, einleitenden Worte zum Buch und der Geschichte, die ich anlesen werde, ist mir das nicht in dem Maß aufgefallen. Geht es darum, einem Text, den man vor sich hat, Lautform zu geben, ist das von einer Sekunde zur anderen eine andere Dimension. Gegen Umgebungsgeräusche anzulesen ist, als würde man ein Lied ohne Melodie singen. Die Konzentration schwindet, weil ich parallel zum Lesen überlege, ob ich abbreche. Und ebenso gehen mir die Konsequenzen durch den Kopf. Die Kamera läuft, es gibt einen Zeitplan, der nicht mehr so großzügig gehandhabt werden kann, wie anfangs gedacht: Aus der leichten Wehmut über nur wenige Anmeldungen zum Lesen, ist die Freude geworden, dass kurzfristig eine komplette Leseliste zustande kam. Auch über die Anzahl der Lauscher können wir uns nicht beklagen.
Doch schließlich gelingt es jemandem, die störenden Stimmen zum Schweigen zu bringen. Zumindest sind sie nicht mehr so laut, wie zuvor. Mein Dank an dieser Stelle an diejenige/denjenigen, die/der für Erlösung sorgte!
Wie sich mein Lesepart an diesem Abend über mehr als zwölf Minuten erstreckte, zeigt der folgende Mitschnitt.

Ein wenig kürzer als von mir geplant, sind die Lauscher gekommen. Deshalb gibt es hier per Audio eine kleine Ergänzung zum Text, die ganz in Ruhe genossen werden kann. Es ist nicht der komplette Rest der Geschichte, sondern zum Auffüllen das Stück, das ich gern noch gelesen hätte.
Viel Spaß damit!

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

[Zur Quelle: Bild klicken!]

Blut-Hirn-Schranke. Überwinden!

Was klare Köpfe trübe macht,
Ist das, was man hineinstopft.
Herzblut könnte.
Den Verstand reinwaschen.

Herz-Carpaccio

Ich richte meine Worte an.
Nicht
Auf einem silbernen Tablett.
Sie kommen direkt
Aus dem Mund
Der sie spricht.
Aus der Hand
Die sie schreibt.

Herz-Carpaccio.
Feine Tranchen von Sinn und Gefühl
Sind mehr als eine Mahlzeit.
Sie sind Nahrung.
Für den, der sie nimmt ebenso
Wie für den, der sie teilt.

Wer nicht den Mut hat,
Mit seinen Worten
Tranchen seines Herzens zu geben,
Der kann sicher besser
Schweigen.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Faszination Wort – Jack London

“Wenn du selber gut schreiben willst, lies Leute, die einen guten Stil haben”, sagte mein Cousin zu mir. “Lies Jack London, der hat einen hervorragenden Stil!”
Das ist inzwischen mehr als dreißig Jahre her. Wahr bleibt es trotzdem, bis heute. In der Folge habe ich Mr. London verschlungen. Immer wieder. Immer mal wieder.
Es wird Zeit, ihm Raum und Stimme zu geben in dieser Sparte. Zumal das Buch von ihm, das ich ausgesucht habe, hervorragend passt zu einer anderen Rubrik in diesem Blog, den Thesen am Tresen.
Hier eine Hörprobe aus “John Barleycorn oder der Alkohol”

 

 

 

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Hast du – Töne?

Die höchsten Töne
Sind der Gipfel der Schwingung.
Aber schau!
Auf welche Talsohle
Gründet sich der Aufstieg?
Gibt es keinen Inhalt auf dem Weg,
Den du gehst,
Bricht zuerst die höchste Amplitude
Zusammen.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Thesen am Tresen – Aller Anfang wird…

… uns denkbar leicht gemacht.
Der Weg zum Tresen ist eine Straße, die uns geebnet ist, bevor wir überhaupt wissen, dass es sie gibt und was an ihrem Rand auf uns wartet. Noch während uns der Sinn nach nur einer Nahrung steht, der Muttermilch, ist die Milch des Tresens allgegenwärtig. Das ist einfach – Tatsache.

Lieber spät als nie – gephloggt

Nacht unter der Haut

Die Nacht wirft ihre Schatten
In den Morgen
Und in den Abend.
Lässt den Tag nicht los
Und fängt ihn wieder ein.
Ist Wachsein – eine Illusion?

Im Dunkeln
Können wir uns besser fühlen.
Sehen heißt nicht: Verstehen.
Unsere Blicke prallen ab
Von Oberflächlichkeiten.

Was unter die Haut geht,
Ist still.
Wie Samt,
In dessen himmelweitem Wurf
Die Sterne funkelnd Wege weisen.
Nur
In der Nacht.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Voting – Es geht los!

“Fang das Licht!” ist mit dabei:
Mein Buch ist nominiert für den Wettbewerb ~derneuebuchpreis.de~, dessen GewinnerIn auf der Buchmesse Frankfurt ausgezeichnet werden wird.
Hier findet ihr den Blick ins Buch:

Wer noch mehr sehen möchte, kann sich gern den Auszug zum Wettbewerbsbeitrag anschauen.

