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“Tür an Tür”


Hinter jedem neu zu öffnenden Türchen finden sich immer Vergangenheit und Zukunft. Nur mit der Erfahrung des Gepäcks im Rucksack, lässt sich erkennen, was da auf uns zukommt. Wie sich das vor uns Liegende entfaltet, erklärt oft, was die Verwicklungen hinter uns für eine Bedeutung haben.
Vierundzwanzig Türchen, zwei Mal das zum Abschied bereite Jahr resümieren: Rückschau und Vorausblick.
Alles hat eine Bedeutung. Allein unsere Sichtweise stimmt dem zu, oder lehnt es ab.
Das erste Türchen: Januar 2010.

Zwei-0-Eins-0

Die Schuhe geschnürt
Mit der Endlosschleife des Weges

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Erstmalig auch auf die Ohren!
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“Was immer es auch ist”

Essenz der Schnelligkeit XVI
Bereits über ein Jahr auf Twitter, “Geburtstag” war Anfang Oktober. Die Anzahl der Tweets, der 140 Zeichen langen Äußerungen in der Timeline des Microblogging-Dienstes, hat die 17.000 überschritten.
Was es ist, das da von sich gegeben wird, darüber gibt es wohl so viele Ansichten, wie es Kombinationsmöglichkeiten gibt von Buchstaben und Wörtern.
Schund, Chat, Sozialphobie, Sozialphilie, Zurschaustellung, Verstecken, Schabernack, Misanthropie, Philanthropie, Aufgebauschtes, Totgeschwiegenes, Microliteratur- Jeder möge sich etwas aussuchen.
Ganz klar haben sich zwei größere Gruppen “Meinungen” herausgeschält. Die einen lieben es, oder halten, wie in vielen anderen Beziehungen auch, ihre Sucht für Liebe. Die anderen hassen es, können damit nichts anfangen, wissen sich nicht zu helfen. Sehr oft, ohne es zu kennen.
Meist ist es doch den Fakten egal, wie Mensch über sie denkt. Und Twitter ist längst Fakt geworden, längst Realität. Für die einen mehr. Für die anderen weniger.

Folgen wir hier der Spur zum März 2010 mit der Twitteressenz XVI.

“Herbstkonfekt- das Laub ich mir”

* Solange du weißt, was du vergessen hast, hast du nicht vergessen. Solange dich bewegt, was du verziehen hast, hast du nicht verziehen.

*Worte haben eine kritische Masse. Anders als in der Physik lässt sie sich aber unmöglich definieren. Manchmal reicht die Verbindung weniger Buchstaben, eine neue Sonne entstehen zu lassen, ein andermal genügt ein kompletter Roman nicht, die Dunkelheit zu vertreiben.

*Einen Fluss, der die Verbindung zu seiner Quelle nicht verliert, kannst du nicht (le)erschöpfen.

*Um offen zu sein, musst du zulassen.

*Wie ungleichmäßig sich Hell und Dunkel auch in den Tag teilen, es bleibt das Ebenmaß einer vollen Umdrehung.
Der Partikel Erde schwingt im Universum. Das ist der Pulsschlag des Lebens.

*Das Leben hat seine grundlegenden Funktionen für uns automatisiert. Atmung, Nahrungsverarbeitung, Regeneration durch Zellteilung. Die daraus für uns entstehende Freiheit, bewusst zu leben, verkaufen wir für das trügerische Sicherheitskonzept von Gewohnheit und Routine.

*Je besser wir sprechen lernen, desto schwieriger wird es, die Essenz alles Gesagten zu erfassen: Schweigen.

