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So einiges neu …

Karte zum Waldfrieden
… gibt’s nicht nur im Mai.
Neuer »Austragungsort«. Neue Kneipe (für mich). Neue Geschichte (Natürlich, wozu machen wir das sonst!) Und damit immer wieder: Neue Erfahrungen.

Die Abschlussveranstaltung der Lesebühne Leipzig hatten wir gestern im Waldfrieden in Leipzig Connewitz. Ein uriges Lokal, das alles hat, was zum Kneipencharakter gehört und noch einiges darüber hinaus: Gemütlichkeit und Séparées, Tresen, viel Holz im Gestühl und Getisch sowie an den Wänden, einen Kamin, der für uns angeheizt wurde und einen Schrank. Durch den man gehen muss, um auf das stille Örtchen zu gelangen.
Die Idee war, das Lesen und Lauschen in einem extra Raum stattfinden zu lassen, kurzfristig wurde jedoch umentschieden. Wir lasen mitten im Geschehen, was den weniger Literaturbegeisterten die Gelegenheit gab, schnell zu zahlen und das Feld zu räumen, damit die anderen besser lauschen konnten.

Den Anfang machte Ekkehard Schulreich mit Gedichten, gefolgt von Anne Bergmann, die etwas Kriminales zu Gehör brachte. Vor der Pause hatte uns Ria Klug eine Entdeckung aus einer ihrer Schubladen mitgebracht, die sie “… selber vorher noch nicht gehört hatte.”
Es folgte die gewohnte Unterbrechung zum Luftholen und Getränke nachordern.
Die zweite Runde läutete Paul-Henri Campbell ein, der aus seinen Geschichten und Gedichten vorlas. Und, wie nicht anders zu erwarten, kam das dicke Ende zum Schluss. Eigens für diesen Abend war mir in den beiden Tagen vorher die Geschichte eingefallen “… meine Religion”
Für alle, die nicht dabei sein konnten gestern, bringe ich sie nun hier. Zu Gehör:

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Alles in Allem? Ein gelungener Abend!

Meine Frau geht fremd | Eine Geschichte

Und sie erzählte:
“… An der stahlblauen Wohnungstür brauchte er viel zu lange mit dem Schlüssel. Er war doch nicht etwa nervös, auf einmal? Ich ließ meine Hand an seinem Rückgrat über die weiche Wolle des Mantels hinauf trippeln. Er spannte sich. Keuchte er?
Das Flurlicht verlosch. In der Dunkelheit leckte ich mir lächelnd die Lippen. Ich wollte ihn schmecken!
„Komm!“ Seine Stimme ein heiseres Flüstern, hinter uns fiel die Tür schwer ins Schloss.
Die Decke des Lofts verlor sich im Dunkel über uns, durch die doppeltorgroßen Fenster fielen die Reflexionen der Straßenlaternen auf das Parkett und gaben ihm einen hell verwischten Glanz. Von irgendwo klang Musik, wie eine Arie.
Aber alles war weit weg.
Nach drei Schritten griff er mir von hinten in den Mantelkragen und ließ ihn an mir herunter zu Boden gleiten. Er schob mich zur Treppe, hinauf zu einer frei im Raum schwebenden Empore. Auf halber Höhe hielt er meinen rechten Fuß fest und streifte den Schuh ab, gleich auf der nächsten Stufe den anderen. Ich hätte auf allen vieren gehen mögen, so zitterten mir die Knie.
Der Wein hatte an Wirkung nachgelassen, etwas anderes rauschte in meinen Ohren und dazwischen, ganz tief im Kopf.
Als ich mich umdrehen wollte, hielt er mich an den Schultern fest. „Bleib so!“
Ich sog die Luft zwischen den Zähnen ein. Seine Hände glitten abwärts, tasteten über meine Taille, blieben mit sanftem Druck liegen auf den Hüften. Seine Zunge begann meinen Nacken zu streicheln. Am ganzen Körper richteten sich meine Haare auf.
…”

[Musik im Trailer von Kevin MacLeod]

Trailer – “Die Schneeballblüte”