Die Abstimmung läuft von heute, 27.07.2011, 12.00 Uhr bis zum 7. September. Seine Stimme gibt man dem Buch ganz einfach durch einen Klick auf den Facebook-Gefällt-mir-Button auf dieser Seite:

Für “Fang das Licht!” voten.

Und nun – braucht das Buch euch. Eure Klicks. Um eine faire Chance zu haben in diesem Wettbewerb.
Vielen Dank für Eure Unterstützung!

NACHTRAG – BITTE LESEN!

WAS MIR WIRKLICH SAUER AUFSTÖSST: NUR WER EINEN FACEBOOK-ACCOUNT HAT, KANN MITMACHEN:
Für alle anderen poppt beim Klick auf den Button ein Fenster auf mit der Aufforderung, sich auf Facebook zu registrieren. :-(
Ja, mit Sicherheit hat das von Anfang an im Punkt 7. der Teilnahmebedingungen gestanden. Und ja, mit Sicherheit habe ich es überlesen. Wäre das nicht so, wäre das Buch vielleicht gar nicht erst nominiert worden.
Nicht nur, dass die hochkarätige Jury es sich leicht macht, indem durch Voting ermittelt wird, wer denn nun zu küren ist, die Beurteilung der Veröffentlichungen hinsichtlich ihrer Tauglichkeit als Literatur wird nun noch einmal fragwürdiger. Das Ergebnis repräsentiert nicht den Querschnitt an Auffassung der Internetcommunity, sondern den der Facebook-Nutzer. Was letzten Endes in die Endrunde zur Bewertung gelangt, wird nach dem Gesetz der großen Zahl höchstwahrscheinlich das Werk einer(s) AutorIn sein, der/die am meisten mit einem Pfund wuchern konnte: Viele “Freundschaften” auf Facebook.

Ich überlege, die Nominierung von “Fang das Licht!” unter diesen Umständen zurückzuziehen, bevor es richtig losging.
Was meint ihr? 

Erinnern ohne Wiederholen 99

Vielleicht greifen wir manchmal voraus. Als wäre die Zukunft ein Gefäß voller Ahnungen, das uns hin und wieder gestattet, unter den Deckel zu schauen. Manchmal dürfen wir sogar darunter fassen und erwischen etwas. Einen Zipfel Vorausschau, der uns sofort wieder entgleitet. Denn die Zeit zwingt uns, dem Weg nach ihrem Muster zu folgen. Was bleibt ist das Gefühl in der Handfläche, etwas berührt zu haben. Dann taucht alles ein in den See, in dem unser Bewusstsein ruht.
Unter der Oberfläche warten Inseln der Erinnerung darauf, wiedergeboren zu werden. Gelegentlich treffen wir in der Gegenwart auf alte Bekannte. Auf die Erinnerungen an Ahnungen. Wir wissen nichts, “es ist nur so ein Gefühl”, das wir Déjà vu nennen mögen. Aber die Handfläche, in der wir den Zipfel der Zukunft für einen Moment gespürt hatten, kribbelt auf einmal. Einfach so.

Als ich vor diesem letzten der 99 Artikel zu den Herzwegen und Meditationen einen Start-Boo für die neue Serie der Erinnerungen gesprochen habe, hatte ich das Kapitel zum Thema im Buch “Die Weisheit der Sufis” noch nicht gelesen. Und dann – erwischte mich der Zipfel. Die Ahnung, dass es nicht zu Ende ist, wenn man den Weg einmal vollständig ging, auch nicht nach dem zweiten oder dritten Mal, hatte aus den folgenden Tagen zurückgegriffen in mein damaliges Heute. Hatte mich sagen lassen, dass ich den Kreis offen lassen möchte, um der Spirale der Entwicklung weiter zu folgen.
Das meditiert auch der Herzweg As-Sabur, der letzte der 99.

Im Universum gibt es genug Zeit.
Unendlichkeit und Grenzenlosigkeit gehören zu den Konzepten, die der Verstand nicht erfassen kann. Was hinter dem Horizont liegt, entzieht sich allein durch die Tatsache seiner fernen Existenz unserem Verständnis. Der Verstand kann und will auch nicht begreifen, dass das Ende eines Weges der Anfang eines neuen ist. Er will ankommen. Endlich. Dabei kennt er doch keinen Stillstand, ist ständig am Schnattern. Ihm würde es jedoch genügen, ständig das Gleiche zu wiederholen. Das Leben aber fordert die Entwicklung ein, aus der es bestehht, fordert sie ein, um bestehen zu können.
Um sich zu entwickeln, muss es bewahren. Um zu bewahren, muss es sich entwickeln.
Das Licht, das du getankt hast, musst durch ein komplexes System von Filtern und kaleidoskopartigen Verstärkern und Wandlern. Mag sein, dass es schon nach außen drängt. Dort verliert es sich aber in der Unendlichkeit, wenn die Zeit nicht reif ist. Die Zeit wird einen Spiegel bringen, in dem du dein Licht reflektieren kannst. Um dich zu erkennen. Und den Rest der Welt.
Noch einmal, damit der Kreis sich schließt und die Spirale offen bleibt: Im Universum gibt es genug Zeit. Aber nicht für die Ungeduld.

Und auch, wenn es nicht darum geht, das Gleiche immer zu wiederholen, geht es doch um nichts Geringeres als Ausdauer.