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Mein elftes Jahr …

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… in der Stadt. Aber DIESE aktuelle Türgestaltung an der Oper ist mir bisher noch nicht aufgefallen. So ist das mit unserer Wahrnehmung und damit, wie wir sie nutzen, um unser Umfeld zu entdecken. Oder auch nicht.
Dabei habe ich schon gut aufgeholt, in der ersten Hälfte meines etwas länger als ein Jahrzehnt dauernden Aufenthalts hier waren Besuche in der Stadt (Ich wohnte damals schon in der City!) nämlich eher die Seltenheit. Morgens ins Auto, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, Abends aus dem Auto wieder raus, wenn man endlich einen Parkplatz gefunden hatte, um dann, meist so gar nicht rechtzeitig, wieder nach Hause zu kommen. Freie Tage dienen in solchen Phasen nur zum Teil der Regeneration von Körper und Geist, als vielmehr dem Fitmachen von Haushalt und Wäsche und dem Auffüllen des Kühlschranks.
Urlaub verbinden wir oft mit dem Wunsch, so weit wie möglich fortzukommen von der Stätte des täglichen (Arbeits-)Einerleis, also sind Fernreisen das Mittel der Wahl. Als ob durch den äußeren auch der innere Abstand schneller und besser gefunden werden könnte.
Was auf der Strecke bleibt, ist meist und immer wieder das Naheliegende.
In den letzten Jahren habe ich konsequent mein berufliches Umfeld geändert, habe das Auto abgeschafft und durch die Wiederentdeckung meiner Füße auch so etwas gefunden wie die eigene Sicht der Dinge. Da kann es passieren, dass so ein Schnappschusswild vor die Kameralinse springt, und dann, jepp, muss es auch erlegt werden!
Die Tatsache, dass ich es erst jetzt entdeckt habe, macht mich nicht traurig. Was sollte ich mir vor den Kopf schlagen und auf dem Heimweg die Frage vor mich hinmurmeln, wie ich das nur übersehen konnte? Das ist so sinnlos wie ineffektiv. Viel schöner ist doch das Staunen: Über die Entdeckung, darüber, das mir der Spaziergang im elften Jahr hier in der Stadt etwas zeigen konnte, das neu war für mich. Mich stimmt das fröhlich, und das passt schließlich auch gut zu dieser Zeit der Vorfreude. Es lässt mir die Gewissheit, dass meine Wahlheimatstadt noch weiter frisch und neu bleiben wird, um mich dadurch immer wieder neu einzuladen auf Entdeckungstour.

Sicher hängt das von uns beiden ab, meinem Domizil und mir. Was es mir zeigen will, dem bringe ich meine Entdeckerfreude entgegen. Darauf kommt es an.
Und wie ist es mit euch? Habt ihr Freude an dem, was euch hinter verschlossenen Türen erwartet, auch über die Adventszeit hinaus? Oder ist pünktlich am 25. Dezember Schluss, bis, tja, bis mal jemand einen Adventskalender mit mehr als 24 Türen für euch füllt? Schade wäre es.
Der wirkliche Adventskalender hat sicher ein paar Türen mehr. Ich glaube, so ungefähr 365, im nächsten Jahr sogar 366. Und wer da nicht auf Entdeckung geht ist – selber Schuld!

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