“…
Ich atme die schneefeucht schmeckende Luft aus, und kurz schwebt der Atem vor meinem Gesicht, bevor er verblasst. Meine Schritte glitschen über altes Laub, das sich vor der Hecke gesammelt hat. Sie zieht sich die Straße hinunter, weiter als ich von hier aus sehen kann.
Die Pforte aus kalten, gusseisernen Stäben beklagt sich mit kreischenden Angeln, als würde sie zu selten geöffnet. Ein Geräusch wie Zahnschmerz sitzt mir im Nacken. Ich schüttle mich kurz, denn ich will nur mir selber folgen.
Das Bild in meiner Manteltasche fühlt sich nicht wärmer an als die nassen Gitterstäbe. Die Straße bleibt zurück, die schmale, geschmiedete Tür lasse ich halb offen. Ich werde nicht lange bleiben. Das bin ich noch nie. Nach ein paar Schritten empfängt mich der schmale Weg so still wie ein sich zaghaft öffnender Schoß.
…”
[Aus "Die Schneeballblüte"]

Der Trailer zur Story:

“Die Schneeballblüte”, eine Erzählung aus dem Band “Fang das Licht!”
Ab September im Amazon Kindle Shop.

Geschichten, die Geschichte haben

Am Samstag habe ich auf der Lesebühne Leipzig (LeBüLei) darüber erzählt, wie es dazu kam, dass meine “Haftnotizen” als eBook im Amazon Kindle Shop erschienen sind. Wer nicht dabei sein konnte oder es noch nicht gesehen hat, für euch gibt es am Ende des Artikels das Video dazu.

Eine Geschichte kann also durchaus Geschichte haben. Hat sie meist auch. Der Weg zur Idee und von dort zur Ausführung sind die Etappen. Beschwerlich, lustig, holprig, anregend, traurig oder beschwingt – Alles, was es im Leben gibt, kann zur Idee werden oder den Impuls geben, etwas sagen zu müssen. Etwas los werden.

 

Bei der Geschichte, die ich gerade zur Veröffentlichung vorbereite, ist es ebenso. “Die Schneeballblüte” handelt von einem Abschied, der sich über nahezu drei Jahrzehnte hingezogen hat. So lange hat es gedauert, bis ich hinter dem offensichtlichen Verlust die leise Stimme vernahm.
War sie immer da gewesen? War ich nur nicht in der Lage gewesen, sie zu hören? Hatte ich sie nicht hören wollen?
Die Stimme, die sagt: “Fang an!”
Wie schwer ist es doch, festzustellen, was einmal war. Was einmal wirklich gewesen ist von dem, woran wir uns erinnern. Aus dem Wunsch nach Erinnerung werden die Geschichten, die dann – eine Geschichte werden.


Ich trage keine Uhr mehr, seit ich lernte, sie richtig zu lesen. Wenn man das kann, braucht man sie nicht mehr.
Entfernungsmesser schneiden Stücken aus der Endlosigkeit unserer Wege, Zeitmesser zerhacken die Ewigkeit, die uns erwartet. Weder das Eine noch das Andere ist von Nutzen, da die Thesen zwar funktionieren, länger als einen Meter weit oder einen Augenblick lang aber nicht haltbar sind.
Hier ist es angebracht ohne Uhr. Was will man damit an einem Ort, an dem es keine Zeit mehr gibt?
Die Tanne will nicht auftauchen, die mein Ziel markiert.
Ein blechernes Scheppern reißt mich aus meinen Gedanken. Der Gang neben mir liegt im Zwielicht, und darin folgt die Stille dem Geräusch, als hätte es nur in meiner Einbildung das Zerreißen des Schweigens gegeben. Ich stehe so still wie mein Atem, der in meiner Brust verharrt und wartet, dass das Herz sich beruhigt und er wieder hinaus darf.
Nichts als die Kulisse des Ortes; und die Dunkelheit, die weiter zugenommenen hat, die vom Rand einer mit Bäumen umsäumten Fläche zu mir zu kriechen scheint. Eine Nebelbank aus Schatten, die wie zerlaufende Tinte über das Feld der Vergänglichkeit kriechen. Um die Rillen und Furchen in der Erde zu füllen, sie dem Boden gleichzumachen, und dann aufzusteigen. Wie Nebel, der auf dunklen Wassern schwebt, um ein Schiff zu geleiten.

“Die Schneeballblüte” erscheint im September als Auszug aus dem Prosaband “Fang das Licht!” in der Amazon Kindle Edition.

Hier das Video von der Lesebühne Leipzig (LeBüLei) – Ausgabe August 2011.

Natürlich gab es auch einen “Hauptakt”! Den findet ihr hier.

