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Messers Schneide

fabUliert

Das Jetzt balanciert nicht darauf – Es ist des Messers Schneide.
In der Klinge der Zeit schimmert auf der einen Seite der Mond des Vergangenen, auf der anderen die Sonne des Künftigen.
Der dünnste Stahl trennt am schärfsten: Je schmaler der Grat der Illusion, von dem aus wir die Wirklichkeit betrachten, desto einschneidender die Erfahrungen.
Das wirkliche Jetzt, das, was in diesem Moment schon wieder Vergangenheit ist, indem ich davon schreibe, lässt sich nicht fassen. Die Klinge ist so scharf, das sie durch unser Sein gleitet, ohne eine sichtbare Wunde zu hinterlassen. Sie graviert Spuren. Ihrer Natur nach sind das Erscheinungen, die man erst bemerkt, wenn sie hervorgetreten sind. Spuren folgen dem, der sie hinterließ.
Das Jetzt ist Schneide zwischen davor und danach. An ihr wird fortlaufend Vergangenheit von Gegenwart getrennt, an ihr werden die Zeiten verbunden. Wie bei einer heißen Klinge, die im Frost durch Eis schneidet. Sie dringt ein und verdampft die Zukunft, der Augenblick ist nur eine schmale, flüchtige Fahrrinne, die als Vergangenheit sofort wieder gefriert hinter dem, was gerade geschah.
Wenn wir auf der Flucht sind, rutschen wir aus auf dem Eis.
Ertrinken können wir nur im Jetzt, nur hier gibt es die Wasserscheide, in die man forttauchen kann aus der Vergänglichkeit.
Wir bleiben für immer, wie wir waren, als wir gingen.
Aber dann hat jede Bewegung aufgehört.
Flucht aus der Fahrrinne ist immer Illusion. Der Verstand hängt fest in Eiswüsten oder verdampft seine Energie, indem er sich vorstellt, wie es wäre, wenn die Zukunft schon jetzt – wäre. Er schleppt entweder Packeis hinter sich her oder vertreibt den Dampf direkt vor sich. Den Nebel werden wir nie durchdringen können.

Messerscheide zwischen zwei Monaten. Was mag die Zeit es interessieren, wie wir sie eingeteilt haben? Was war mit ihr, bevor der Mensch kam, einen Stock in die Erde steckte und zum Schatten sagte: So wie du wanderst, das ist das Vergehen der Zeit. Hat es den Schatten jemals interessiert?
Bewegt es den Oktober, dass er gestern noch September zu sein hatte?
Was interessiert es den Sommer, dass wir ihn schon lange Herbst nennen? Er tobt sich aus mit seinen alten Weibern und verschönt uns damit den Ausklang einer Jahreszeit, die viel zu wünschen übrig ließ in diesem Jahr von dem, was wir ihr zugetraut haben. Ausgleich? Findet immer statt. Macht für uns aber nur Sinn, wenn wir das auch so akzeptieren.

Was immer ihr – Feiert, was gerade ist!
Ob, was war, wahr war, wer weiß das schon genau, wenn die Schatten länger geworden sind? Und ob sein wird, was wir uns wünschen – Schaut einfach hin…

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