“Schlafnarben sind nur Verinnerungen”

Ein Traum wie ungegerbtes Ziegenleder. Modrig nass. Man spürt die Natur der Sache, da hat mal was gelebt. Jetzt hängen auf der einen Seite vereinzelt Haare, verklebt mit den Poren der Haut, auf der anderen Fettklümpchen und Fleischbröckchen. Die einmal zu einem Körper gehört haben. Der sich bewegte und atmete. Der Geruch, an den muss man sich vor allem gewöhnen-
Der Cutter, der den Film meines letzten Traums geschnitten hat, schlug den Schädel im Speedrausch mit Sicherheit immer wieder auf das Mischpult, um dann für längere Sequenzen einzuschlafen. Der Sinnspur untergelegter Special-Effect: Absurdität.

Spaziergang zu einem Schießplatz, den Berg hinauf. Es schwitzt sich in der Sommerhitze, der Weg wehrt sich. Nicht nur Schlammlawinen haben ihn ausgewaschen und beschwerlich gemacht, Granatrichter fordern alle paar Meter, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, indem man sie umrundet.
Ich ducke mich unter den Strahlen, die von oben sengen. Dabei ist es doch nur Licht. Aber es ist nicht leicht, ist nicht light. Schwer wiegt es, und es glüht. Verstohlenes Händewischen über den kahlen, unbedeckten Kopf. Manchmal kann ich kaum etwas erkennen durch die schmal zusammen gekniffenen Lider. Warum ich die schwere Jacke durch die Mittagshitze trage, frage ich mich erst gar nicht. In Träumen stellt man keine Fragen. Vielleicht würden uns die Antworten einfach nicht behagen.
Der abschüssige Hang an der Südseite ist eine Müllhalde. Das erkenne ich erst, als ich wieder hinauf will. Käfer und Gewürm plötzlich um meine Füße herum, weiße Maden versuchen, durch das Leder meiner geschnürten Halbstiefel zu dringen. Wenigstens trage ich die, und nicht dem Wetter angemessene Latschen oder Sandaletten. Warum ausgerechnet diese logische Gedankenfolge im Traum? Aber während ich es träume, frage ich mich ja gar nicht.
Fragen kommen immer erst hinterher. Ist die Sonne hinterm Horizont versunken, fragen wir uns, woher wohl das Licht den ganzen Tag gekommen sein mag.
Woher wissen wir in Träumen eigentlich, dass wir wir sind?
Wie ein Tänzer zu Ehren von St. Vitus hüpfe ich über den zerklüfteten Hang, schüttle die Füße, um die Maden los zu werden. Ein Schwarm Fliegen steigt auf, eine grün-schwarze Wolke verdunkelt meine Sicht. Erst als ich hineingetreten bin, sehe ich die dunkel-brodelnde Masse auf dem Boden. In dem Moment, in dem ich sie auch spüre, eingesunken bis zu den Knöcheln, und mich fast übergebe. Ich kann nicht unterscheiden, ob hier Fäkalien vergammeln, oder ein ehemaliger Fäkalienproduzent verwest. Es macht auch keinen Unterschied.
Den Unterschied macht, dass mir auch in der Erinnerung an die nächtlichen Bilder, immer noch schlecht wird. Ich kann es riechen, als wäre es wirklich passiert. Wie schön ist doch eine aufgeweckte Sinnlichkeit.
Die Schuhe hat es also doch erwischt. Nachdem ich den Hinweis mit den Maden nicht verstehen wollte, bin ich eben voll in die Scheiße getreten.
Auf einem sonnengedörrten Erdbuckel bücke ich mich. Ob da wohl eine Stelle ist, an der ich die Schuhbänder lösen kann? Eine Armbeuge fest vor die Nase gepresst, nestele ich mit der anderen Hand vorsichtig im Mist herum.