Mal einfach so – Fabuliert.

Manchmal kommt man nicht zum Zug. Und das ist überhaupt nicht schlimm.
Zu der Geburtstagshineinfeier in der letzten Woche, sollte vielleicht auch etwas gelesen werden. Meinte das künftige Geburtstagskind im Vorfeld, falls Autoren da wären und sie einen Text parat hätten. Ich würde da sein. Aber was für einen Text sollte oder wollte ich bringen?
Was wäre, würde ich aus einem meiner Bücher lesen? Würde ich selber nicht so spannend finden. Was wäre, wenn ich von einem anderen was lese? Unspektakulär, befand ich.
Was wäre, wenn ich ohne Text hingehe und dann erstaunt tue: “Sag bloß, das hast du ernst gemeint…”
Nicht mein Stil.
Bei all den Überlegungen zum Thema, all diesen “What if?”s, wie es Neudeutsch heißt, fragte ich mich, was wohl wäre, wenn ich eine kurze Geschichte, eher ein paar Betrachtungen schreibe zu der Frage “Was wäre, wenn…”
Gedacht. Getan!
Zum Lesen kam es nicht am Freitagabend. Sauber gefaltet nahm ich meine Ausdrucke im Rucksack wieder mit nach Hause. Da lagen sie. Bis sie mir eben in die Hände fielen.
Zeilen sprechen eine eigene Sprache. Über das hinaus, was die Buchstaben, Worte und Sätze zu sagen imstande sind. Eine einmal geschriebene Geschichte möchte gelesen werden und/oder gehört.
Was also wäre, wenn ich die vor einer Woche in die Welt gesetzte Geschichte in meinem Blog veröffentliche?
Wie ich diese Frage beantwortet habe, seht ihr hier. Die kleine Geschichte What if? Und für die, die nicht lesen mögen, aber hören, spendiere ich das Audio gleich dazu.
Viel Vergnügen!

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What if?

Was wäre…? Halten wir für eine interessante Frage. Vielleicht für DIE Frage überhaupt. Unterbewusst sind wir schließlich einen großen Teil unserer Zeit damit beschäftigt, an Szenarien zu arbeiten, die versuchen, genau darauf eine Antwort zu geben: Was wäre wenn… Das Schöne ist, dass es sowohl für die Vergangenheit funktioniert, wie für die Zukunft. Erst recht für die Gegenwart, für das, was wir dafür halten. Das ist wirklich toll. Wir lieben die Vielfalt der Möglichkeiten. Ebenso wie die Einfalt der Frage. Wir lieben es, zumindest die meisten von uns, aus nummeriert 243 Gerichten beim Griechen wählen zu können, um uns schließlich immer wieder konsequent für die Nummer 17a zu entscheiden. Gyros mit Pommes und einem Klecks Tsatsiki.
„Aber bitte ohne Reis! Den mag ich als Deutscher nicht so.“
Die Frage, was wäre wenn… wir den Anflug von Mitleid im Lächeln der Bedienung als das gedeutet hätten, was es war, stellen wir uns nicht. Wir stellen uns die Fragen nicht, die wir nicht hören wollen, und wenn wir uns durch das Nichtstellen ein Bein stellen, stolpern wir schimpfend weiter und fragen uns, was wohl wäre, wenn wir dem, der uns da ins Straucheln brachte, mal ein paar aufs Maul geben würden. Wenn wir ihn ausfindig machen könnten. Aber im großen Spiegel um uns herum halten wir uns selbst immer für Andere. Und umgekehrt.

Das Holz brennt inzwischen nicht mehr unter dem Hintern, und ich weiß, was wäre, wenn das anders wäre: Lange hätte ich es nicht ausgehalten auf der Bank im Park. Und das wäre schade, nach diesem Sommer, der mich an seiner eigenen Existenz zweifeln lässt.
Gottseidank ist das Wasser in der Sportflasche im Rucksack kühl geblieben. Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, was wäre, wenn ich wie früher so ganz ohne Getränk losgezogen wäre. Nicht auszudenken, wie habe ich das damals nur ausgehalten? Teilweise einen ganzen Tag lang ohne Trinken. Und dann wurden die Speicher gefüllt mit diesem klebrigen Zeug, das heute noch immer in allen Getränke- und Supermärkten steht und verkauft wird. Also wird es auch getrunken, ganz sicher. Viel zu dickflüssig ist es, als dass es den Durst stillen könnte, statt mit Wasser zur Verdünnung füllt es die Zellen mit Zucker und verklebt sie.
Was wäre, wenn die Menschen ihre Trinkgewohnheiten ändern? Würden dann zwei gewaltige Geldrotationsmaschinen der Gesellschaft ins Schleudern kommen, die Getränkeindustrie und das medizinische Zustandserhaltungssystem, das sich selbstverniedlichend Gesundheitswesen nennt?
Was wäre, wenn ich nicht auf Wasser pur umgestiegen wäre? Würde es mir dann schlechter gehen heute?

