Für mich ist es eben nichts mehr als das: Mythen und Legenden.
Pechschwarze Haare, eine ganz dichte Wolle auf dem Kopf, völlig untypisch für das Alter, und ein runzliges Gesicht, das sich erst mit den ersten Tagen auf dieser Welt irgendwie von innen aufzupumpen schien, um das Relief eines kleinen Menschenkopfs anzunehmen.
Mit strahlend blauen Augen sah der Junge so neugierig aus dem Körbchen hinauf in die Welt, die sich nur über ihm abzuspielen schien, dass der Opa immer wieder sagte:
“Ick glob, der kann schon kieken!”
Mal ehrlich, wer kann sich schon an solche Dinge aus seinem Leben erinnern, wenn er gerade frisch geschlüpft ist? Niemand.
Und doch sehe ich diese Bilder vor mir, als hätte ich es selber miterlebt. Die Altvorderen haben es mir so oft und so eindringlich erzählt, dass ich es erst für wahr hielt, bis ich schließlich glaubte, selber dabei gewesen zu sein.
Bin ich ja auch, irgendwie. Aber da scheint es Trennwände in unserem Bewusstsein zu geben, die erst nach und nach die Welt hereinlassen. Als wären wir im Kindesalter noch nicht hart genug für die Realität. Wir erinnern uns erst ab einem späteren Zeitpunkt. Was gibt uns aber die Gewähr, dass es wahr ist, was man uns über uns selber erzählt, und was wir über uns glauben? Es ist der Grundstein für das, was wir darüber denken, wer wir sind. Schon mal drüber nachgedacht?
Wenn wir aufmerksam sind, fällt uns auf, dass andere Menschen oft das, was wir erlebt haben, anders darstellen, als wir den Film im Kopf haben. Warum ist das so?
Stellen wir uns die Augen vor als Objektive einer Kamera und die Erinnerung als Filmmaterial, das belichtet wird, ist schon mal klar, dass jede dieser Kameras immer eine andere Perspektive haben muss. Eine einzigartige! Kein Ort der Welt kann auch nur einen Moment lang doppelt belegt sein!
Dazu kommt, jedes Filmmaterial ist anders, als jedes andere. Manchmal sind die Unterschiede größer, manchmal gibt es mehr Übereinstimmung. Aber nie eine 100%ige! Wir sind In-di-viduen, in-sich-unteilbare Wesen. Das ist Geschenk und Aufgabe dieses Lebens.
Was andere uns als ihr Erleben präsentieren, ist also ihre Interpretation der Wirklichkeit. Sie haben es SO gesehen. Was wir davon mitbekommen und in unserem Speicher hinterlegen, ist unsere Deutung ihrer Interpretation. Auch wir erleben auf der Grundlage unserer Beschaffenheit.
Was also kann davon wahr sein, was uns Fremde über UNSER Leben und Erleben erzählen aus einer Zeit, als unser Videospeicher noch nicht mit Erinnerungsfunktion ausgestattet war?
Mythen und Legenden.
Aber was wäre das Leben ohne sie…
Man mag davon halten, was man will, aber irgendwas hat es. Würde mir manchmal wünschen, das mir was ähnliches einfiele…
Man mag davon halten, was man will, aber irgendwas hat es. Würde mir manchmal wünschen, das mir was ähnliches einfiele…
@WaSch|Danke, werde mich bemühen in diesem Sinne weiterzumachen…
@WaSch|Danke, werde mich bemühen in diesem Sinne weiterzumachen…