Als ich aufsehe, bin ich gerade aus dem Cabrio gestiegen. Oben, auf dem Plateau, das den Hügel versiegelt. Die Sonne fließt wie rotes Gold über die Ebene heran, in den Schatten der Bäume spielen junge fliegende Fische. Was müsste man für einen Köder an den Haken stecken, um die zu fangen?
Meinen Chauffeur kann ich nicht fragen. Irgendwo im Gelände muss sie verschwunden sein. Ist lautlos aus dem Jeep geklettert, soviel zum Thema Cabrio, aber die Tarnfarbenkarre hier ist auch offen, und hat sich verpisst. Wiedereinmal frage ich mich, wie Frauen, zumal in extrem knappen Röcken, sich wohl verpissen mögen. Vor allem hier. Nur ein einzelner Baum ragt schwarz wie der abgenagte Finger eines Lepraopfers empor, ausgefranst die Krone und das Gefühl vermittelnd, er wolle sich hinter dem eigenen Schatten verstecken. Ansonsten steht man mitten in der Wüste Gobi. Gefühlter Standort, versteht sich. Denn im Traum weiß man nie, wo man ist, und das ganz genau. Nämlich, dass man an gar keiner anderen Stelle sein kann.
Keiner anderen Stelle der Welt oder der Traumwelt. Wie formuliert man das für einen Traum?
Die adrett Üppige richtet sich plötzlich hinter dem Reserverad auf, dass an der Hecktür klemmt, und lächelt mir zu. Lippen und Mund wie ein Kescher. Die braucht keine Köder, um die fliegenden Jungfische zu fangen. Wird einfach den Schlund aufreißen. Wird sie wohl immer so machen im Leben.

Ich spüre, wie mir bei den Gedanken anders wird, doch da ist sie schon wieder verschwunden, und die ganze Familie ist eingerückt in dieses Wirtshaus mit Bauernkatencharme.
Das Wischen über den robusten Holztisch lässt mich zusammenzucken wie von einem Biss. Meine Hand ist von Splittern stachlig wie ein Igel. Da ich mich verarzten muss, kann ich mich dem allgemeinen Reden und Nichtssagen entziehen. Für einen Moment. Dann kommen die Musikanten, und ich werde förmlich auf die Bühne, pah, eher ein Podest aus roh gezimmerten Brettern, gezerrt. Die mir aufgezwungene Violine fühlt sich an wie eine zusätzlich angenähte Gliedmaße. Und doch ist es irgendwie vertraut. Die Wärme, die sich zwischen Hals und Schulter schmiegt, das Vibrieren des matt lackierten Klangkörpers. Meine Kollegen auf dem Bühnenpodest strafen mich mit bösen Blicken. Die Finger der schmerzenden Hand können die Saiten nicht richtig greifen. Das Instrument jault leidend auf, dabei weiß ich, dass ich spielen kann. Im Traum.
Ein Schrei aus der Küche erlöst mich und die, die zuhören müssen.
Der Wirt tritt die pendelnde Tür auf wie im Saloon, zwischen seinen Händen lebt die Speise. Ein wirres Flattern, voller Verzweiflung und Todesangst. Mit rotrissigen Händen zwingt er das Huhn auf den Tresen, ein Fleischerbeil blitzt auf im Licht. Das guillotinierte Tier flattert immer noch, als er durch die Schwingtür wieder verschwindet. Eine Blutspur folgt seinem Weg.
Im Traum vergeht mir nicht einmal der Appetit. Hinterher weiß ich, dass die sich alle komisch verhalten haben, aber das weiß man immer erst, wenn man wach wird. Nur weiß man beim Erwachen nicht, wie, wo und wer man ist. Nicht nach so einem Traum.
Sie machen weiter, als wäre das arme Huhn nicht gerade vor ihren Augen geköpft worden. Stimmengewirr, grauer Rauch, der nicht mehr zur Decke schwebt. Da ist kein Platz mehr. Wie Nebel über Sumpfwiesen wabern die Schwaden zwischen den Wänden, bevorzugt werden hier dicke Zigarren und Tabakspfeifen, in deren Köpfe geschätzt ein Pfund Tabak passt.
Wenn Licht und Rauch aufeinander treffen, gibt es bizarre Muster, so, als würde man Schokopudding mit Vanillesosse verrühren. Da steht wieder die eng bekleidete Frau, der Jeepchaffeur, die still Entwschwindende. Das rote Kleid, das ihr auf die Haut genäht worden sein muss, schreit in dem Flimmern da vorn an der Tür. Wir starren uns an.
Auf einmal ist die ganze Verwandtschaft da.
Wir zwei starren uns an.
Ein großer Kerl lümmelt sich auf die Bank, breitet sich aus, mächtig, lang, gewaltig. Mein Hinweis, wie rücksichtslos das sei, wird mit einem Grinsen beantwortet, dem der Biss, weil die Zähne fehlen.
Die Natur verlangt nach ihrem Recht. Eine schmale Tür weist durch eine ins Holz gebrannte Doppelnull den Weg zum Örtchen. Pastell getönte Fliesen, leise Musik und der Duft einer frischen Briese bilden einen krassen Kontrast zum Gastraum.
Noch vor dem Becken, mit dem Rücken zum Raum, bemerke ich das leuchtende Schimmern neben mir. Rote Krallen auf meiner Schulter, ein rotes Lächeln springt mich an, rotes Stoffrascheln neben mir, als das Kleid langsam in die Knie geht an meiner Seite. Ich halte die Luft an. Ihr Scheitel nähert sich dem Becken. Dann erbricht sie sich ins Urinal. Ihr Mageninhalt riecht penetrant. Nach Veilchen.
Getragen von dieser Wolke wache ich auf.