„Du bist so ein Arsch!“
In mir regt sich spontan Abwehr, mein Reptilienhirn versucht sofort, herauszufinden auf welche Seite der Kampf- oder Fluchtskala ich mich zu schlagen habe. Das Pärchen, herrgott, sind die süß, weil noch so jung, irgendwie noch pubertär, dürfen die denn überhaupt schon so als Pärchen, habe ich gar nicht bemerkt. Sie stehen halb im Schatten des Baumes am Wegesrand.
„So ein Arsch bist du“, wiederholt das Mädchen, „wirklich wahr.“
Sie meint ihn, nicht mich, und ich bin beruhigt.
„Das hat meine Mutter gleich gesagt“, setzt sie nach.
Und da ich so beruhigt bin, frage ich mich, was wäre, wenn wir nicht immer alles so von den Alten übernehmen würden? So unbesehen, weil wir in den Momenten, in denen die Übernahme geschieht, noch nicht sehen können. Die meisten lernen es ein ganzes Leben lang nicht.
Könnten die Beiden da, könnten wir alle oder ein Großteil von uns, unbeschwerter leben ohne die Erblasten der Generationen vor uns? Was wäre, wenn wir dieses Glück der Freiheit unserer Existenz wahrnehmen könnten und genießen? Die Freiheit dieses Glücks.
Sein Gesicht liegt im Schatten unter dem surfbrettgroßen Schirm seines Rappercaps. Was wäre, wenn ich ihm sagte, dass er bei weitem nicht so cool rüberkommt, wie die Typen, die er nachzumachen versucht mit seiner betonten Lässigkeit? Würde er sich schwarz ärgern, so schwarz, wie sie sind, diese Snoop Dogs und andere?

Es sieht nicht nach Friedenspfeife aus, wie er ihr eine Zigarette anbietet und dann Feuer gibt. Bevor er die Schachtel zusammenknautscht, wirft er einen Blick darauf.
„Pfft! Rauchen kann tödlich sein, Ihre EU-Minister. Als wenn mich das interessieren würde. Rauchste, stirbste, rauchste nicht, stirbste. Auch!“
Er lässt das Knüllzellophan neben mir in den Eimer fallen.
Wie recht du hast, mein Junge, denke ich, und, Anstand hast du ja wenigstens, andere hätten das Zeug einfach fallen lassen, wo sie gerade gehen und stehen.
Das Mädchen saugt an der Kippe, als gäbe es kein Morgen mehr, so, wie es ihm bestimmt gefallen würde, würde sie es woanders tun. Er schließt sich an, nach drei tiefen Zügen beginnt er auf den Weg zu rotzen. Ja, auch an das Rauchen muss man den Körper erst gewöhnen, wie an so vieles andere, was wir, nachdem wir die natürlichen Barrieren überwunden haben, so gerne tun.
Was wäre, wenn die gewichtigen Entscheidungsträger in der Politik diese Aufdrucke auf den Nikotinschachteln nicht durchgesetzt hätten? Würden dann noch mehr an den Primär- und Sekundärfolgen des blauen Dunstes erkranken und sterben?
Inzwischen sind sie ein Stück weitergegangen, und siehe da, vielleicht war es doch eine Friedenspfeife, sie bleiben noch einmal stehen, in der prallen Sonne jetzt, und küssen sich so intensiv, wie sie vorher an den Kippen gesogen haben. Die qualmen derweil weiter zwischen den Fingern, in den Händen, die beim anderen auf dem Rücken liegen. Seine wandert langsam abwärts zu ihrem Hintern, weltvergessen, als wären sie in dem Park mutterseelenallein. Knackig sieht es aus, wohin seine Finger meinen Blick mit sich ziehen, aber doch schon mit einer Andeutung von Größe. Sie wird aufpassen müssen, wenn sie dem Teeniealter entwächst, dass sie nicht für alle Orte, an denen sie sitzen möchte, einen Doppelplatz buchen muss.
Als ihre Zungen sich lösen, spuckt er noch einmal zünftig aus wie sich das gehört, und Hand in Hand setzen sie ihren Weg fort, Rauchzeichen hinter sich her ziehend für alle, die sie lesen können. Seht, wir sind ein Paar!
Was wäre, wenn es keinen Streit in Beziehungen gäbe? Müssten wir dann auch auf Versöhnungen verzichten? Wie langweilig wäre das!

