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Dünger unterm Misthaufen des Lebens

Das Leben ist ein großer Misthaufen, und Gott ein alter Gockel, der drauf steht! Er kräht nicht einmal, sondern gackert albern wie ein Huhn. Als wollte er sie verhöhnen, weil er ja sowieso keine Eier legen kann.
Sabi schmeckte die Tränen, als sie die Nase schniefte. Wie bunt zerlaufenes Make-up fiel das Licht durch die gotischen Mosaikfenster auf ihr Gesicht, Staub schwebte in den Strahlen, die durch das Kirchenschiff schnitten. Von der Empore klang wehmütig das Probespiel der Orgel herab, kaum lauter als das Scharren der Füße auf dem alten Steinboden und die gedämpften Stimmen der Besucher. Der Menschenstrom schwoll an und wurde weniger, riss aber nie ganz ab. Die Kirche gehörte zu den meistbesuchten Orten der Stadt.
Sabi nahm von alldem nichts wahr, wusste in dem Moment nicht einmal, dass sie hier war.
Der erste Glockenschlag ließ sie zusammenfahren. Ein unvermittelter Schmerz in der Hand zeigte ihr, dass sie die Plastikkarte immer noch festhielt. Den ganzen Weg schon, bis hierher? Sie sah sich ungläubig um. Wie durch einen Schleier nahm sie die gedämpfte Atmosphäre wahr. Der Schmerz in der Hand, wo die Kante der Karte sich tief eingedrückt hatte, wurde zur pochenden Erinnerung. Blöde, nutzlose Karte!
Der zweite Schlag überraschte sie beinahe noch mehr. Es hätte immerhin auch Ein Uhr sein können. Oder? Eine weitere, leise Träne tropfte auf die EC-Karte. Ihr fehlten zehn Euro, einfach nur zehn einfache Euro.
Der nächste Glockenton hatte nichts von diesem Sprichwort, dass alle guten Dinge drei wären. Sabi konnte keine Fahrkarte kaufen, weil das Geld nicht reichte.
Vier! Und ein Schauer durchlief sie, als setzte sich das Dröhnen in ihrem Innern fort. Soll es mich doch verschlucken!

Die komplette Geschichte wird im Prosaband “Fang das Licht!” enthalten sein, der in Kürze erscheint.

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