Verstörung hockt auf meiner Brust. Sanft betasten Andeutungen von Gedanken die frischen Narben. Träume heilen schnell. Meist so rasch, dass nichts zurückbleibt. An der Oberfläche. Was tiefer im Seelengewebe sitzt, dem Tageslicht verborgen, könnten wir wohl in unseren Träumen finden. Die nicht zurückkehren. Aber wir könnten ihnen folgen. Wenn wir träumen, wissen wir aber nicht, dass wir suchen müssten. Wir halten unsere Träume für unser Leben, solange sie dauern.
Vielleicht schlafen wir tagsüber einfach weiter, in einer anderen Tiefe des Schlafs. Und halten das, was uns begegnet, für real.

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“Pralinen zwischen bunten Blättern”

* Hunger, Durst, Sehnsucht. Alles wollen wir stillen. Trauen uns meist jedoch nicht, laut zu sagen, was wir wollen.

* Wer sich einmischen will, braucht die Bereitschaft zur Selbstveränderung.

* Man braucht die Spiegelung mit anderen, um die eigene Bewegung festzustellen. Um ruhig zu werden, braucht man nur sich selbst.

* Herbstwind reißt nur die Blätter von den Bäumen, die müde geworden sind. Um dem Abschied Farbe zu geben.

* Hinter dem Horizont wartet immer die nächste Jahreszeit. Es liegt an dir, ob sie lauert oder lächelt.

* Ich warte nicht auf das kommende Frühjahr. Ich habe das letzte noch dabei.

“Nur mal Lachs betrachtet”