Endlich hole ich mein Buch aus dem Rucksack und schlage es auf. Was wäre, wenn ich mich nicht wieder ablenken lassen hätte, weiß ich genau. Ich wäre schon ein ganzes Stück weiter im Text.
Mhm. Dabei ist es wirklich spannend! Paul Cleave habe ich erst vor kurzem entdeckt, und auch, wenn er mit seinen Thrillern nicht unbedingt meinen Genrenagel auf den Kopf trifft, auch, wenn sein Stil im ersten Moment etwas Gewöhnung braucht, wie er so in der Ich-Form fabuliert und im Präsens durch die Geschichte geht, spricht er mich an. Nach dem ersten Buch mochte ich ihn, inzwischen, nach dem dritten, finde ich ihn toll.
Endlich gelingt es mir, in die Welt von Christchurch, der Stadt am Abgrund in Neuseeland einzutauchen. Hammerhart, wie da dem Protagonisten mit einer Werkzeugzange der Hoden zerquetscht…
Was wäre, wenn mir das passieren…

„Hallo!“ sagt Ela und gibt mir einen ihrer feuchten Küsse auf die unrasierte Wange. Für einen Moment frage ich mich, was wäre, wenn sie meinen Gedankengang nicht unterbrochen hätte. Wohin wäre ich gelangt mit den Überlegungen?
Sie rückt ein Stück ab, nimmt mich genauer in Augenschein. Vielleicht wirke ich gerade, als würde ich aufwachen. Als ich sie einweihen will, um sie zu fragen, was sie darüber denkt, was wohl wäre, wenn…
Kommt sie mir zuvor und fragt: „Was ist?“
Ich runzele die Stirn. „Was ist? Keine Ahnung, was ist! Aber kannst du dir vorstellen, was wäre, wenn…“
Sie küsst mich. Und ich weiß, was ist. In diesem Moment. In diesem Moment weiß ich, dass manchmal gut ist, was ist.

Mehr zu Texten von mir und wie ihr an die herankommt, erfahrt ihr auf meiner Seite Bücher[!] hier im Blog.

Zwei Tage nach Erscheinen – Platz 3


[Quelle: Amazon]

Ich freue mich riesig darüber und danke ganz herzlich für euer Interesse!

Angefangen oder abgeschlossen?

DoorwaysIch will an dieser Stelle ausnahmsweise mal nicht philosophieren. Es soll mir nicht darum gehen, dass wir am Ende eines Ganges immer den nächsten betreten. Und mit dem ersten Schritt in einen neuen, den und die alten hinter uns lassen. So ist es nun einmal. So einfach. Zwischen den Gängen, auf zwei unserer Wege zur gleichen Zeit, können wir uns nur bewegen, soweit unsere Fingerspitzen reichen, wenn wir die Arme breiten.
Man könnte auch lange darüber fabulieren, ob Sonntags die eine Woche endet oder die andere beginnt. Doch auch das ist nicht: Das Thema.
Wie man das sieht, bleibt heutzutage letztlich Ansichtssache. Dass samstags das Wochenende gefeiert wurde, der Sabbat, ist lange her und gehört wohl in der modernen Zeit zu der Praxis entsprechender Religionen.

Hierzulande gilt der Sonntag als das Finale. Bevor der nächste Startschuss fällt. Bei mir ist er gestern gefallen. Der Schuss. Startschuss. Und das, obwohl Sonntag war. Oder gerade deswegen?
Ich habe mein erstes eBook im Amazon Kindle-Shop veröffentlicht, die bereits angekündigte Geschichte “Haftnotizen“.

