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Jahre wie Puppen

Jahre wie Puppen
Die Jahre in dir
Wie russische Puppen.
Schicht um Schicht schält sich
Eine auf die andere.
Es gibt nichts auszupacken.
Das Leben lässt uns nicht.
Zurückgehen.

Verlorener Glanz?
Wir könnten die Gelegenheit nutzen
Zu entdecken, was den Lack trägt.
Statt zu versuchen, uns immer wieder
Selbst zu bespiegeln
In Eitelkeit und Selbstmitleid.

Die Zeiten gehen.
Und kommen uns nicht nachgelaufen.
Wir haben den Faden nicht verloren,
Sondern uns darin verstrickt.
Aus der Nabelschnur,
Die vom Ende herreicht in das Jetzt,
Knüpfen wir uns
Einen Strick.

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Schall. Mauern.

Schall. Mauern.

Wir durchbrechen die Stille nicht,
Indem wir schreien.
Flüstern und Lauschen
Sind kein Mittelmaß.
Sondern Mittel – der Wahl.

Um zu entdecken,
Musst du nicht suchen.
Du musst Finden. Zulassen.
Im Offensichtlichen liegen die Geheimnisse.
In der Dunkelheit tasten,
Führt dich immer wieder nur
Zu dir oder dem,
Den du dafür hältst.

Schall zwischen Mauern,
Die du errichtet hast.
Dich umkreist dein eigenes Echo.
Wie soll eine Melodie fließen
Aus einem immer wieder gleichen
Herabtropfenden Ton?

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Blütenlippen. Bekenntnisse

Blütenlippen. Bekenntnisse

Kirschroter Mund.
Blütenblätterlippenbekenntnisse.
Als wäre der Morgentau
Schon lange vertrocknet.
Mit dem Licht
Bringt die Sonne auch die Hitze.
Dörrt dich aus.
In den Schatten flüchten,
Ist keine Lösung.
Erst in der Nacht
Kühlt es sich wieder ab.
Wenn du nichts mehr siehst.
Sei still! Und lausche.
Vielleicht verrät dir ihr Schweigen
Das Geheimnis der
Lippenblütenbekenntnisse.
Das du nicht verstanden hast.

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Herzdarsteller

Richtungsweisend

Ein Stausee aus Erinnerungen.
Der Dammbruch des Gestern
Reißt dich fort aus einem sichergeglaubten Heute.
Und die Vorstellung der Zukunft
Erfüllt sich ungefragt und ungekannt.

Vorstellungen sind etwas für die Bühne.
Was glaubst du aufzuführen, ohne dich:
Als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller?
Aber darauf reduziert sich eben alles -
Das Haupt, ohne das wir uns kopflos glauben.

Suche statt nach Haupt-Darstellern
In deinem Leben
Nach denen
Mit Herz!

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Mono. Poly.

Mono.Poly.
Gehen Sie nicht über Los!
Ziehen Sie keine 4.000€ ein!
Das heißt auch: Geh’ ins Gefängnis!
Des gesellschaftlichen Außenseiterseins.
Ohne Reputation und Mammon
Ist in dieser Welt schlecht:
Frei sein.

Zwischen den Zeilen von Verboten
Lauern die Stolperfallen.
Niemand will deine Sicherheit, aber
Wo lässt sich ein Fehler nachweisen?

Damit wir etwas nicht denken,
Müssen wir es zuerst denken.
Woher sonst sollen wir wissen,
Was wir nicht denken sollen?

Um zu tun, was richtig ist,
Klammern wir uns an Verbote.
Aber das Falsche lassen heißt nicht,
Dass man das Richtige tut.

