Bereits als ich anfing zu suchen, wusste ich, dass es vergebens war. Die Tasche blieb leer, immer wieder fühlte ich nur die doppelte Lage Stoff, wo sie auf das Hemd genäht war. Auch in Sakko und Mantel fand es sich nicht wieder an, und so zog ich resigniert die Krawatte unter dem Kragen hervor, hängte das schwarz-gold-gestreifte Exemplar an die Stuhllehne und starrte einen Moment auf das Stillleben über dem Esstisch. Der Anblick des kunstvoll arrangierten Obstes dort war auch kein Trost.
Mir steckte der Zwölfstundenfrust eines ganz normalen Arbeitstages in den Knochen. Alles, worauf ich noch Lust hatte, war die Beine hoch zu legen und bei einem Bier in die flimmernden Bilder der Glotze zu starren, bis ich soweit runter gekommen war, dass das Bett und ich für eine weitere Nacht Freunde werden konnten. Dass ich am Endes des Tages das Portemonnaie verloren hatte, konnte meine Stimmung nicht gerade heben.
Sie war weder besonders schön, noch besonders wertvoll, diese in Bordeaux eingeschlagene Geldklammer mit dem extra Münzfach. Der Geruch des frischen Leders hatte sich längst verflüchtigt, und schon von einem der alten Cäsaren wissen wir, dass Geld nicht stinkt, und somit hatte es auch keine anderen Duft angenommen.
Mich machte nicht der materielle Verlust traurig, sondern die Erinnerung, die mich mit dem Stück verband. Das kleine, handliche Teil mit dem gehörnten Helm auf der Vorderseite, hatte ich vor einiger Zeit zusammen mit einem mir wertvollen Menschen gekauft. Immer wieder hatten wir uns viele der kleinen Teile begeistert an die Nasen gehalten, um diesen einzigartigen Geruch frisch behandelter Haut zu genießen. Letzlich hatten wir uns gemeinsam für dieses entschieden.
Das Bier schmeckte an diesem Abend einfach nur schal,
…
Die komplette Geschichte wird im Prosaband “Fang das Licht!” enthalten sein, der in Kürze erscheint.