Eine Haftnotiz, die morgens am Kühlschrank klebt, verändert Tonis Leben.
Weil er sie nicht zur Kenntnis genommen hat.
Der Unfall später am Tag, ist zwar nicht der Grund, hat aber damit zu tun, dass er im Knast landet.
Besser wäre gewesen, er hätte rechtzeitig gelernt zu lesen. Was ihm das Leben zu erzählen hat. Ja, auch das.
Eine zweite Haftnotiz, als Widmung auf der Innenseite eines Buchs, das die Frau seines Lebens ihm mitgibt in den Vollzug, könnte wiederum alles verändern. Wenn er sich danach richtet.
Aber will Karen noch etwas von ihm wissen, wenn er aus dem Gefängnis entlassen wird? Vier Jahre sind eine lange Zeit, nach der er bei ihr vor der Wohnungstür steht. Und niemand öffnet.
Alles, was Toni hat, ist eine Haftnotiz. Ein drittes, gelbes Quadrat, das er an den Briefkastenschlitz heftet. Als drei Etagen tiefer die Haustür aufgeht… (Artikelbeschreibung auf Amazon)

Liegt es an der sofortigen Verfügbarkeit, dass eine halbe Stunde nach Einstellen in den Shop die ersten Verkäufe getätigt wurden? Und das nicht unbedingt auf den Kindle selber, sondern auf alternative Technik mit der entsprechenden Software. Die gibt es für die i-Produkte aus dem Haus mit dem Apfel und die Androiden. Gerade habe ich auch einen Reader für Windows entdeckt, bereitgestellt von Amazon selber. Dem Lesegenuss steht also auch auf dem PC nichts mehr im Wege.

Mit der Veröffentlichung in dieser Form habe ich natürlich einen neuen Gang betreten. Aber welchen habe ich verlassen? Auf keinen Fall den, in dem es Bücher in “alter” Form gibt! Papier, Leinen, Leder, gut gestaltete Einbände – Wer will darauf schon verzichten, wenn er Bücher mag?
An anderer Stelle habe ich es bereits gesagt: Die Denkweise der Ausschließlichkeit ist mir zu eng, dieses Entweder – Oder, in das sich geflüchtet wird, um sich irgendwo zugehörig zu fühlen. Ich muss nicht das Eine ablehnen, um zum Anderen zu gehören. Ich mag sowohl-als-auch!
Es wird weitergehen in Papier und in Digital!
Der Gang, der hinter mir liegt, ist also der ohne digitale Veröffentlichung im Kindle-Shop. So ist das. So einfach.

Spannend war, wie auch bei den bisher in Papier verlegten Büchern, der Entstehungsprozess.

Was daran neu war und erstaunlich, einfach und kompliziert, ganz klar oder unverständlich, habe ich mir mal “von der Seele geredet”. Für alle, die es hören mögen.
Das ist keine Anleitung zum Erstellen von eBooks für den Kindle-Shop, um Himmels Willen! Es ist nur ein Spot darauf, wie das bei mir lief. Gestern. Am Sonntag. Der das Ende ist. Und der Anfang.

Hier der Audioteil dieses Beitrages:

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[Foto am Artikelanfang aus dem flickr-stream von Paolo Dallorso]

Haftnotizen – Cover

Das nächste – gänzlich digital. Zunächst. So die Ankündigung, und so wird es fürs Erste umgesetzt werden. In den nächsten Tagen.
Hier seht ihr das Cover zur neuen Kurzgeschichte.
(Spricht man bei einem rein digitalen Buch auch vom “Cover”?)

Vier Jahre Knast sind eine lange Zeit. Genug Stunden, die man mit dem Schicksal hadern kann. Das Schicksal hat immer nur mit uns zu tun, wenn wir mit ihm zu tun haben.
Also kann man auch was Sinnvolles tun.
Toni weiß, dass er ohne seine selbst getroffene Entscheidung nicht in der JVA hocken müsste. Die Pläne waren natürlich andere, nie wieder sollte es danach nötig sein, ein Ding zu drehen.
Die Frage, ob so etwas überhaupt jemals notwendig ist, stellt die Geschichte nicht, versucht auch nicht, eine Antwort darauf zu geben. Sie erzählt nur. Wie es kam, dass Toni in den Knast kam aufgrund einer Haftnotiz. Ironie des Schicksals, das mit Worten spielt? Auch das gilt: Schicksal ist immer nur so ironisch, wie wir es zulassen und verstehen.
Aber was passierte, weil er den gelben Zettel an der Kühlschranktür nicht gelesen hat? Bevor er sich mit den Kumpels zum Bruch traf.

