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Geschichten, die Geschichte haben

Am Samstag habe ich auf der Lesebühne Leipzig (LeBüLei) darüber erzählt, wie es dazu kam, dass meine “Haftnotizen” als eBook im Amazon Kindle Shop erschienen sind. Wer nicht dabei sein konnte oder es noch nicht gesehen hat, für euch gibt es am Ende des Artikels das Video dazu.

Eine Geschichte kann also durchaus Geschichte haben. Hat sie meist auch. Der Weg zur Idee und von dort zur Ausführung sind die Etappen. Beschwerlich, lustig, holprig, anregend, traurig oder beschwingt – Alles, was es im Leben gibt, kann zur Idee werden oder den Impuls geben, etwas sagen zu müssen. Etwas los werden.

 

Bei der Geschichte, die ich gerade zur Veröffentlichung vorbereite, ist es ebenso. “Die Schneeballblüte” handelt von einem Abschied, der sich über nahezu drei Jahrzehnte hingezogen hat. So lange hat es gedauert, bis ich hinter dem offensichtlichen Verlust die leise Stimme vernahm.
War sie immer da gewesen? War ich nur nicht in der Lage gewesen, sie zu hören? Hatte ich sie nicht hören wollen?
Die Stimme, die sagt: “Fang an!”
Wie schwer ist es doch, festzustellen, was einmal war. Was einmal wirklich gewesen ist von dem, woran wir uns erinnern. Aus dem Wunsch nach Erinnerung werden die Geschichten, die dann – eine Geschichte werden.


Ich trage keine Uhr mehr, seit ich lernte, sie richtig zu lesen. Wenn man das kann, braucht man sie nicht mehr.
Entfernungsmesser schneiden Stücken aus der Endlosigkeit unserer Wege, Zeitmesser zerhacken die Ewigkeit, die uns erwartet. Weder das Eine noch das Andere ist von Nutzen, da die Thesen zwar funktionieren, länger als einen Meter weit oder einen Augenblick lang aber nicht haltbar sind.
Hier ist es angebracht ohne Uhr. Was will man damit an einem Ort, an dem es keine Zeit mehr gibt?
Die Tanne will nicht auftauchen, die mein Ziel markiert.
Ein blechernes Scheppern reißt mich aus meinen Gedanken. Der Gang neben mir liegt im Zwielicht, und darin folgt die Stille dem Geräusch, als hätte es nur in meiner Einbildung das Zerreißen des Schweigens gegeben. Ich stehe so still wie mein Atem, der in meiner Brust verharrt und wartet, dass das Herz sich beruhigt und er wieder hinaus darf.
Nichts als die Kulisse des Ortes; und die Dunkelheit, die weiter zugenommenen hat, die vom Rand einer mit Bäumen umsäumten Fläche zu mir zu kriechen scheint. Eine Nebelbank aus Schatten, die wie zerlaufende Tinte über das Feld der Vergänglichkeit kriechen. Um die Rillen und Furchen in der Erde zu füllen, sie dem Boden gleichzumachen, und dann aufzusteigen. Wie Nebel, der auf dunklen Wassern schwebt, um ein Schiff zu geleiten.

“Die Schneeballblüte” erscheint im September als Auszug aus dem Prosaband “Fang das Licht!” in der Amazon Kindle Edition.

Hier das Video von der Lesebühne Leipzig (LeBüLei) – Ausgabe August 2011.

Natürlich gab es auch einen “Hauptakt”! Den findet ihr hier.

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