Das Wasser glitzert wie eine Silberschnur, die die Wiese sich angelegt hat. Aufgeregtes Leuchten in sattem Smaragdgrün. Je näher man kommt, desto dichter füllt das Rauschen die Luft aus, dringt ein in die Gedanken, die sich im feinen Nebel der aufsteigenden Tröpfchen aufzulösen scheinen. Vielleicht werden sie auch erlöst. Oder ich von ihnen.
Blinzeln gegen die Sonne, die Hand über den Augen. Senkt man den Blick zurück aus dem Licht auf die Welt, erscheint sie viel farbiger. Ein Tanzen bunter Kreise. Noch tiefer unten rauscht der Bach vor den Füssen, das Wasser so klar, dass es schmerzt. Ich kann die Kälte sehen, die in den eiligen Wellen über die Steine springt. Und ich sehe sie dort auch stehen. Die Forellen, die bewegungslos über einer Stelle im Kies verharren, unberührt vom Tanz der Sonnenstrahlen um sie herum.
Stumm und bewegungslos stehen sie da.
Aber was für eine Kraft muss es kosten, dem Anschwemmen von der Quelle her so fest zu begegnen, so in Form zu sein, dass die Form im idealen Winkel dem Fortreißen entgegengestellt wird. Bewegungslosigkeit als Illusion. Kraft muss aufgewandt werden, um so gleichförmig zu wirken. Stillstand als Ideal einer gleichförmigen Bewegung. Das Wasser in seiner geschwätzigen Eile rauscht vorbei, spülte dabei den Sauerstoff und die Nahrung ins offene Maul. Für die, die an unserem Geduldigsein vorbeirauschen, rasen wir. In die falsche Richtung.
Aber erst die Lachse!
Welcher Enthusiasmus steckt dahinter, aus dem Stillstand heraus gegen das Rauschen reißender Flüsse anzuschwimmen. Die Barriere zwischen Salzwasser und Süßwasser überwinden, um heimzukehren. An den Ort des eigenen Ursprungs. Die eigene Fruchtbarkeit einbringen, wo man selber der großen Fruchtblase des Lebens entsprungen ist.
Die lapidare Bemerkung der Profanisten, das würde eben der Natur des Lachs’ entsprechen, beweist doch nur eines: Dass er Mut hat, sich von der Konsistenz des ihm eigenen Lebensplanes leiten lässt.
Die im Sprühnebel aufgelösten Gedanken fließen zu neuen Mustern zusammen. Zerlaufene Farben formen sich zu Aquarellen. Der Teppich der Grashalme massiert die Sohlen bei jedem Schritt.
Plötzlich scheinen sich die Forellen im Wolkenschatten zu ducken, der den Bach kreuzt. Aber das ist nur Illusion. Sie stehen fest im Wasser.
Der Weg führt ein Stück hügelan, entgegen dem Wasserlauf. Am Horizont scheint immer noch die Sonne. Sonst ist dort nichts zu erkennen, und als ich mich umdrehe, ist hinter mir bereits wieder in blauen Nachmittagsschatten versunken, woher ich kam. Es kann doch nicht sein, dass mir auch das die Lachse voraus haben:
Zu wissen, woher sie kamen und wohin sie gehen.

“Und wieder- Ein halber Blick zurück”

Nichts scheint so flüchtig, wie die heutige Zeit. Und in einem immer schwindelerregenderen Tempo verdampfen wir sie. Erst ringen wir um Errungenschaften, dann mit ihnen, dann gegen sie.
Was bleibt als Kondensat von dem, das wir durch die Destlliermaschinerie des Lebens jagen? Der Geist aus diesem Most, den wir schneller produzieren, als wir trinken können? Oder nur Verkrustung, Verkalkung, Ablagerung?
Wohnt nicht in allem der Geist, wenn oft auch nur ein Funken davon? Das Schweben eines Dufts, so wie man um die Existenz der Blüten weiß, wenn man sie mit geschlossenen Augen einatmet.
Oft trifft man auf die Blumen dort, wo man sie am wenigsten vermutet. Vielleicht steckt in dem, was uns als das Flüchtigste erscheint, ein gutes Stück der Essenz. Die allem zugrunde liegt, zu der alles wieder zurückkehrt.
Schauen wir ein weiteres Mal auf die

Essenz der Schnelligkeit (XIII)

“Nicht nur dabei – DIE Performance”

Ein Tweet: audible feiert. Nicht nur das. Wenn man wollte, konnte man sogar mitfeiern. Und mehr. Man konnte zum Akteur werden. Einfach so. Natürlich nicht- einfach so.
Vor dem “Zum-Akteur-werden” hat Gott bekanntlich den Schweiß gesetzt. So, oder so ähnlich.
Also: Geschichte oder Gedicht einreichen, sich dem Urteil einer Jury stellen und dann- Live vor den anderen Gewinnern, Gästen und dem Team von audible das eigene Stück vortragen. Wäre schön gewesen. Wurde aber nichts. Jury ist eben Jury und deren Urteil ist maßgebend.
Schade.
Den Gewinnern und allen anderen Teilnehmern dennoch viel Spaß! Doch, das wünschte ich ihnen wirklich. Und hakte es innerlich ab.
Bis zwei Tage vor dem Event: “Ihre Geschichte hat uns so gut gefallen, aber leider konnte die Jury nur so und so viele Plätze vergeben. Wir würden Ihr Stück aber gern von Stefan Kaminski vortragen lassen. Hätten Sie etwas dagegen, Herr Scheinhardt?”
Und ob! Ich etwas dagegen hatte. Hier das Ergebnis meines Einwands:

Vielen Dank an S. Kaminski für diese ausdrucks- und gefühlsstarke Interpretation der Geschichte um das erste Wort, das Frido in seinem Leben gesprochen hat!

Hier geht es zu den weiteren Höhepunkten der audible-Poetry-Night.

Danke, audible, dass ihr meiner Geschichte diese Plattform gegeben habt!

“Dünger unterm Misthaufen des Lebens”

Was wir als das Drehen der Welt empfinden, ist vielleicht nur die Übersetzung eines Phänomens in die Sprache unserer Sinne : In Wahrheit stülpt sich das Leben in ständigem Wechsel von Innen nach Außen nach Innen und wieder vor und zurück. Eine fließende Bewegung, ein Kreislauf eben, wenn man so will, aber kein Drehen nur um eine Achse mit festen Polen. Denn die Achse ist selber in Fortbewegung. Einer Spirale gleich krempelt sich das Leben um und um.
Erwartungen sind Stolpersteine, die wir uns selber in den Weg legen. Oft halten sie uns davon ab, zu weit in die Irre zu gehen. Wie haben verlernt, uns auf das Wesentliche, das dem Wesen eigene zu beschränken, weil wir alles, was nicht das Potenzial zum Ausufern hat, schon als Einschränkung verstehen. Bescheidenheit gilt nicht mehr als soziale Kompetenz, oder Tugend, wie man altmodisch sagen könnte, sondern als Dummheit.
Doch immer wieder scheint es da geheimnisvolle Mechanismen zu geben, die das Eine oder Andere regeln. Auch wenn uns nicht klar ist, wie das vonstatten geht. Aber dass uns der Überblick fehlt, weil wir ihn gar nicht haben können, und das dieses Fehlen eher Geschenk ist als Mangel, das können wir uns erstrecht nicht eingestehen. Der Mensch von heute hat alles im Griff!
Und was, wenn das Leben einmal etwas andersherum regelt? Da eingreift, wo die Hoffnung endet und zeigt: Es geht weiter. Wir mögen die Schulter zucken und denken: Gibt’s nicht!
Dem Leben ist es aber egal, was wir von seiner Wahrheit halten. Sie wird nicht weniger durch unseren Unglauben. Sie ist eben. Und sie geschieht. Manchmal offenbart er sich, der:

Dünger unterm Misthaufen des Lebens.
(Podcast neu eingesprochen!)

(erstveröffentlicht auf goodnewstoday am 04.07.2010)

“Knusper? Flocken!”

* Mit Wohlfühlinfektionen steckt man sich durch Lächeln an.

* Für den knurrenden Magen brichst du das Brot. Um die hungernde Seele nicht mehr zu hören, brichst du die Verbindung und ersetzt sie durch deine Süchte.

* Die Augen zu schließen, eröffnet dir eine andere Sicht auf die Dinge.

*Wenn die Bedeutung einer Sache so schwer wiegt, dass die Erkenntnis dich federleicht davonschweben läßt, lösen sich die Stränge des Paradoxons, das dich am Boden hielt auf. Und werden zu den Federn deiner unsichtbaren Flügel.

* Die Fenster einer schönen Fassade schauen dennoch blind, wenn drinnen kein Licht scheint.
Geh du nur weiter zum Stylisten und in die Boutique. Ich lerne Glücklichsein.

* Wenn du ehrlich schweigst, kannst du dir vielleicht deine Geheimnisse ablauschen.