“…Zwischen seinen Zähnen krachte das Müsli, wie der Schutt des eingerissenen Gebäudes gegenüber in der Mahlmaschine, die die größten Stücken zerbrach und transportfertig machte. Eine Weile sah er dem Treiben der Zerstörung zu, das eine Lücke in die Häuserzeile riss, als würde ein Zahn ausgeschlagen in einem ansonsten festen Gebiss.
Gegen Mittag war er soweit, schnappte die Sporttasche, schwang sich aufs Fahrrad und fuhr zum Training. Und zur letzten Lagebesprechung vor dem Einsatz. Es konnte nichts schiefgehen, nie war ein Ding todsicherer gewesen als das, was sein Kumpel Benno und dessen Bruder ausbaldowert hatten. Und Toni trug das geringste Risiko. Er musste nicht einmal mit in den Laden, musste keine Waffe anfassen, keinen Menschen bedrohen. Der sicherste Job bei dem Coup war seiner, er fuhr den Wagen. Und es würde sich in einem Maß lohnen, dass es danach kein weiteres Mal zu geben brauchte.

Und dann erwachte er, nicht nur aus Tagträumen, die zerplatzt waren wie in der Sonne aufgeheizte Schaumblasen, sondern aus einem Koma, das ihn fast nicht mehr losgelassen hätte…”

Hinterher ist man immer schlauer.
Vielleicht wird er sich nicht nur im Knast die Frage stellen, wie anders alles hätte kommen können, sondern ein Leben lang.
Im Knast hat es ihm keine Ruhe gelassen, ob Karen ihm verzeihen wird. Vielleicht, wenn er ihre zweite Haftnotiz, die sie ihm ins Buch geklebt hat, mit einem Ja! beantworten kann?

Die komplette Geschichte: Demnächst als Amazon-Kindle-Edition.

Hier ein früherer Blogbeitrag mit Hörprobe.

Buch? Besprechung!

“Fast könnte man ihn sich noch im geschneiderten Anzug vorstellen, den Strohhut im Nacken, das Stöckchen in der Hand – auf gefegten Wegen in Baumalleen beim Schlendern.” (L-IZ)
Das Bild gefällt mir! Weil ich es so nicht empfunden habe bisher, so hatte ich den nicht gesehen, der die Prosastücke verfasst hat in “Fang das Licht!”
Nicht bewusst. Aber wer weiß. Das Bild mag unterbewusst und unterschwellig dagewesen sein, und Ralf Julke von der Leipziger Internetzeitung hat es einfach entdeckt und beschrieben. In seiner gestern erschienen Rezension zum Buch.
Er hat sich das Bändchen nicht geschnappt, warum sollte er auch? Bis vor einer knappen Woche kannten wir uns nicht einmal, waren uns fremd, bis ich ihn anrief, um zu fragen, ob Interesse besteht. Etwas über das Buch zu schreiben.
“Man kann ja mal schauen”, meinte er.
Ich fuhr mit gut verschlossenem Umschlag zur Redaktion südlich des Leipziger Zentrums, hatte aber Glück und traf den Chefredakteur persönlich an. Er nahm sich Zeit für einen kurzen Schwatz, obwohl so ein Mann, der die Welt mit Informationen versorgt, immer zu tun hat. Auf seinem großen Bildschirm nahm gerade wieder ein Text Form an. Also verabschiedete ich mich bald, und noch einmal meinte er:
“Wir werden sehen.”
Und dann diese Rezension, hier komplett in der L-IZ selber!
Vielen Dank dafür, lieber Ralf Julke, ich habe mich riesig gefreut!

Mehr zum Buch gibt es hier.
Oder schon überzeugt? Dann gleich hier bestellen!

Mehr zu meinen anderen im Artikel erwähnten Büchern findet ihr hier auf der Amazon-Autorenseite.

 

Haftnotizen – Steine der Vergangenheit

“Auf den Steinen der Vergangenheit muss man stehen, darf sie aber nicht mitschleppen.”

Zitat aus meiner Kurzgeschichte “Haftnotizen”.
Erscheint demnächst als Amazon-Kindle-Edition.

Hörprobe:

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Informationen zu meinen bisher veröffentlichten Büchern findet ihr hier. Inklusive Blick in die Bücher und Bestellmöglichkeit.