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Uniform

Uniform-Kompass

Sind wir, wer wir sind,
Wenn wir nackt sind?
Oder ist gerade dann das Offensichtliche
Unsere wirksamste Maske?
Wohnt das Ich in der Schamesröte
Deiner Wangen?
Findest du dich
Im niedergeschlagenen Blick?
Hörst du dich im Schweigen:
Nur nicht auffallen!
Nur nicht bemerkt werden
Oder etwas bemerken.
Beugt sich deine Persönlichkeit
In hängenden Schultern?
Zeigen deine Handflächen nach vorn
Oder nach hinten?
Vielleicht liegen sie sogar
An der imaginären Hosennaht.
Strammstehen in der Masse.
Nur nicht allein sein.
Um welchen Preis auch immer.
Wären wir alle nackt,
Wäre das auch nur eine weitere
Uniform.

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Nur ein Grad

Nur ein Grad
Nur ein Grad
Und mich schüttelt das Fieber.
Mich heilt kein Thermometer,
Sondern das Freigeben der Hitze,
Die durch die Reibung mit dem Leben
In mir gestaut ist.

Nur ein Grad,
Und wieder schieße ich
Am Ziel vorbei.
Gibt es Koordinaten für das Leben?
Wir flüchten uns in Termine,
Statt die Zeit zu begreifen,
Die nur eine Funktion hat:
Sie stellt die Vergänglichkeit dar
Mit ihrem Verstreichen.

Die Temperatur fällt,
Wenn das Leben weitergeht.
Es schreitet: Fort!
Die Koordinaten sinken
Unter den eigenen Horizont.
Eines Tages fallen wir
Uns selbst vor die Füße.

Auf dem Kompass werden Grade eingeteilt
In Bogenminuten und -sekunden,
Und eine einzige Sekunde kann
Den Bogen überspannen.

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Nur die Tropfen?

Rinnsale
Rinnsale erschöpfen sich.
Am Grund des Fensters.
Folgen unbestimmten Bahnen.
Aber das glauben nur wir.
Was wissen wir schon vom Willen
Eines Tropfens, der aus allen Wolken fiel?
Kennen wir denn uns?
Ein Schritt, wo wir stoppen sollten.
Als wären wir einfach durch Trägheit gesteuert.
Ein Zögern, wo es darum ginge
Sich ein Herz zu fassen.
Oder einen anderen zu berühren?

Die Tropfen waschen den Staub von der Scheibe.
Zeichnen aber nur Spuren in die Oberfläche.
Gibt es ein Geheimnis, das alle teilen:
Wasser und Wind, Licht und Fenster?
Nur wir halten uns raus.
Bleiben lieber außen vor,
Haben lieber eine Scheibe.
Durch die wir ins Kaleidoskop der Tropfen blinzeln
Und uns versuchen:
Im Erkennen und darin, uns selbst zu finden.

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Auf der Stelle!

footprint
Sich wirklich erinnern heißt:
Vergessen können.
Bei der Speise kommt es
Auf das Aufnehmen ebenso an,
Wie auf das Abgeben.
Was immer du nicht loslässt,
Wird dich festhalten.
Gefangenschaft mag ein Urteil sein,
Das andere über dich gefällt haben.
Gefangensein ist aber:
Deine Entscheidung.
Du bleibst in Bewegung,
Kommst aber nicht vorwärts.
Sinkst immer tiefer ein,
Wenn du auf der Stelle trittst.

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[Foto aus dem cc-flickr-stream von orinoko42]

Vor der Zukunft: Lebe!

Tür an der Kirche
Wer bricht schon auf
Von einem Gräberfeld?
Totengräber und Geister.
Wartet hinter der Stele aus Sandstein
Die Tür zum Licht?

Der Weg ist das Ziel?
Der Weg ist der Zwang,
Sich bewegen zu müssen.
Niemand kommt zur Ruhe.
Am wenigsten der, der stehenbleibt.

Auf einem Gräberfeld
Mögen wir die Begegnung suchen
Mit der Vergangenheit.
Was wir finden sind Ausblicke.
Denn dort liegt
Unsere Zukunft.

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